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    Schweinfurt

    25. Februar 1944: Bomber-Angriff in drei Wellen

    Am 24. Februar wurde hier Johanniskirche, das älteste Gebäude Schweinfurts von Bomben schwer getroffen. Foto: Pfarrarchiv St. Johannis

    Es war bitter kalt am 24. und 25. Februar 1944. Das Thermometer zeigte Minus 13 Grad. Die Feuerlöschteiche und Hydranten waren zugefroren oder vereist, die Feuerwehrleute vom Löschwasser durchnässt, die Kleidung steif. So berichtete es später der Chef der Luftschutzpolizei Wilhelm Weger. Schweinfurt hat vor 75 Jahren die schwersten Bombenangriffe des Krieges. In drei Wellen kamen zunächst 300 amerikanische Bomber um 13.25 Uhr für 21 Minuten über die Stadt und um 21.50 Uhr sowie um 1 Uhr des 25. Februar 662 Bomber der Royal Air Force. Sie warfen 36 beziehungsweise 40 Minuten lang 2152 Tonnen an Bomben über Schweinfurt ab. Allein in der Stadt gab es 362 Todesopfer, darunter 218 Kriegsgefangene. Der frühere Pfarrer Dieter Schorn hat sich intensiv mit dem Bombenkrieg um Schweinfurt beschäftigtund nach der Auswertung weiterer Register die Zahl auf 414 korrigiert. Über 10 000 Menschen verloren ihre Wohnungen.

    St.Johannis liegt in Schutt und Asche  

    Der elfjährige Dieter Schorn war zu dieser Zeit in einem Lager der Kinderlandverschickung in Veitshöchheim. Sein Vater Heinrich, Pfarrer in St. Johannis, hatte am Morgen noch eine Beerdigung. Als der Bombenalarm ausgelöst wurde, ging er zusammen mit Dekan Wilhelm Fabri in den ihnen zugewiesenen Bunker am Brauhaus am Markt. Als sie nach der Entwarnung zurückkehrten, erkannten sie gleich das Ausmaß der Zerstörung.

    Das Dach der Kirche, dem ältesten Gebäude Schweinfurts, war weitgehend weg. Als sie um die Kirche herumgingen, sahen sie das Pfarrhaus. Über dem Erdgeschoss gab es nur noch Schutt. Im Kircheninneren war vor allem der westliche Teil völlig zerstört, die Kanzel hatte es, wie sich später zeigte, in über 300 Einzelteile zerlegt. Zum Glück waren die leicht brennbaren Kunstgegenstände der Kirche, darunter vier Heiligenfiguren, rechtzeitig nach Kloster Banz ausgelagert worden. Die Sarkophage und eine schwere steinerne Marienstatue hatte man eingemauert.

    Über 2500 Flakhelfer im Einsatz 

    Zwischen 1943 und 1945 waren im Raum Schweinfurt über 2500 Flakhelfer im Einsatz. Meist Schüler aus ganz Nordbayern. Darunter waren sieben Schüler der Würzburger Oberschule am Gardistenplatz, dem heutigen Siebold-Gymnasium. Sie waren am sogenannten Gleisdreieck bei Oberndorf stationiert und wurde von der Bombe eines Tieffliegers getötet. Mit ihnen starben vier reguläre Flaksoldaten und mindestens zehn russische Helfer.

    Werner Lipponer, einer von sieben Würzburger Schülern, die bei den Angriffen auf Schweinfurt ihr Leben verloren Foto: Stadtarchiv

    Die Mutter des 15-jährigen Werner Lipponer aus Remlingen, hatte den Anflug der Bomber beobachtet und ihrem Sohn noch einen Brief geschrieben. Wenige Tag später kam er zurück mit dem Vermerk "Für Großdeutschland gefallen." Den Nachlass Lipponers hat Schorn gesichert und im Stadtarchiv untergebracht.

    Schwere Zerstörungen auch im Umland 

    Der Angriff war Teil der "Big Week", die gegen die deutsche Rüstungsindustrie gerichtet war. Im Raum Schweinfurt allein wurden beim "Double Blow" (Doppelschlag) zehn Minen, 3500 Sprengbomben, 800 Ölbrandbomben, 2000 Phosphorbomben und 3000 Stabbrandbomben abgeworfen. Im Nachhinein räumten die Amerikaner und Briten, die zusammen 44 Maschinen verloren, ein, ihre Ziele nicht erreicht zu haben. Als Kerngebiet hatten sie eine Fläche von 1,5 Quadratkilometern definiert. Bombardiert wurden jedoch 25 Quadratkilometer, was zu schweren Zerstörungen und Verlusten auch in Schwebheim, Sennfeld, Röthlein, Heidenfeld, Hirschfeld Hergolshausen, Garstadt und vor allem in Grafenrheinfeld (mit 30 Toten) führte.

    Die Kanzel von St. Johannis zerfiel durch den Druck der Bomben in über 300 Teile. Foto: Archiv Pfarramt

    Dekan Fabri, dessen Familie im Krieg zwei Söhne verlor, kam zunächst in der Schultesstraße unter. Aber auch diese Wohnung wurde bei einem weiteren Angriff zerstört. Er wohnte schließlich im Pfarrhaus von Heinrich Schorn, dessen Familie in Ostheim vor der Rhön in Sicherheit war. Das Pfarrhaus stand zwischen dem Dekanat und dem alten Gymnasium und wurde noch am letzten Tag des Krieges in Schweinfurt, am 10.April 1945, zerstört wurde. Fabri war zum dritten Mal ausgebombt.

    In St. Johannis kamen die Aufräumarbeiten schnell voran. Am Ostteil, auf Höhe der jetzigen Kanzel wurde eine provisorische Bretterwand eingezogen, so dass dort Gottesdienste abgehalten werden konnten. 1951 konnte die gesamte Kirche wieder genutzt werden. Die in der Hütte des Alpenvereins Haselstaude, rund zehn Kilometer außerhalb von Schweinfurt, ausgelagerte Kanzel wurde wieder zusammengesetzt.

    In St. Johannis berichtet Dieter Schorn in zwei Vorträgen über die Ereignisse vom 24. und 25. Februar 1944 und zwar am Samstag nach dem Gottesdienst um etwa 11.30 Uhr und etwas ausführlicher am Sonntag um 15 Uhr.

    Schweinfurt im Bombenkrieg
    Im Zweiten Weltkrieg erlebte Schweinfurt über 20 Bombenangriffen der Amerikaner und Briten. Ziel war die rüstungswichtige Kugellagerindustrie. Dabei wurde knapp die Hälfte des Wohnraums und über 80 Prozent der Industrieanlagen vernichtet. Es gelang jedoch nicht, die Produktion auszuschalten, da große Teile ausgelagert worden waren.
    Bei den Angriffen kamen rund 800 Deutsche und 400 Ausländer, meist Zwangsarbeiter, ums Leben. Aber auch die Alliierten hatten Verluste. Die schwersten am "Black Thursday", den 14. Oktober 1943, als 60 Maschinen mit rund 600 Mann Besatzung abgeschossenwurden. In den 1990er-Jahren gab es erste Kontakte zwischen den ehemaligen Flakhelfern und der "Second Schweinfurt Memorial Association", zu der sich in den USA einige ganze Reihe ehemaliger Angreifer zusammengeschlossen hatten. 1998 wurde in Schweinfurt ein "Mahnmal der Versöhnung" gemeinsam übergeben.

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