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    GOCHSHEIM

    40 Wespennester unter den Ziegeln entdeckt

    Ein Sommer wie dieser, warm und trocken, ist ideal für Wespen. Dass diese zu richtigen Plagegeistern werden können, hat wohl jeder schon einmal erlebt, der im Garten sein Essen aufgetragen hat. Wo Wespen allerdings gar nichts verloren haben, das ist in der Nähe von Kindern. Deshalb war Handeln angesagt, als Waldemar Dück und seine Frau Heike 40 Wespennester über dem Kindergarten entdeckten.

    Das Gochsheimer Ehepaar hat eine wunderschöne Dachterrasse unmittelbar an den evangelischen Kindergarten angebaut. Nichts ahnend, dass Wespen dort Unterschlupf suchen würden, um von dort auf den Spielplatz des Kindergartens auszuschwärmen. Zuerst schwirrten die Wespen am Pool der einjährigen Zoe herum, in dem sie planschen wollte. Dann entdeckte der siebenjährige Noel Wespen in seinem Spielhaus. Jetzt war Handeln angesagt.

    Die Dücks baten die Gemeinde um Hilfe. Und der Leiter des Bauamtes, Manfred Scholl, fand beim Naturschutzwart des Landkreises, Lothar Schwarz, Unterstützung.

    Naturschutzwart setzt Wespennester um

    Er stieg den Dücks quasi aufs Dach und fand Erstaunliches: Unter den Ziegeln hatte sich eine ganze Kolonie von Feldwespen niedergelassen „Dass Wespen sich in Kolonien niederlassen, war mir neu“, staunte Schwarz. Pro Nest entwickeln sich 30 bis 150 Insekten, kein Wunder, dass es auf der Terrasse der Dücks nur noch so schwirrte. Schwarz setzte von den 40 Wespennestern 30 um, einige auf den Insektenlehrpfad in Schwebheim, andere in einen eigens gefertigten Kasten neben seiner Haustüre. Jeden Morgen hob er den Deckel des Kastens und schaute nach, ob es seinen Feldwespen noch gut ging.

    „Feldwespen sind sehr sozial verträglich“, sagt Scholl. Um sie umzusetzen, genügen normalerweise Handschuhe. Nicht so bei den Kurz- oder Langkopfwespen, die beim Essen im Freien so nerven können. Scholl möchte für das kommende Jahr zwei Bauhofmitarbeiter ausbilden lassen, so dass diese in Zukunft die Wespen selbst umsetzen können. Dazu brauchen sie aber Schutzanzüge.

    Im Nest der Kurzkopfweste leben bis zu 10 000 Tiere

    Die Zeit der Feldwespe ist inzwischen vorbei. Als der Naturschutzwart dieser Tage bei den Dücks noch einmal nachschaut, kann er Entwarnung geben. Die etwa zehn Nester, die jetzt noch da sind, sind alle verlassen. Die Insekten sind geschlüpft und sterben Ende Juli bis Anfang August. Das gilt allerdings nur für die Feldwespe, die Kurzkopf- und Langkopfwespen sterben erst Anfang September, ihre Hochzeit kommt erst noch im August. Sie können auch nicht so einfach umgesetzt werden, denn in dem Nest einer Kurzkopfwespe leben bis zu 10 000 Tiere.

    Im April nächsten Jahres müssen die Dücks allerdings wieder aufpassen. Rund um die Dachterrasse sind viele Ziegeldächer, und es kann gut sein, dass die Feldwespen wiederkommen, um neben den alten ihre neuen Nester zu bauen.

    Schwarz wird also wohl noch lange im ständigen Einsatz gegen Wespen und Hornissen sein. Seine Karriere als Naturschutzwart begann 1988. Damals setzte er auf Bitte von Bürgermeister Fritz Roßteuscher ein Waldameisenvolk um. Dass er dafür die Genehmigung der Regierung von Unterfranken gebraucht hätte, wusste er damals nicht. Heute dagegen kennt er sich aus.

    Hornisse gefährdet heimische Bienenvölker

    Viele Fortbildungen und Schulungen später und seit 1993 offizielle Angehöriger der Naturschutzwacht des Landkreises, sorgt er längst nicht mehr nur für Ameisen. Schwarz betreut die Greifvogelauffangstation mit, kümmert sich um Fledermäuse und seit 30 Jahren um Hautflügler aller Art. Auch Hornissennester setzt er um, beispielsweise in 15 Meter Höhe von einem Kamin oder in 20 Meter Höhe auf einem Absprungturm der ehemaligen US-Army. Inzwischen hält er Fachreferate, führte bereits über 3500 Beratungsgespräche und ist ein gern gesehener Gast in Kindergärten und Schulen, wo er den Jüngsten die Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt nahebringen will.

    Seine größte Sorge im Moment ist die asiatische Hornisse. Diese ist vor rund 15 Jahren über Südfrankreich nach Europa eingewandert und verbreitet sich seitdem schnell. Inzwischen ist sie von Baden Württemberg aus bis nach Bayern vorgedrungen. Erst im Frühjahr trafen sich 130 Wespen- und Hornissenberater mit der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, um sich ausführlich zu informieren. Diese Wespenart breitet sich innerhalb kürzester Zeit stark aus und gefährdet vor allem die heimischen Bienenvölker. „Sie muss unbedingt bekämpft werden“, sagt Schwarz. Wer also im Wald oder auf der Flur Hornissennester entdeckt, sollte sich bei der Fachstelle im Landratsamt oder bei Lothar Schwarz melden, Tel. (0170) 3 57 88 36

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