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    Geldersheim

    Ankerzentren: Flüchtlingsrat empört über Eck und Bouillon

    Sie waren sich einig nach der Besichtigung des Anker-Zentrums in Geldersheim, dass diese Einrichtungen "bundesweiten Vorbildcharakter" haben. Dafür ernten Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (links) und Saarlands Innenminister Klaus Bouillon nun heftige Kritik vom Würzburger Flüchtlingsrat.  Foto: Anand Anders

    Scharfe Kritik übt der Würzburger Flüchtlingsrat an den Äußerungen des bayerischen Innenstaatssekretärs Gerhard Eck und des saarländischen Innenministers Klaus Bouillon anlässlich ihres Besuchs in der Anker-Einrichtung in Geldersheim. "Wie zynisch und verblendet muss man sein, um die Lebenswirklichkeit der Menschen in den Anker-Zentren in Worte zu kleiden, die einem Werbeprospekt für ein Ferienressort entnommen sein könnten?", empört sich der Würzburger Flüchtlingsrat in einer Presseinformation. Eck hatte die Anker-Einrichtung als "Quantensprung" für Flüchtlinge zur Situation in ihrem Heimatland bezeichnet und Bouillon ihr einen Standard zugesprochen, "von dem diese Menschen nur geträumt haben".

    Der Flüchtlingsrat wirft den beiden Politikern vor, ihre Bewertungen nur "nach dem strukturellen Schein, nicht aber nach dem aus Geflüchteten-Perspektive erlebten Sein" getroffen zu haben. Viele Asylbewerber würden im Zentrum sehr lange auf eine Gerichtsentscheidung oder auf ihre Rückführung warten, wenn sie als Dublin-Fälle eingestuft sind. "Diese Menschen haben meist panische Angst vor Rückführungen in EU-Länder, von denen sie wissen, dass sie dort von Obdachlosigkeit, Verelendung, Anfeindungen und Übergriffen bedroht sind", heißt es in der Pressemitteilung.

    Die Ungewissheit, der Mangel an Beschäftigung und die Perspektivlosigkeit führen nach Meinung des Flüchtlingsrates zu hohen psychischen Belastungen, die durch die Isolation von der Lebenswelt der Einheimischen noch verstärkt werde. "Haben die Politiker nachgefragt, wieviel die psychosoziale Beratungsstelle Soultalk dazu beiträgt, menschliche Katastrophen wie (Auto-)Aggressionen oder Suizide zu verhindern und dies als politischen Auftrag verstanden?", fragt der Flüchtlingsrat provokativ und klagt an, dass sich die Regierung mit deren "hervorragenden Arbeit brüstet, ohne sich einen Deut um ihre Finanzierung und damit um ihren Fortbestand zu kümmern".

    Weiter heißt es: "Die schöngefärbten Worte der Politik missachten die Lebenswirklichkeit der Bewohner der Anker-Zentren in einer unerträglichen Art und Weise." Den Anker-Zentren einen "bundesweiten Vorbildcharakter" zuzusprechen, müsse aus menschenrechtlicher Sicht und aus Achtung vor der Würde jedes einzelnen Menschen entschieden widersprochen werden.

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