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    SCHWEINFURT

    7200 Kilometer – zu Fuß durch Europa

    Das Fernweh treibt Jan Kozlowski seit Jahren um. 2016 beschließt der Schweinfurter, seine Lust auf Fernwandertouren irgendwie zum Beruf zu machen, sprich, durch Vermarktung Geld zu verdienen. Der 35-Jährige hat heuer bereits den schottischen West-Highland-Way unter die Füße genommen, eine Mont Blanc-Tour und eine Mammut-Wanderung durch Kirgisistan absolviert, davon zum Redaktionsgespräch grandiose Fotos mitgebracht. Im Herbst steht ein Trip durch Marokko auf dem Plan.

    Von Bulgarien bis an Spaniens Westküste

    Aber nächstes Jahr startet Kozlowski sein erstes richtig großes Ding. Es steht unter dem Motto „Abenteuerland Europa“ und ist der Einstieg in die Professionalisierung. Er wird am Schwarzen Meer in Bulgarien starten und die 7200 Kilometer bis ins spanische Santiago de Compostela unter die Füße nehmen. Ein Jahr werden Jan und seine Freundin Eva unterwegs sein und nach der Rückkehr plant der Globetrotter eine erste Buchveröffentlichung, er will Vorträge halten und eventuell einen Film drehen. Seine Profifotoausrüstung ist bereits um eine Drohne erweitert, sagt er lächelnd.

    Aufgewachsen ist Jan Kozlowski am Bergl, Albert-Schweitzer-Grundschule, Rathenau, FOS, Ausbildung zum Kaufmann in Schweinfurt, BWL-Studium an der FH. Dann Job in Wiesbaden, Softwarefirma.

    Das Schlüsselerlebnis liegt Jahre zurück, 2007 eine Reise nach Kanada, wo er total fasziniert vom West Coast Trail, einem der anspruchsvollsten Trekkingwege, zurückkehrt. 2011 nimmt er für große Wanderungen unbezahlten Urlaub, 2013 kündigt er seinen Job in Wiesbaden für eine Tour von Alaska nach Südamerika. Weil die Kasse leer ist, heuert er 2014 wieder an, im Juni 2016 kündigt er endgültig. „Eine innere Stimme“, lacht er erneut.

    Jan Kozlowski konzentriert sich aufs Fernwandern und ruft das Projekt Trekking-Spirit (www.trekkingspiritproject.com) ins Leben, um Outdoorbegeisterte durch Bilder und Berichte an seinen Abenteuern und den anderer Wanderreisender teilhaben zu lassen. Etliche Reiseberichte sind dort zu finden. Und jetzt macht er mit dem Projekt „Abenteuerland Europa“ Nägel mit Köpfen.

    Patenschaften für eine Etappe auf dem Weg

    Kozlowski lebt noch vom Ersparten, fährt deshalb, um seine Reisen finanzieren zu können, vielgleisig. Zunächst wird ein Verein gegründet. Vielsagender Projektname ist „culture, nature and the good thing“. Über den Verein können Reiselustige oder Abenteurer wie er Patenschaften für Wegabschnitte übernehmen. Fünf oder zehn Euro pro Kilometer, nennt er eine Größenordnung. Die Idee ist, dass ein Teil des Patengeldes einem Sozialprojekt auf der Strecke zugute kommt, der andere Teil die Abenteuerland-Tour fördert.

    Kozlowski bietet an, dass der Pate oder auch jeder andere Mensch einige Etappen „mit uns läut“, etwa in Bulgarien, wo man sonst nicht hinkommt oder sich hintraut. Die erhoffte Mund-zu-Mund-Propaganda wiederum verhelfe zu mehr „Publicity“ für sein „Abenteuerland-Projekt“ und man erreiche vielleicht den einen oder anderen Sponsor.

    Wie es der Name des Vereins ausdrückt, will Jan Kozlowski keinen Wanderrekord aufstellen. Er lässt sich Zeit, ein Jahr, will die Natur genießen, sie in Bild, Film und Text ebenso festhalten wie die Geschichten, die ihm Menschen unterwegs erzählen. Ein Buch will er darüber schreiben, vielleicht ein Fotobuch veröffentlichen, einen Film drehen, Vorträge halten, halt Geld damit verdienen.

    Wichtig sind ihm die Begegnung mit Menschen

    Am Ende berichtete Jan Kozlowski dann noch kurz über seine letzten Aktivitäten. Tour du Mont Blanc, eine über 170 Kilometer lange Strecke bei 11 000 Höhenmetern. „Eine Herausforderung in jeglicher Hinsicht“, sagt der 35-Jährige. Seine Freundin Eva ist dabei. Schweizer Käse, französische Salami und italienische Pizza: Nicht nur kulinarisch zählt die Tour du Mont Blanc zu den genussvollsten Wanderungen in Europa. Neun bis elf Tage seien ein guter Durchschnittswert, um die Wanderung in vollen Zügen zu genießen.

    In Kirgisistan ist Jan alleine unterwegs, er geht die Terskej-Alatau Traverse, bewegt sich zwischen „Nomadenleben und Gebirgspässen“, wie er sagt. Sein Tipp: Entweder gemütlich dem vorgegebenen Pfad folgen, inklusive eines Nebentrips mit Sicht auf den Pik Karakol mit 5216 Metern oder abenteuerlustig mit Karte, Kompass und GPS unbekanntere Ecken erkunden. „Ein unvergessliches Erlebnis erwartet diejenigen, die von einer Nomadenfamilie zum Essen oder zu einem Schluck Stutenmilch) eingeladen werden“. Solche Erlebnisse notiert er sich, „Bewusstsein schaffen und anderen Kulturen darstellen“.

    Kontakt: be@trekkingspiritproject.com, www.facebook.com/Trekkingspiritprojekt/

     
     
     
     
     

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