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    Schweinfurt

    100 Jahre Stadtrat und Stadtmedaille für Thomas End

    In festlichem Rahmen feierte der Schweinfurter Stadtrat seinen "100. Geburtstag". Warum FDP-Stadtrat Georg Wiederer von seinen Kollegen mehr Mut einfordert.
    Die Stadtmedaille in Silber für seine Verdienste als Referent und Stadtrat bekam Thomas End (Mitte) verliehen. Auf dem Bild (v.l.) Oberbürgermeister Sebastian Remelé sowie Ends Ehefrau Ursula. Foto: Martina Müller

    Es war ein würdiger Rahmen für ein nicht alltägliches Ereignis. Gemeinsam mit früheren Stadtratskollegen, den Ehrenbürgern und früheren Oberbürgermeistern Kurt Petzold und Gudrun Grieser sowie einem Großteil der jetzigen Stadträte feierte Oberbürgermeister Sebastian Remelé in der Rathausdiele den 100. Jahrestag der Gründung des Gremiums nach demokratischen Wahlen.

    Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Deutschland Revolutionsstimmung, die Republik wurde ausgerufen, in Schweinfurt durch Fritz Soldmann am 9. November 1918 auf dem Zeughausplatz. Es gibt davon ein eindrucksvolles Bild in Peter Hofmanns neuem Buch "Schweinfurt im Wandel." Ein Jahr später dann, nach Gründung des Freistaates Bayern und Eingemeindung von Oberndorf, die erste Stadtratswahl in freien und geheimen Wahlen, am 21. Dezember 1919 war das. Es siegte die Vereinigte bürgerliche Liste klar vor den Unabhängigen Sozialdemokraten, den Mehrheitssozialdemokraten und den Kommunisten.

    1919, wie Stadtarchiv-Leiter Uwe Müller in seinem Vortrag erklärte, geschah nicht nur Historisches in Sachen Demokratie, in Schweinfurt wurde auch gleich mit der Sozialdemokratin Anna Weichsel die erste Frau überhaupt in das damals nur 30 Mitglieder große Gremium gewählt. Am 14. März fand die Bürgermeister-Wahl statt, es siegte der Linken-Kandidat Benno Merkle. Müller beschrieb die Entwicklung des Gremiums, die während des nationalsozialistischen Terror-Regimes zwölf Jahre unterbrochen war, bis heute. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es vor allem auf der Position des Oberbürgermeisters Kontinuität, es waren in 73 Jahren bisher fünf: Ignaz Schön, Georg Wichtermann, Kurt Petzold, Gudrun Grieser und seit 2010 Sebastian Remelé.

    Gruppenbild mit Referenten: Der aktuelle Stadtrat, noch bis Mai 2020 im Amt, stellte sich beim Ehrenabend zum Gruppenbild, vorne in der Mitte Oberbürgermeister Sebastian Remelé. Foto: Martina Müller

    Der OB nutzte den Abend für Dank an das amtierende Gremium und die Vorgänger: "Wir haben gemeinsam losgelöst von Parteien und Weltanschauungen nur in einem Interesse gewirkt, das Wohl der Stadt und ihrer Bürger zu mehren", so Remelé. Die großen Weichen der Stadtentwicklung, darauf sei er stolz, "wurden meist in Einvernehmen gestellt."

    Zwölf Jahre Referent, 17 Jahre Stadtrat: Ehrung für Thomas End

    Ein besonderer Abend war es nicht nur für den Stadtrat, sondern auch für einen, der ihn drei Jahrzehnte lang in unterschiedlichen Positionen geprägt hat: Der Sozialdemokrat Thomas End hatte Ende August sein Stadtratsmandat niedergelegt, es folgte SPD-OB-Kandidatin Marietta Eder. End war nicht nur von 2002 bis 2017 Stadtrat, sondern prägte die Stadt vorher unter zwei verschiedenen Oberbürgermeistern von 1988 bis 2000 als berufsmäßiger Stadtrat. Unter anderem war der promovierte Jurist Referent für Sicherheit, Ordnung und das Leopoldina-Krankenhaus. 

    Remelé lobte End für sein Engagement, er habe "souverän, professionell und mit energischer Hand" als Referent gearbeitet und als Stadtrat durch Sachkenntnis und die nötige Portion Humor das Gremium bereichert. End freute sich sichtlich über die Auszeichnung. Als er mit seiner Frau Ursula vor 30 Jahren nach Schweinfurt zog, sei es eine graue Industriestadt gewesen. Er und seine Frau seien "stolz, dass wir die Entwicklung von der grauen Industriestadt zu einer weltoffenen Kommune begleiten durften."

    Zur Jahresschlusssitzung des Stadtrates gab die Musikschule ein Konzert. Foto: Oliver Schikora

    Bei der Jahresschlusssitzung des Stadtrates, die mit dem traditionellen Konzert der städtischen Musikschule begann, hatte der OB eine ausführliche Bilanz des Jahres 2019 in Bildern gezeigt. Diese zeigten eindrucksvoll, dass auf allen Gebieten im vergangenen Jahr eine Menge passierte, ob bei der Konversion, dem Klimaschutz, Landesturnfest oder Städtepartnerschaften. "Wir haben viel erreicht und uns Perspektiven für die nächsten Jahre gegeben", so Remelé.

    "Mehr Mut zu Entscheidungen und einen Gang höher schalten."
    Georg Wiederer in seiner Jahresabschlussrede als Empfehlung für OB und Verwaltung.

    Das konstatierte auch FDP-Stadtrat Georg Wiederer. Der 79-Jährige hat traditionell als Ältester des Gremiums das letzte Wort am Ende eines Jahres. Er lobte das Engagement von Verwaltung und Kollegen, hatte aber auch mahnende Worte. Der Stadtrat habe einen Eid geleistet, für "die Stadt das Beste zu wollen". Gelegentlich sei das aber umgeschlagen in Parteiinteressen, außerdem müssten Bürgerbegehren durch Stadträte die Ausnahme bleiben, um Beschlüsse des Gremiums nicht zu untergraben.

    Wiederer appellierte an die Kollegen, einen fairen Kommunalwahlkampf zu führen, "radikale Kräfte wollen wir hier nicht haben." Er halte Klimaschutz für wichtig und sei froh über das Engagement der Jugend, "das gibt mir Hoffnung für die Zukunft." Stadt und Stadträte müssten aber vor Ort vermitteln für ein gemeinsames Miteinander.

    Für den OB und seine Referenten hatte Wiederer eine Botschaft: "Mehr Mut zu Entscheidungen und einen Gang höher schalten."

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