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    MAINFRANKEN

    Feuerwehren: Zahl der Aktiven nimmt ab

    Sie werden weniger in Unterfranken: Feuerwehrleute – hier (Symbolbild) während einer Übung vor einem Löschfahrzeug. Foto: Daniel Bockwoldt, dpa

    Der Kater kommt nicht vom Baum, die Gartenhütte steht in Flammen, ein Autofahrer ist nach einem Unfall in seinem Wagen eingeklemmt – immer ist völlig selbstverständlich: Die Feuerwehr hilft.

    Wohl keiner möchte sich ausmalen, was passiert, wenn diese Hilfe ausbleibt – etwa, weil es zu wenig Feuerwehrleute gibt. Im Landkreis Schweinfurt soll in Eckartshausen nun erstmals eine Feuerwehr aufgelöst werden. Der Grund: Es gibt zu wenig Aktive. Ein Ausnahmefall oder Trend?

    Rückgang von vier Prozent

    In Unterfranken gibt es nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes Bayern 1005 Feuerwehren, darunter 969 freiwillige. Von den 37 808 unterfränkischen Feuerwehrleuten sind 36 497 freiwillige. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 38 008 Aktive, also 1511 mehr – das ist ein Rückgang von gut vier Prozent. Alarmierend seien diese Zahlen zwar noch nicht, sagt Benno Metz, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbands Unterfranken und Kreisbrandrat im Landkreis Bad Kissingen. Allerdings sei er darüber auch „nicht erfreut“.

    Und: „Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird das irgendwann schon bedenklich.“ Im Landkreis Bad Kissingen etwa sei die Zahl der Aktiven in den letzten zehn Jahren sogar um gut 400 zurückgegangen. Aktuell gibt es dort knapp 5100 Feuerwehrleute.

    Jedoch: Pauschalisieren lässt sich das nicht. Während einige Wehren unter Personalnot leiden würden, hätten andere in dieser Hinsicht keine Probleme, sagt Metz. Eine Ansicht, die auch andere Kreisbrandräte teilen. Im Landkreis Schweinfurt etwa gebe es ein „Auf und Ab“, sagt Kreisbrandrat Holger Strunk. Dass in Eckartshausen die Wehr aufgelöst werden soll, möchte er nicht überbewerten. „Es ist etwas Seltenes, aber nichts Besonderes“, sagt er. Im Landkreis Bad Kissingen wurde 2015 etwa die Wernarzer Wehr aufgelöst. Auch hier war der Grund zu wenig Personal.


    Mindestens 18 Aktive sind Plficht

    Das bayerische Feuerwehrgesetz schreibt vor, dass eine Wehr mindestens über drei Gruppen a neun Mann – also insgesamt 27 Aktive – verfügen muss; in Ausnahmefällen sind auch 18 Mann erlaubt. Erst wenn diese Zahl nicht eingehalten würde, könne ein Bürgermeister eine Wehr überhaupt auflösen, sagt Strunk. Denn die Gemeinde ist verpflichtet, für den Brandschutz zu sorgen. Das bedeutet im Umkehrschluss: „Wenn bei einem Einsatz etwas Schlimmes passiert, weil zu wenig Feuerwehrleute vor Ort waren, hat der Bürgermeister eventuell ein Problem.“ In Eckartshausen gab es nur noch fünf bis zehn Aktive. Holger Strunk hat daher Verständnis für den Schritt der Gemeinde. Für die Sicherheit der Eckartshäuser sorgen nun die umliegenden Wehren aus Werneck oder Rundelshausen.

    Vor allem tagsüber fehlt es an Personal

    Laut Peter Schmidt, Kreisbrandrat im Landkreis Main-Spessart, ist die Zahl der Aktiven selbst wenig aussagekräftig. Entscheidend sei, dass die Wehren die Tagesalarmsicherheit gewährleisten könnten – also, dass zwischen 6 und 18 Uhr genug Personal vorhanden ist. Das sei oft nicht mehr der Fall. „Die Arbeitsbedingungen haben sich geändert. Viele Menschen arbeiten nicht mehr in den Dörfern, sondern pendeln in die Städte. Das macht sich bemerkbar.“ Schmidt spricht gar von einer „Landflucht“. Es fehle vor allem in ländlichen Regionen tagsüber an Personal.

    „Die Arbeitsbeding- ungen haben sich geändert. Das macht sich bemerkbar.“
    Peter Schmidt, Kreisbrandrat Main-Spessart

    Das bestätigt auch Michael Reitzenstein, Kreisbrandrat im Landkreis Würzburg. Dort seien die Zahlen zwar noch „stabil“. Nichtsdestotrotz: „Durch die globalisierte Arbeitswelt ist die Fluktuation viel größer geworden“, sagt Reitzenstein. Immer öfter zögen junge Leute von den Dörfern in die Städte. Hinzu komme, dass das Freizeitangebot für Jugendliche heute vielfältiger als früher sei, sagt Holger Strunk. Außerdem werde den Jugendlichen auch in der Schule mehr abverlangt. „Da kommt die Feuerwehr oft einfach nicht mehr an erster Stelle“, sagt Strunk. Die Folge: Auch am Nachwuchs hapere es mancherorts erheblich. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, sagt Reitzenstein.

    An den Ortsfeuerwehren festhalten

    Klar sei: „Wir wollen unbedingt an den Ortsfeuerwehren festhalten. Oft ist das noch die einzige Gemeinschaft im Ort“, sagt Michael Reitzenstein. Allein wegen der Ortskunde seien die örtlichen Wehren unabdingbar. „Es ist wichtig, dass es Leute gibt, die die Gefahrenpunkte vor Ort kennen.“

    Um vor allem junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern, gebe es zahlreiche Aktionen der Feuerwehren. Mit Werbeaktionen und Infoveranstaltungen gehe man gezielt auf die Jugendlichen zu, sagt Michael Reitzenstein. Unterstützt werden die Aktionen vom Landesfeuerwehrverband und vom Freistaat. „Die Aktionen sind recht erfolgreich, wir konnten dadurch schon Verluste ausgleichen“, sagt Bezirksvorsitzender Benno Metz. Und in Würzburg sei die Anzahl der Anwärter im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen. „Das stimmt mich positiv“, so Reitzenstein zu den derzeit aktuellsten Zahlen.

    Beispiel Rengersbrunn

    Dass es auch ganz anders geht, zeigt das Beispiel Rengersbrunn (Lkr. Main-Spessart). Kommandant Tim Interwies kann sich in dem 134 Seelen kleinen Ort über 80 Mitglieder in seiner Wehr freuen – 35 davon seien regelmäßig einsatzbereit, sagt er. Auch die Jugendarbeit funktioniere gut – ganz ohne Werbung. „Bei uns in der Gemeinde geht man einfach in die Feuerwehr, das wird so gelebt. Die Jugendlichen wissen: Erst einmal müssen wir uns selber helfen.“

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