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    Schweinfurt

    100 Jahre Arbeiterwohlfahrt: Geprägt von starken Frauen

    Gemeinsam feierten sie die Jubiläen der Arbeiterwohlfahrt. Von links: Landrat Florian Töpper, Holger Milde (stellvertretender Vorsitzender der AWO Schweinfurt), Kreisvorsitzende Gaby Sander, dritter Bürgermeister Karl-Heinz Kauczok und Bezirksvorsitzender Stefan Wolfshörndl. Foto: Ursula Lux

    "Meine Herren und Damen", wie Marie Juchacz, die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), bei der ersten Rede einer Frau in der Weimarer Nationalversammlung, begrüßte auch AWO-Kreisvorsitzende Gaby Sander die Gäste im voll besetzten Saal des Naturfreundehauses. Gemeinsam feierten der Stadtverband und die Ortsverbände Bergrheinfeld, Gerolzhofen, Gochsheim, Niederwerrn Schonungen und Schwebheim 100 Jahre AWO Deutschland und 60 Jahre AWO Bezirksverband.

    Die Schirmherrschaft hatte Landrat Florian Töpper übernommen. Er richtete angesichts des Jubiläums seinen Blick vor allem in die Zukunft. Ein starker Wohlfahrtsverband mit einer festen Verankerung in der Sozialdemokratie, der offensiv mit den Herausforderungen einer sich veränderten Gesellschaft umgeht, werde auch in Zukunft gebraucht, betonte er. Selbst seit 20 Jahren AWO-Mitglied, warb der Landrat für eine "lebendige Mitgliedschaft". Es sei wichtig sich einzubringen. "Erfolge fallen nicht vom Himmel", mahnte Töpper.

    Während der Diktatur der Nationalsozialisten war die AWO verboten

    Der stellvertretende Vorsitzende der AWO Schweinfurt Stadt, Holger Milde, blickte auf die Entstehungsgeschichte des Wohlfahrverbandes zurück. Er beschrieb er die Situation der Menschen nach dem Ersten Weltkrieg und betonte, dass es vor allem die Frauen waren, die sich gegen diese Not organisierten: "Jucharcz war eine der Aktivsten."

    Während der Diktatur der Nationalsozialisten war die AWO verboten, aber schon 1946 wird sie in Schweinfurt unter Mitwirkung der Stadträtin Gretel Baumbach wiedergegründet. Auch sie eine starke und sozial engagierte Frau, die das Jugendheim mit Kindergarten und Beratungsstelle ins Leben rief, die Stadtranderholung der AWO gründete, den Bau des Studentenwohnheims in der Friedrich-Ebert-Straße und des Altenwohnheims am Kornmarkt initiierte. Ihr folgte die ebenso engagierte Amanda Käß. "Es sind drei große Frauen, die die Arbeit der AWO prägten", stellte Milde fest. Auch die Zahlen werfen ein beredtes Bild auf die Entwicklung des Wohlfahrtverbandes. Hatte er Ende der 1950er-Jahre 730 Mitglieder und vier Angestellte, so sind es aktuell knapp 700 Mitglieder und 90 Angestellte.

    15 000 Einrichtung werden von der AWO betreut

    Die Festrede hielt Bezirksvorsitzender Stefan Wolfshörndl. Die AWO sei so bunt und vielfältig wie die Gesellschaft, stellte er fest. Bundesweit habe sie rund 300 000 Mitglieder und 230 000 Mitarbeiter, 2800 davon im Bezirk Unterfranken. Insgesamt 15 000 Einrichtung werden betreut von der Kinderkrippe über die Beratungs- und Flüchtlingsarbeit bis zu den Senioren. Vor allem aber sei man auch ein "politisch denkender Wohlfahrtsverband", betonte Wolfhörndl, denn die AWO setze sich für die Grundwerte Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz ein. Schon seit der Gründung sei man weg von der "missionarischen Wohlfahrt" hin zu Eigeninitiative und aktivem Mitgestalten gegangen. Statt Opfer und Almosen setze die AWO auf Hilfe zur Selbsthilfe. Die Grundwerte und Grundideen der AWO "haben immer Konjunktur und passen sehr gut in unsere Zeit", so Wolfshörndl.

    Im voll besetzten Saal des Naturfreundehauses, begleitet vom Mandolinenorchester der Naturfreunde, feierten die AWO Stadt und der AWO-Kreisverband ihr Jubiläum. Foto: Ursula Lux

    Der dritte Bürgermeister der Stadt, Karl-Heinz Kauczok, gratulierte ebenso wie der stellvertretende Bürgermeister von Schonungen, Jürgen Geist. Musikalisch gestaltete das Mandolinenorchester der Naturfreunde unter Leitung von Jürgen Klose die Feier.

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