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    Gerolzhofen

    An der Bahnlinie in Gerolzhofen: neue Wohnungen statt Pfützen

    Aktuell steht dort, wo in absehbarer Zeit ein großes Mehrfamilienhaus gebaut werden soll, noch das Wasser in den Pfützen. Um den Weg für den Bau frei zu machen, muss der geltende Bebauungsplan für das Gebiet "An der Bahnlinie" geändert werden.  Foto: Klaus Vogt

    Auf dem freiem Gelände südlich der Feuerwehr will ein Gerolzhöfer Bauunternehmer ein fünfstöckiges Mehrfamilienhaus errichten. Bis es aber soweit ist, müssen erst noch einige planungsrechtliche Schritte absolviert werden. Zum Beispiel muss der dort geltende Bebauungsplan „An der Bahnlinie“ entsprechend geändert werden. Denn bislang war der Bauplatz als öffentlicher Parkplatz ausgewiesen.

    Der Stadtrat hat sich bereits in seiner Sitzung vom 27. Mai mit dem Thema befasst und den Entwurf des geänderten Bebauungsplans, erstellt von der Planungsschmiede Braun, gut geheißen. Danach wurde der Entwurf ausgelegt und die Träger der öffentlichen Belange und die Öffentlichkeit wurden um ihre Meinung gebeten. Am Montagabend stellte Frank Braun vom beauftragten Planungsbüro die inzwischen eingegangenen Stellungnahmen dem Stadtrat vor und präsentierte eine neue Fassung des Bebauungsplans, in der die Anregungen der Behörden bereits eingearbeitet sind.

    Fläche schon verkauft

    Der Gerolzhöfer Unternehmer plant den Bau eines großen Mehrfamilienhauses auf dem bisherigen mehr oder weniger geschotterten Parkplatz an der Andreas-Hippler-Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Feuerwehr-Stützpunkt und zur Seniorenresidenz.  Dazu hat er einen Großteil der Fläche bereits von der Stadt abgekauft. Die Stadt hat nur einen Streifen direkt an der Andreas-Hippler-Straße zurückbehalten, um dort öffentliche Parkplätze anlegen zu können. Der Weg hoch zur Bahnhofstraße bleibt auch städtisch. 

    Der Gebäudekomplex soll fünf Vollgeschosse erhalten, mit einer Gesamthöhe von 15,85 Metern. Zum Vergleich: Die Firsthöhe der benachbarten Seniorenresidenz liegt bei 16 Metern. Südlich vom geplanten Neubau steht bereits seit 1997 ein Wohnblock mit zwölf Eigentumswohnungen, den die Wohnungsbaugenossenschaft Gerolzhofen errichtet hat.

    Einwendungen des Landratsamts

    Die vom Planer Frank Braun vorgestellten zehn Einwendungen der Behörden und Versorger (aus der Bürgerschaft kam nichts) kommen hauptsächlich von verschiedenen Abteilungen des Landratsamts Schweinfurt. Zum einen wurde nachgefragt, wo denn die notwendigen Abstandsflächen zur Nachbarschaft liegen sollen. Denn um das Grundstück effektiv und somit möglichst wirtschaftlich nutzen zu können, bedeckt das Gebäude einen Großteil des Bauplatzes. Die Abstandsflächen, so Frank Braun, liegen im Osten auch auf dem vorbeiführenden Weg, im Westen wird auch die acht Meter breite Bahntrasse dazu hergenommen.

    Die Bedenken des Landratsamts, das Gebäude könnte mit 15,85 Metern zu hoch ausfallen, konterte Planer Braun mit dem Hinweis, dass das Altenheim daneben sogar noch höher ist. Die Feuerwehr Gerolzhofen könne zudem den Brandschutz bis zu einer Höhe von 20 Metern sicherstellen.   

    Lärmbelästigungen

    Breiten Raum nahmen die Bedenken in puncto Immissionsschutz ein. Zum einen liegt direkt daneben der Feuerwehr-Stützpunkt, wo die Floriansjünger bei rund 140 Ernstfällen im Jahr – sei es am Tag oder in der Nacht – mit Sondersignal ausrücken. Westlich vom Bauplatz stelle die dort ansässige Reifenfirma eine Lärmquelle dar, die aber in der Regel ab 18 Uhr versiege. Bleibt noch die direkt neben dem Haus vorbeiführende Trasse der Steigerwaldbahn: Hier sei es unverhältnismäßig, so Braun, mit der Bauleitplanung so lange zu warten, bis endlich eine Entscheidung über die Zukunft der Bahnlinie gefallen sei. Um die Immissionsschutz-Bedenken zu zerstreuen, wird nun im Bebauungsplan der Einbau von Fenstern der Schallschutzklasse 3 zwingend vorgeschrieben.

    Stadtrat Günter Iff (Freie Wähler) monierte, dass die von Frank Braun mündlich vorgetragenen Ergebnisse der öffentlichen Auslegung dem Gremium nicht schon vor der Sitzung über das Ratsinformationssystem zur Verfügung gestellt worden war. Auf die Schnelle könne er sich jetzt keine Meinung bilden. Er regte deshalb eine Vertagung des Tagesordnungspunktes an.

    Bürgermeister Thorsten Wozniak sagte, man fasse ja heute keinen verbindlichen Satzungsbeschluss, sondern beschließe nur die erneute öffentliche Auslegung des überarbeiteten Bebauungsplanentwurfs. Nach dieser zweiten Auslegung komme der Plan dann sowieso wieder in den Stadtrat zurück, um nochmals diskutiert und bewertet zu werden. Erst dann stehe der Satzungsbeschluss an. Insofern vergebe man sich jetzt nichts, wenn das Verfahren erst einmal weiterlaufe.

    Antrag auf Vertagung

    Günter Iff ließ sich aber nicht beirren und stellte einen Antrag zur Geschäftsordnung auf Vertagung des Tagesordnungspunkts. Der Antrag  fand allerdings bei 5:13 Stimmen keine Mehrheit. Neben Iff stimmten nur seine drei Fraktionskollegen Rainer Krapf, Johannes Roth und Hubert Zink sowie Burkhard Wächter (CSU) für eine Vertagung.

    Somit kam es zum Mehrheitsbeschluss, den überarbeiteten Entwurf des Bebauungsplans erneut öffentlich auszulegen. Hier ging die Abstimmung mit 13:5 aus. Dagegen stimmten wieder die vier Freien Wähler und der CSU-Mann Wächter. Christoph Rosentritt (Die Jungen) als direkt Beteiligter nahm an den Abstimmungen nicht teil.

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