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    Gochsheim

    Als Gochsheims "Runkelrüben" in ganz Deutschland begehrt waren

    Bayern-Tour-Natur: Im historischen Lehrgarten in Gochsheim informiert Wolfgang Menzinger über den Gemüseanbau – und man erfährt, warum es nur noch fünf Gemüsebauern gibt.
    Auf historischer Gemüsetour in Gochsheim: Gästeführer Wolfgang Menzinger informiert die Besucher über den einstigen Gemüseanbau.
    Auf historischer Gemüsetour in Gochsheim: Gästeführer Wolfgang Menzinger informiert die Besucher über den einstigen Gemüseanbau. Foto: Daniela Schneider

    Es summt und brummt im Gochsheimer Schau- und Lehrgarten am Hetzberg, doch das Insektenhotel steht leer. "Vielleichtsind die Mietpreise zu hoch", meint Gästeführer Wolfgang Menzinger schmunzelnd. Egal, die Insekten haben genug schöne Plätzchen im historisch-lehrreichen Areal, das seit 2014 nach alter Tradition bewirtschaftet wird.

    Gemeinsam mit den Allianzpartnern im Mainbogen, Sennfeld und Schwebheim, macht sich der Gochsheimer Verein unter dem Namen "Kräuter, Kraut und Rüben" für das stark, was die Region anbautechnisch ausmacht. In Gochsheim herrschen ideale Bedingungen für  Gemüse, und so liegt der Themenschwerpunkt ganz auf dem traditionellen Anbau.

    Erstmalig wurde das einstige freie Reichsdorf im Jahre 500 erwähnt, bereits 800 - so ist dokumentiert - wurde dort bereits die sogenannte Dreifelderwirtschaft praktiziert. Daran orientiert sich auch der 100 Mitglieder starke Verein auf seinen Ackerflächen; keine Sorte wird zweimal hintereinander auf dem gleichen Feld angebaut: Starkzehrer wie Gurken, Bohnen und Kohl in einem Jahr, Schwachzehrer wie Salat im nächsten.

    Viele alte Sorten wachsen im historischen Gemüsegarten

    Viele alte Sorten gibt es im Rahmen der Bayerntour Natur zu bestaunen. Unterwegs sind an diesem schwülwarmen Sonntag eher ältere Semester mit pflanztechnischer Erfahrung. Gerne schärft der Gästeführer aber auch das Wissen der Jüngsten; zeigt auf, wie unser Essen ursprünglich aussieht und wie arbeitsintensiv die Landwirtschaft doch ist. Seine Enkelin hat das erst kürzlich selbst erfahren, lange musste sie nämlich pflücken, bis sie ein kleines Schälchen Linsen voll hatte. Die Kinder sollen bei den Führungen begreifen, dass Gemüse eben nicht im Supermarkt wächst, so Menzinger.

    Die Zeit zwischen den Ackerflächen vergeht auch für die Erwachsenen wie im Fluge; "Runkelrüben" werden bestaunt, die früher in Gochsheim gezogen als Jungpflanzen in ganz Deutschland verschickt wurden und so das erste Geld im Jahr einbrachten. Die "Zwieweltrater"-Bretter für die Ackerflächenvorbereitung wurden genauso ausprobiert wie das Maggikraut, bei dem die Heidenfelderin Claudia Ennulat ganz schnell das Weite suchte, oder die Spearmint-Minze, die wie ein Kaugummi schmeckt.

    Neben einem wohl höchst effektivem Rezept gegen Blattläuse (ein Sud aus Schachtelhalmkraut, Zwiebel und Knoblauch) hat Menzinger natürlich auch viele Informationen über die berühmten Gochsheimer "Kümmerli" (Gurken) parat, die einstige grüne Haupteinnahmequelle im Ort. 32 Gurkeneinlegebetriebe verarbeiteten zu Spitzenzeiten sieben Millionen "Kümmerli", davon ist heute nur noch die Firma Deppert übrig. 1950 waren 38 Prozent der Gochsheimer im Gemüseanbau aktiv, heute gibt es wohl noch fünf Gemüsebauern, darunter zwei türkische Landwirte, die - so Menzingers Beobachtungen - noch über großfamiliäre Strukturen verfügen, die einst in der Landwirtschaft für die so dringend benötigten helfenden Hände sorgten. Von den türkischen Gemüseanbauern hat der Verein auch die Jalapenjo-Pflanzen bekommen, die jetzt neben den verschiedensten Tomatensorten im Gewächshaus heranreifen. Dazu gibt es auf dem Gelände ein kleines Museum, das gerade ein neues Gebäude bekommt, einen Brunnennachbau aus alten Zeiten und ein Vereinsheim.

    Am 11. August findet ab 11 Uhr das traditionelle Sommerfest des Vereins statt. Dort wird für alle Interessierten auch eine kostenlose Führung angeboten.

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