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    Gochsheim

    Allerheiligen: Wer oder was ist eigentlich heilig?

    Pfarreiengemeinschaft St. Christophorus im Mainbogen spürt auf ungewohnten Wegen der Heiligkeit nach. Tanz als Gestaltungselement des Gottesdienstes.
    Heilig sein, bedeutet auch die Perspektive zu wechseln und so manches im Leben auf den Kopf zu stellen, wie Jana Spörlein (vorne) und Lilli Kleider in ihrem Tanz eindrucksvoll darstellten. Foto: Ursula Lux

    Nachts um zwei Uhr ist der Klamauk um Halloween in Bayern zu Ende. Es ist Allerheiligen, ein sogenannter stiller Feiertag. In den Diskotheken werden die Tanzflächen gesperrt, es gilt wieder ein Tanzverbot. Die katholische Kirche gedenkt an diesem Tag eigentlich der Heiligen. Nicht nur derer, die von einem Papst heilig gesprochen wurden, sondern auch jener, von deren Heiligkeit Gott alleine weiß. Die Volksfrömmigkeit hat diesen Tag aber längst zu einem Gedenktag der Verstorbenen insgesamt gemacht, der kirchlich eigentlich erst am nächsten Tag Allerseelen gefeiert wird. Schon allein wegen des gesetzlichen Feiertages wird am Nachmittag des 1. Novmeber häufig auf den Friedhöfen der Verstorbenen gedacht, ihre Gräber werden gesegnet.

    Sieben Pfarreien, ein Gottesdienst 

    Dekan Gregor Mühleck verstand es heuer ausgezeichnet, das Fest Allerheiligen und das Gedenken an geliebte Verstorbene zu vereinen. Im gemeinsamen Gottesdienst der sieben Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft St. Christophorus im Mainbogen machte er sich auf die Spur des Heiligen. Denn wer oder was sind eigentlich Heilige, die da vormittags im Gottesdienst gefeiert werden, fragte er und stellte fest, das sind Menschen, deren Beispiel uns berührt, die unserem Leben Orientierung geben, uns herausfordern und uns lebendig machen. Und wer liegt da auf dem Friedhof, wessen Grab besuchen die Gläubigen da am Nachmittag ? Auch das sind Menschen, die uns ihre Liebe geschenkt, uns herausgefordert und uns lebendig gemacht haben.

    Die Gläubigen aller sieben Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft St. Christophorus im Mainbogen feierten gemeinsam das Hochfest Allerheiligen. Im Bild die hauptamtlichen Seelsorger (vorne von links) Uwe Becker, Michael Pfrang Tänzerin Jana Spörlein, Gregor Mühleck, Thomas Klemm, Tänzerin Lilli Kleider und Gertrud Pfister. Foto: Ursula Lux

    "Menschen, die etwas in uns auslösen, machen uns lebendig", das gehe von den Mitmenschen über die Verstorbenen, bis hin zu den Heiligen, die wir aus Geschichten und Erzählungen kennen. Und so fragt Mühleck in der Predigt sein Team von Hauptamtlichen, was denn für sie heilig sein bedeutet. Das ist etwas oder jemand, "mit dem mich ein heilende Geschichte verbindet", erklärt Michael Pfrang. Es seien "Menschen die wahrnehmen, nicht wegschauen und Not lindern", meint Uwe Becker. Für Gertrud Pfister hat heilig sein etwas mit der eigenen Unversehrtheit zu tun und mit dem Heil-Sein von Beziehungen. Thomas Klemm hält die Menschen für heilig, die "tief in Gott verwurzelt sind und denen es deshalb nicht darauf ankommt, was die Gesellschaft über sie denkt". Rainer Weigand findet, dass Heilige einfach "coole Typen" sind.

    Mühleck spürt dem Begriff weiter nach und erinnert an Martin Luther, der Menschen mit Pferden verglich. Entscheidend sei, wer reitet. Wer hilft uns unsere Fähigkeiten und Talente zu entdecken, wer hilft uns lebendig zu sein, "zur Leichtigkeit des Seins zu kommen", wie der Titel des Gottesdienstes lautete. Das mache Heilige aus, dass sie lebendig sind und ihre Vitalität und Liebe ausstrahlten, betonte der Dekan.

    Tanz ist nicht gleich Tanz

    Während Heilige eigentlich ein Grund zur Freude sind, ist ein Tag, an dem Menschen ihrer Toten gedenken, ein Trauertag. Fröhliche Musik und Tanz sind da eher unpassend. Aber Tanz ist ja nicht gleich Tanz. Er kann, wenn auch in unseren Breiten eher ungewöhnlich, auch Gestaltungselement der Liturgie sein. Und wie könnte man der Vitalität und Lebendigkeit des Heiligen eigentlich besser Ausdruck verleihen als in einem Tanz? Ein choreographisch erzähltes Evangelium, ein mit Gesten ausgedrücktes Gebet, all dies lädt ein, den Kopf einmal auszuschalten und das Herz sprechen zu lassen. Lilli Kleider und Jana Spörlein haben dies ausdrucksstark getan. Die beiden 14-Jährigen haben schon vor großem Publikum getanzt bei den süddeutschen und den deutschen Meisterschaften. Einen Auftritt in einem Gottesdienst hatte das Duo der Tanzschule Pelzer allerdings noch nie. "Es hat schon Spaß gemacht, aber es war auch ein bisschen komisch" sagen die beiden.

    Vermutlich wird dies nicht ihr letzter Auftritt im kirchlichen Rahmen sein. Edith Werner, Bildungswerkvorsitzende des katholischen Frauenbundes der Diözese Würzburg, fragte gleich nach, ob sie bereit seien an anderer Stelle noch einmal aufzutreten. So ein Tanz mache gute Laune und verbinde, stellte sie fest und meinte, die Kirche brauche Traditionelles und Neues. Der Tanz habe gezeigt "was geschieht, wenn wir lebendig werden", meinte Mühleck und dieser Gottesdienst, der unter großer Teilnahme der Gläubigen aus den sieben Pfarreien gefeiert wurde, zeigte auch, "dass Kirche heute lebt." Zur Lebendigkeit dieses Gottesdienstes trugen auch die Musiker der Band "Hohes C" bei.

    Ausdrucksstark zeigten die beiden Tänzerinnen (von links) Lilli Kleider und Jana Spörlein was Lebendigkeit ist. Foto: Ursula Lux

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