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    Gerolzhofen

    Altes Schalthaus in Gerolzhofen: Ohne Zufahrt keine Nutzung

    Das Schalthaus an der Alitzheimer Straße in Gerolzhofen steht immer noch leer. Die Änderung des Bebauungsplans "An der Altzheimer Straße" sieht für den Standort des Gebäudes jetzt ein Industriegebiet anstatt eines Gewerbegebiets vor. Foto: Norbert Vollmann

    Es geht einfach schleppend voran, mit einer neuen Nutzung des ehemaligen Schalthauses an der Alitzheimer Straße und der umliegenden Flächen. Nun lag die Änderung des Bebauungsplans "An der Alitzheimer Straße" erneut auf dem Tisch des Stadtrats. Es geht um ein innerorts liegendes Gewerbeobjekt, das aufgrund einer fehlenden Zufahrt nicht belebt werden kann. 

    Das größte Problem: Die Erschließungssituation für das 1350 Quadratmeter große Gesamtgrundstück , ist in den Augen des Staatlichen Bauamts nicht ausreichend geklärt. Der Eigentümer hatte zunächst das ehemalige Schalthaus von der Firma Efesis gekauft. Damals war nicht bekannt, dass es keine offizielle Zufahrt zum Grundstück gab.  Daraufhin kaufte der Eigentümer das dahinterliegende Grundstück (Albert-Einstein-Straße 20) voll erschlossen von der Stadt in der Absicht, hier eine Zufahrt zu bekommen.

    Das Schalthaus-Grundstück liegt an der Alitzheimer Straße, einer Staatsstraße. Und im sogenannten Verknüpfungsbereich einer Staatsstraße sind keine privaten Grundstückszufahrten zulässig. Im Straßenrecht ist beschrieben, in welchen Bereichen einer Straße örtliche und ortsnahe Grundstücke direkt angefahren werden dürften (Ortsdurchfahrt-Erschließungsgrenze) und in welchen nicht (Ortsdurchfahrt-Verknüpfungsgrenze).

    Im letzteren Fall sind sie rückwärtig über eine öffentliche Straße angebunden. An der Alitzheimer Straße verweist ein kleiner Stein mit der eingemeißelten Inschrift "OD" für Ortsdurchfahrt darauf, dass das Schalthaus nur rückwärtig angefahren werden darf, weil solche Einfahrten zum einen den Verkehrsfluss hindern, zum anderen eine Gefahrenstelle bedeuten. Als weitere Gefahrenquelle wird der unmittelbar am Gebäude vorbeiführende Radweg nach Alitzheim gesehen.

    Neuer Erschließungsweg

    Aktuell sieht es so aus, dass vom Schalthaus und zwei nach Süden angrenzenden Grundstücken (auf einem steht die ehemalige Dreschhalle) auf die Alitzheimer Straße zugefahren wird. Das passt dem Staatlichen Bauamt Schweinfurt nicht.  Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, soll ein neuer Erschließungsweg zwischen der Dreschhalle und dem Takka-Tukka-Land gebaut werden. Dieser Weg soll ein besseres Sichtfeld auf die Staatsstraße bringen.  Solange der Grundstückseigentümer jedenfalls keine rechtlich einwandfreie Zufahrt hat, kann er keine Nutzungsänderung für sein Gebäude durchführen.

    Zweites Problem: Die Immissionsschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt lehnt die Änderung des Bebauungsplans ab. Sie begründet das damit, dass die kleine Fläche des Eigentümers zu einem Gewerbegebiet werden soll, das nahezu ausschließlich von Industriegebieten umgeben ist. Da aber in Gewerbegebieten nur viel geringere Lärmbelästigungen als in einem Industriegebiet (hier sind auch Immissionen von 22 bis 6 Uhr möglich) zugelassen sind, könnten künftig Konflikte entstehen. Das neue Gewerbegebiet wäre als solches plötzlich eine schutzwürdige Bebauung.

    Nach der vorliegenden Planung könnten nun schutzwürdige Nutzungen entstehen, die eine nachträgliche Einschränkung für die Betriebe in der Nachbarschaft bedeuten würden. Auch zukünftige Nutzungen wären dadurch eingeschränkt. Die Behörde weist auf eine mögliche Verletzung des Vertrauens- und Bestandsschutzes hin, ebenso auf eventuelle Schadensersatzforderungen.

    Lärmschutzgutachten gefordert

    Das Landratsamt fordert schon bei der Bebauungsplanänderung ein Lärmschutzgutachten. Das Planungsbüro des Eigentümers ist allerdings der Ansicht, dass ein solches Gutachten erst notwendig wird, wenn eine konkrete Nutzung bekannt ist. Damit könnten auch unnötige Kosten vermieden werden. In dieser Lage muss der Eigentümer auch Interessenten vertrösten, die das Gebäude gerne nutzen möchten. Einer davon kommt aus Würzburg und möchte sich mit einem innovativem Unternehmen in Gerolzhofen ansiedeln. Er stammt laut Eigentümer aus einer Branche, die es in der Stadt noch nicht gibt.

    Vom Tisch ist unterdessen der Plan, eine Diskothek im Schalthaus einzurichten. "Ich gehe davon aus, dass das nichts wird", sagt der Eigentümer. Verantwortlich dafür sei ein allgemeiner Trend. Das Interesse bei der Jugend an solchen Einrichtungen lässt nach und die gesetzlichen Vorgaben nehmen zu, etwa bei Fluchtwegen und Brandschutz.

    Im Stadtrat sah Thomas Vizl (Geo-net) Probleme auf die Müllabfuhr zukommen, weil am Ende des Erschließungswegs kein Wendehammer vorgesehen sei. Das müsse noch mit dem Staatlichen Bauamt abgesprochen werden, erklärte Sandra Hennlich vom Ingenieurbüro Auktor in Würzburg.

    Erst Grundsatzbeschluss für Zisternenbau

    Noch einmal Thomas Vizl stellte dann den Antrag, den Grundeigentümer zum Einbau einer Zisterne zu verpflichten und nicht nur eine Empfehlung dazu im Bebauungsplan zu geben. Dazu Burkhard Wächter: Der Stadtrat sollte erst einmal einen allgemein gültigen Grundsatzbeschluss zum Thema Zisterne fassen, bevor er eine Einzelfestsetzung erlässt. Das akzeptierte Vizl, sodass er seinen Antrag zurückzog.

    Der Eigentümer meint, eine Zisterne habe aktuell keinen Nutzen. Was die Zukunft bringe, stehe noch offen. Die Nachrüstung mit einer Zisterne für ein Bestandsgebäude wäre recht kostenintensiv. Außerdem fließe das gesamte Oberflächenwasser in den angrenzenden Graben und belaste daher die Kläranlage nicht. Das sei auch für den lokalen Grundwasserspiegel förderlich. 

    Der Stadtrat stimmte zu, das geplante Gewerbegebiet in ein Industriegebiet umzuwandeln. Nun muss der Bebauungsplan für das Mini-Industriegebiet noch einmal in einem verkürzten Verfahren für die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange ausgelegt werden. Wenn es dabei keine Einwände mehr gibt, kann ihn der Stadtrat als Satzung beschließen.

    Das Schalthaus
    Das Schalthaus an der Alitzheimer Straße wurde 1962 gebaut. Es ist im gleichen Backstein-Baustil gehalten, wie das ehemalige Kugelfischer-Schleifscheibenwerk (heute St. Gobain Abrasives) und wurde als Bau 12 nummeriert. Die Unterfränkische Überlandzentrale Lülsfeld versorgte von dort aus mit vier 20-Kilovolt-Freileitungen das Schleifscheibenwerk mit Strom. Weitere elektrische Energie wurde in das Gerolzhöfer Stadtnetz abgegeben. Im Jahr 2000 legte die ÜZ das Gebäude mit seiner veralteten Technik still. Heute steht es leer. (fi)

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