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    Schweinfurt

    Altlasten im Untergrund stehen unter ständiger Beobachtung

    Das grüne Haus am Main gehörte zur Farbenfabrik Gademann in der Wehr. Rundherum ist der Boden mit Arsen und Schwermetallen belastet. Eine direkte Gefahr für den Menschen gilt als ausgeschossen. Die Überdeckung sei ausreichend mächtig und bewachsen, heißt es im letzten umfassenden Altlastenbericht aus dem Jahr 2011. Foto: Anand Anders

    Allenthalben schlummern Altlasten im Boden. Dass die Stadt Schweinfurt die Standorte kennt, diese allesamt untersucht, teilweise belastetes Erdreich ausgekoffert oder eingekapselt hat, dass verunreinigtes Grundwasser von der Großindustrie seit 20 und mehr Jahren gereinigt und auf ehemaligen Altlasten die Stadtgalerie und die Filmwelt (am Marienbach) gebaut werden konnten, gilt als vorbildlich.

    Die Altlasten beschäftigten bereits in den 1980er-Jahren den damaligen städtischen Baureferenten Hartmut Roggatz. Mit Hinweisen aus der Bürgerschaft wurden innerhalb der Stadtgrenzen 74 mögliche Belastungsgebiete ausgemacht. Nach der Ersterkundung verblieben 46 Standorte im Altlastenkataster, der bis in das Jahr 2011 (24 Altlasten und 17 Verdachtsflächen) fortgeschrieben wurde. Seither werden nur noch einzelne Maßnahmen dokumentiert – "weil sich die Lage auf einem relativ komfortablen Niveau entspannt hat", sagte jetzt Umweltreferent Jan von Lackum im Gespräch mit der Redaktion.

    Sanierung an der Wern

    Die letzte große Maßnahme lief 2016 mit dem Aushub von belastetem Erdreich an der Bellevue auf dem Gelände einer ehemaligen Farbenfabrik an der Wern. Das Auskoffern ist für Jan von Lackum die effektivste, "aber leider auch die teuerste" Maßnahme. Wenn der Verursacher nicht mehr greifbar ist, muss in der Regel der Eigentümer für die Sanierung aufkommen – wie etwa die Stadt bei der Altlast Gademann in der Wehr. Dort kommt ein Ausbaggern schon wegen der Menge des betroffenen Erdreichs, aber auch wegen der Nähe zum Main nicht in Frage.  

    Wie alle Altlastengebiete steht die Wehr unter Dauerbeobachtung. Nach dem Einkapseln der Altlast (Schwermetalle und Arsen aus der Farbenfabrik) durch eine Spundwand war ursprünglich an ein Absaugen und Reinigen des Grundwassers gedacht. Wegen der hohen Kosten wird jetzt aber nach Möglichkeiten gefahndet, den Grundwasserschutz durch Nacharbeiten an der Betonwand zu verbessern.

    Regelmäßig untersucht wird auch das Grundwasser in der Oberndorfer Kleingartenanlage und im benachbarten Steinig, wo im Untergrund sowohl Abfälle der Industrie wie auch Abraum aus dem von Bomben zerstörten Schweinfurt lagern. Die dortigen Messungen haben seit Jahren keine erhöhten Schadstoffwerte im Grundwasser ergeben.

    Keine Probleme in der Kaserne

    Ganz erfreuliche Werte lieferten bislang die Proben aus der ehemaligen Ledward-Kaserne. Nur im Bereich der Tankstellen und Tanklager war "kleinteiliger Erdaushub nötig", so von Lackum. Allerdings ist der Norden des Geländes noch versiegelt und deshalb auch noch nicht untersucht. Unerfreuliche Überraschungen seien möglich, etwa im Bereich des Panzerwaschplatzes direkt an der Heeresstraße, meint der Umweltreferent. 

    An den älteren Standorten der Großindustrie laufen mehrfach Grundwassersanierungen, weil vor allem der Einsatz leichtflüchtiger halogener Kohlenwasserstoffe (LHKW zur Reinigung) als ungefährlich galt, aber nicht war. Allein bei ZF werden jährlich 65 000 Kubikmeter Wasser durch die Filter geschickt, bei Schaeffler sind es 40 000 Kubikmeter. "Die Großindustrie ist absolut dabei", freut sich von Lackum, der als weiteres sehr positives Beispiel die aktuellen Bauarbeiten hinter der Stadtgalerie an der Gunar-Wester-Straße nennt. Der neue Eigentümer hat auf seine Kosten alle Altlasten abfahren lassen, obwohl dies nicht zur Auflage gemacht worden war.

    "Nicht optimal" läuft die Sanierung im Bereich der früheren chemischen Reinigung Leimeister. Probleme bei der Wartung der Anlage werden als Nachwehen aus der Insolvenz der Firma eingestuft.  

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