• aktualisiert:

    Gerolzhofen

    Am Steigerwald: Getreide-Ernte besser als befürchtet

    Das Getreide in der Region Gerolzhofen ist fast vollständig vom Halm. Die Ernte 2019 war unerwartet zufriedenstellend. Foto: Lothar Riedel

    Das Getreide in der Region Gerolzhofen ist Anfang August fast vollständig vom Halm. Nur in den höheren Lagen des Steigerwalds und in den Haßbergen stehen noch geringe Mengen. Und wie schon 2018 lässt sich sagen: Zu wenig Regen und zu große Hitze haben dem Korn zugesetzt. Und wie schon im Vorjahr standen Befürchtungen auf eine schlechte Ernte im Raum. Im Trockenjahr 2018 traten sie weitgehend ein, heuer ging dagegen alles halbwegs gut.

    "Zufriedenstellend" lautet deshalb das Fazit von Edgar Seuferling, dem Leiter des Getreidehandels bei Wolf Agrarhandel in Gerolzhofen. Dabei gab es bereits im Herbst 2018 einen schwierigen Start für das Wintergetreide. Auch da war es noch viel zu trocken und einige Kulturen wie der Raps haben sich fast total reduziert. Sie brachten jetzt nur wenig Ertrag. Einige Landwirte disponierten noch rechtzeitig um und setzten statt Gerste, Raps, Triticale auf Winterweizen oder gleich Sommerkulturen. Wer sich für Letzteres entschied, säte im Herbst Zwischenfrüchte aus, die zwar keinen Ertrag bringen, aber Bodenerosion verhindern und zur Humusbildung und damit zur Bodenfruchtbarkeit beitragen.

    Doch auch für Anbauer von Sommerkulturen war es ein schwieriges Jahr, sagt Edgar Seuferling, der seit 40 Jahren im Getreidehandel tätig ist. "Bis zum April herrschte wieder lange Trockenheit, das ließ das Schlimmste befürchten", blickt der Experte zurück. Die Wende kam dann im Mai, der feucht und kühl war. Da haben sich die Bestände gefangen, so dass die Landwirte doch noch eine überwiegend befriedigende Ernte einfuhren, auch wenn es im Juni schon wieder heiß und trocken wurde.

    Hervorragende Wintergerste

    Am meisten profitiert hat vom unerwarteten Umschwung nach dem trockenen Auftakt die  Wintergerste, die zwischen sechs und acht Tonnen Ertrag pro Hektar brachte und das bei "hervorragenden Qualitäten". Für die Wintergerste zahlt der  Agrarhandel zwischen 135 und 140 Euro pro Tonne.

    Bei dieser überwiegend zu Futter verarbeiteten Getreideart hat das Vorjahr seine Spuren auch auf einem anderen Feld hinterlassen, nämlich auf dem der Vermarktung. Bedingt für die große Trockenheit war 2018 beispielsweise der Rhein zeitweise nicht mehr schiffbar. Das riss noch größere Lücken in die Futterversorgung, als sie durch ausbleibenden Graswuchs und teilweise vertrocknete Maisbestände ohnehin schon vorherrschten. Damit gingen die Preise bei sämtlichen Getreidesorten nach oben.

    Das führte allerdings im Handel zu der Einschätzung, dass sich Niedrigwasser in Zeiten der Klimaerwärmung häufiger wiederholen könnten und damit Getreideexporte immer risikoreicher und teurer  werden. Das gilt vor allem für das westliche Ausland. So reduziert sich der Abnehmerkreis mehr und mehr auf heimische Mühlen. "Die wissen  genau, dass wir kommen", erklärt Seuferling. Außerdem bestehe heuer keine Futterknappheit. So sind bei der Wintergerste trotz der guten Qualität keine großen Preissteigerungen zu verzeichnen.

    Die Sommergerste brachte fünf bis sieben Tonnen pro Hektar bei attraktiven Preisen von 190 bis 200 Euro pro Tonne. Diese Getreideart wird ab Ende Februar bis in den März hinein gesät und meist als Braugerste verwendet. 

    Weizen ist Hauptkultur

    Hauptkultur aber ist und bleibt der Winterweizen, der 40 bis 50 Prozent der Getreideanbaufläche in der Region einnimmt."Beim Weizen hatten wir im Vorfeld der Ernte größte Bedenken, auch wegen der jetzt greifenden Düngemittelverordnung", berichtet Seuferling. Befürchtet wurde vor allem ein mangelnder Eiweißgehalt in den Körnern. Aber die Proteinwerte lagen heuer im Vergleich zu 2018 nur 0,5 bis ein Prozent niedriger. Auch andere Parameter waren überraschend gut.

    Der Hektar Ackerfläche gab bei Winterweizen fünf bis sieben Tonnen pro Hektar her. Für die Tonne zahlt der Handel 150 bis 160 Euro. Quantität und Qualität stimmten auch beim Roggen, der auf leichten Böden angebaut wird. Hier ernteten die Landwirte fünf bis acht Tonnen pro Hektar und kassierten dafür 140 bis 150 Euro. Das Futtergetreide Triticale wird auf schlechteren Böden angebaut und brachte fünf bis sechs Tonnen je Hektar sowie 135 bis 140 Euro pro Tonne. Hafer spielt in der Region keine Rolle.

    Verlierer der Saison war eindeutig der Raps. Ungünstige Witterung und extremer Schädlingsbefall wie durch den Rapsglanzkäfer drückten den Ertrag auf 2,5 bis 3,5 Tonnen. Normal sind 3,8 Tonnen. Trotz der geringen Mengen blieb der Preis nach oben gedeckelt, weil Importe aus den guten Ernten in Frankreich und in der Ukraine den Bedarf in der EU ausgleichen. Generell verliert der Raps immer mehr an Bedeutung auf den Feldern zwischen Main und Steigerwald, obwohl er wegen seiner tiefen Verwurzelung einen hervorragenden Vorfruchtwert für die nachfolgenden Getreidesaaten mit sich bringt, berichtet Edgar Seuferling.

    Zeitlich normaler Verlauf

    Die Ernte lag vom zeitlichen Ablauf her gesehen diesmal im Vergleich zum vergangenen Jahr im normalen Rahmen. Sie begann in der letzten Juniwoche mit der Wintergerste. Die Haupternte ging in der letzten Juliwoche über die Bühne. Dann stauten sich die anliefernden Fahrzeuge der Landwirte von der Firma Wolf am Spielsee schon einmal bis zum sogenannten  Aldi-Kreisel zurück.

    Edgar Seuferling, Leiter Getreidehandel bei Agrarhandel Wolf (links), und Mitarbeiter Sandro Alsheimer geben eine Körnerprobe in das Infrarot-Analysegerät ein. Die Parameter ergaben eine unerwartet zufriedenstellende Getreideernte 2019. Foto: Norbert Finster

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (2)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!