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    Sennfeld

    35 Jahre Indio-Hilfe Peru: Mit kleinen Schritten viel bewegen

    Unterweisung in die Hygiene: In der mit Sennfelder Spenden gebauten Gesundheitsstation in Palosolo in Mexiko gibt es Tipps in Wort und Bild.  Foto: Indiohilfe

    Eine Reise nach Peru 1984 war schon so etwas wie schicksalhaft für Emil und Sigrid Heinemann. Beide sind und waren in Posaunenchören aktiv. Bei der Vorbereitung der Konzert-Reise, die der Posaunenchor  Würzburg organisiert hat, haben sich die zwei kennengelernt. In Kirchen, Altenheimen, Waisenhäusern haben sie mit Bläsern aus ganz Deutschland in Peru gespielt, sind in den vier Wochen begeistert aufgenommen worden.  "Posaunenchor, das ist total exotisch."

    Im Gesundheitszentrum Pahactla warten Frauen auf ihre Behandlung. Auch hier half die Indio-Hilfe Sennfeld.    Foto: Indiohilfe

    In Peru haben sie sich verlobt. Was sie dort gesehen und erlebt haben, hat sie veranlasst, die Indio-Hilfe Peru zu gründen. "Das konnten wir nicht einfach so stehen lassen, was wir gesehen haben", sagen die zwei, mitten in den letzten Vorbereitungen zum 35-jährigen Bestehen der Hilfsorganisation.  Am 31. März wird in Sennfeld gefeiert. Um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Dreieinigskeitskirche, um 11 Uhr mit einem kleinen Festakt im Senntrum. 

    Rainer Rosenbaum, UN-Entwicklungshelfer und Regierungsberater aus Würzburg, hat die Gruppe damals in die Slums von Lima gebracht. Vier Stecken, eine Plane, das waren die Häuser, erinnert sich Heinemann. Kinder aßen Sand, um an Mineralien zu kommen.  Das haben die Heinemanns immer noch ganz deutlich vor Augen. "Die Leute hatten nichts." Aber sie haben trotzdem die Deutschen zum Essen eingeladen. Haben das Wenige, das sie hatten, geteilt.

    In Bolivien entstand in Cochabamba das Centro de Salud Sennfeld. Zwischen 1990 und 1994 wurden in Bolivien knapp 60 000 Euro Spenden investiert.  Foto: Indiohilfe

    Da war die Idee geboren, zu helfen.  Mit kleinen Dingen.  Und so, dass Leute vor Ort miteingebunden sind.  "Wir haben Projekte unterstützt, die für die großen Hilfsorganisationen zu klein sind", sagt Emil Heinemann. Nähmaschinen, zum Beispiel, Werkzeug für eine Behindertenwerkstatt, ein sechs Kilometer langer Bewässerungskanal. Schnell  war auch klar, dass Medizin ein Themaist. Die Indio-Hilfe baute eine Gesundheitsstation in Pamplona Alta, einem Elendsviertel in der Nähe von Lima.

    Medizinische Versorgung ist ein großes Anliegen 

    Medizinische und zahnmedizinische Ausrüstung wurde beschafft. Ein anderer Gesundheitsposten bekam dank Sennfelder Unterstützung eine Zentrifuge und ein Mikroskop. Es wurden auch Barfußärzte, Promotores de Salud, gefördert. Ihre Aufgabe: Grundversorgung in Hygiene und Erster Hilfe anbieten. Auch Gesundheitserzieher wurden ausgebildet, um den Menschen Basis-Kenntnisse in Hygiene und Gesundheitsvorsorge zu vermitteln. Zum Beispiel, dass man die Kinder nicht in Wasser baden lässt, das Tiere als Toilette benutzen.  "Bildung und Aufklärung fehlen", sagt Sigrid Heinemann. "Das fängt mit Händewaschen an und geht bis zur sexuellen Aufklärung." 

    In vier Ländern ist die Indio-Hilfe aktiv 

    Was in Peru anfing, weitete sich auf andere Teile Südamerikas aus. Das lag an Rainer Rosenbaum, der immer wieder woanders im Einsatz war: Mexiko, Bolivien, Kuba. Er hat Projekte ausgesucht, oft mitten in der Nacht angerufen, erinnert sich Emil Heinemann. Zum Beispiel mit der Bitte: "Wir brauchen Decken." Dank Sennfelder Spenden konnten die auch bald gekauft werden. 

    Gesundheit und Bildung, das sind die Themen um die sich der Verein kümmert. Mehrere Ärzte gehören mit zum "harten Kern" der Indiohilfe: Dr. Andreas Müller-Wolpert, Prof. Dr. Hubert Seggewiß , Dr. Kornelia Seggewiß. Sie können am besten entscheiden, welche Ausrüstung wo gebraucht wird, was sinnvoll ist. Gibt es keine stabile Stromversorgung in einem Gebiet, kann man da auch keine komplizierten Diagnose-Geräte einsetzen, meint Sigrid Heinemann. Kleine Schritte will der Verein gehen, da gibt es auch keinen großen Apparat. Drei Ehepaare sind quasi die Schaltzentrale. 

    Emil und Sigrid Heinemman haben die Zeitungsüberschriften von Berichten über die Indiohilfe zu einem beeindruckenden Poster zusammengestellt.  Foto: Susanne Wiedemann

    In den ersten 25 Jahren wurden rund 300 000 Euro investiert in Peru, Bolivien, Mexico und Kuba.   Die Indio-Hilfe hat treue Spender, der Posaunenchor und Sonnenstrahlchor rufen bei Konzerten zu Spenden auf, am Adventsmarkt gibt es einen Verkaufsstand.  

    Für die Heinemanns sind es vor allem auch die Begegnungen mit Menschen, die die Indio-Hilfe so wertvoll machen. "Es geht nicht nur um Geld, es geht auch um eine emotionale Ebene", sagt  Sigrid Heinemann. "Es bringt mehr, wenn man mit den Leuten spricht", sich kennenlernt und versucht, einander zu verstehen, die Unterschiede in den Lebensweisen zu akzeptieren. "Mein Tipp: Im Flugzeug beim Hinflug die Uhr abmachen, beim Heimflug wieder anlegen."  Man dürfe das alles nicht mit europäischen Maßstäben messen, fügt Emil Heinemann dazu. 

    "Es geht nicht nur um Geld, es geht auch um eine emotionale Ebene."
    Sigrid Heinemann

    Schauen, dass das Geld gut angelegt ist: Das ist dem Verein wichtig. Die Heinemanns haben auf ihren Reisen (alle selbst bezahlt, darauf legen sie Wert) mit Freunden und Unterstützern die tollsten Dinge erlebt. Sigrid Heinemann erinnert sich noch mit Schrecken daran, wie sie panisch in ein Ruderboot gesprungen ist, als sie in einem See schwamm und ein Kaiman, eine Krokodilart, vorbeikam. "Dabei hieß es, ab Sonnenuntergang gehört den Tieren der See. Ich war vorher drin." 

    Einrichtung und Medikamente für San José de Uchupiamonas in Bolivien werden ausgeladen.  Foto: Indiohilfe

    Nett auch die Geschichte vom Besuch im Zapatisten-Dorf in Mexiko. Es gibt ein Gruppenbild mit vermummten Funktionären. Um empfangen zu werden, musste die Gruppe durch eine Ausweiskontrolle. Emil Heinemann hatte nur seinen Blutspenderausweis dabei. Er hat erklärt, dass ihm als  Anführer ein rotes Kreuz in seinem Ausweis zusteht. Hat geklappt, er wurde vorgelassen zur Dorf-Leitung. 

    TV-Auftritt nach Fidel Castro

    Einen besonderen Moment erlebte Sennfelds ehemaliger Bürgermeister in Kuba. Ein Sender machte mit ihm ein Fernsehinterview.  Beim Abendessen war glücklicherweise ein Fernseher im Raum. Und so flimmerte nach einer Stunde  Fidel Castro Emil Heinemann über den Bildschirm. Traurige Momente gab es natürlich auch. Wenn man erfährt, dass ein Dorf fast komplett von den Masern ausgelöscht wurde, zum Beispiel. 

    Helfen können ist schön, das wissen die Heinemanns. Was beide aber sehr freut, ist, dass die Sennfelder zur Indiohilfe stehen, immer wieder spenden. Ist ja auch nicht selbstverständlich, dass es in Kuba eine Sala Sennfeld gibt.  Oder in Cochabamba in Bolivien das Centro de Salud Sennfeld. Hier hat übrigens Frank Weber ein Projekt für Straßenkinder  ins Leben gerufen. Ein weiterer Weg, dort zu helfen.  

    Die Spendenkonten der Indio-Hilfe Peru: VR-Bank Schweinfurt, IBAN DE26 7906 9010 0006 417000 BIC GENODEF1ATE. Sparkasse Schweinfurt, IBAN DE36 79350101 00002141 14, BIC BYLADEM1KSW

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