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    Grafenrheinfeld

    Als fröhliches Gottesvolk unterwegs

    Ein altes Pressefoto, das Werner Sauerteig 1992 vom Auszug der Wallfahrer machte, in der Bildmitte Robert Gießübel mit dem neu gestalteten Wallfahrtsstab auf dem Kirchplatz in Grafenrheinfeld. Foto: Daniela Schneider

    Das Telefon klingelt: Eine neue Anmeldung für die Vierzehnheiligen-Wallfahrt Anfang Mai - so geht das schon seit Januar freut sich Altbürgermeister Robert Gießübel. Seit 1989 organisiert der Wallfahrtsleiter gemeinsam mit Ehefrau Rita die dreitägige Wallfahrt, eine der größten in der Region. Vor 31 Jahren waren es 16, heute sind es etwa 300 Teilnehmer aus ganz Bayern, die sich alljährlich am Wochenende nach dem Weißen Sonntag "Um den Frieden in der Welt" auf den Weg von Grafenrheinfeld nach Vierzehnheiligen machen. Viele sind seit Jahrzehnten dabei, haben Freunde und Bekannte animiert; eine ausgewanderte Teilnehmerin ist jahrelang extra aus den Staaten angereist - altersbedingt klappt das nun nicht mehr, bedauert Gießübel.

    Auf dem Tisch in seiner guten Stube liegen mehrere Ordner - bei weitem nicht alle - mit Fotos, bürokratischen Schreiben, Statistiken, Presseberichten und eigenen Aufzeichnungen. Die Organisation ist jedes Mal wieder umfangreich; an Urlaub ist bei den Gießübels in der ersten Jahreshälfte nicht zu denken. Die Wallfahrer können die ganze Strecke, aber auch Teiletappen absolvieren, das heißt für die Gießübels: Die Übernachtungen  privat oder in Pensionen müssen akribisch koordiniert und die kulinarischen Raststopps dementsprechend vorbestellt werden. Am Karfreitag trifft sich traditionell ein Team - neben den Gießübels sind das Birgit und Norbert Wahler, Gerhard und Ulrike Then - zur Vorbereitung der Lieder und Texte.

    Auf der Wallfahrt wird viel gesungen, gebetet und gelacht, doch über weite Strecken lässt Wallfahrtsleiter Gießübel seine Wallfahrer einfach "laufen und laufen und laufen", wie er schmunzelnd erzählt. Er möchte allen den nötigen Freiraum für persönliche Erfahrungen geben: Für ein Treffen mit Gott und der ganz persönlichen Reflexion des eigenen Lebens. Die Wallfahrt soll Auszeit sein, aber auch die Gelegenheit bieten, "miteinander und nicht übereinander zu reden", wie er es so schön formuliert. Im Vordergrund steht der Weg, das Durchhalten und das Ankommen; der Einzug in die Basilika ist für alle immer wieder ein kaum beschreibbares, überwältigendes Erlebnis und selbst dem Altbürgermeister, der dieses, wie er es nennt, "himmlisch glückselige" Gefühl schon so oft erlebt hat, fehlen da die Worte.

    Wer ihn kennt, weiß:  Das ist selten bei Robert Gießübel, dem zu den vielen Wallfahrten so einige Anekdoten einfallen. So berichtet er von einem Auszug, bei dem es so geregnet hat, dass bis Gochsheim alle patschnass waren und doch keiner umgekehrt ist; von einer vorsommerlichen Hitzewelle, bei der in Prappach einige Kinder spontan "Verputzercäppies" gegen den Sonnenstich verteilten. Er erzählt von Dörfern, für die die Grafenrheinfelder Wallfahrer schon Freunde sind, von begleitendem Glockengeläut und den Staffelsteinern, die, kurz vor dem Ziel, schon darauf warten, dass das "fröhliche Gottesvolk" das Frankenlied schmettert.

    Vieles ist zu lieb gewonnen Traditionen geworden, wie auch der Verdauungsschnaps, den die Wirtin in Jesserndorf aus Mangel an Schnapsgläschen aus der Suppenkelle spendiert - die Geburtsstunde von Robert Gießübels berühmtem "Schöpfergeist". Begleitet werden die Wallfahrer mit ihren roten Halstüchern seit Jahren von den ortseigenen Maltesern; sie versorgen Blasen, Insektenstiche, dicke Knie und transportieren auch schon mal einen "Fußkranken". Das Gepäck wird übrigens gesondert transportiert. Ein Teil des Wallfahrt-Erlöses kommt sozialen Einrichtungen zugute, aber auch der Bildstock an der Wallfahrtsroute kurz hinter Grafenrheinfeld mit dem Bild, das Künstler Peter Vollert 1992 für den Wallfahrtsstab gefertigt hat, wurde mit den Spendengeldern realisiert. Bis Ostermontag nimmt Wallfahrtsführer Robert Gießübel (09723-7217) noch verbindliche Anmeldungen für die Wallfahrt vom 3 - 5 Mai an.

    Ein weiteres Pressefoto zeigt den Auszug der Wallfahrer 2001 - schon eine größere Truppe, die sich da auf den Weg nach Vierzehnheiligen machte. Foto: Daniela Schneider

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