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    Schweinfurt

    Aus Wut WG-Bewohnerin begrapscht

    Wegen eines sexuellen Übergriffs mit einiger Gewaltanwendung steht der 30-Jährige vor dem Schöffengericht. Den Grund dafür kann der Vorsitzende Richter kaum glauben.
    Bewährungsstrafe vom Schöffengericht: Ein Mann wurde gegen die WG-Mitbewohnerin sexuell übergriffig, weil sie die Küche zwar mitbenutzt, aber nie saubergemacht hat. Foto: Patty Varasano

    Schweinfurt, Anfang Juni 2018, kurz nach 17 Uhr: Der 30-jährige Lagerist, klopft an die Zimmertür der Mitbewohnerin seiner Dreier-Wohngemeinschaft. Als sie ihn hereinlässt, wirft er sie aufs Bett, legt sich auf sie, greift mit der Hand unter die Kleidung an ihre Brust und versucht, diese zu küssen. Dann begrapscht er sie unterm Kleid im Genitalbereich, aber noch über dem Slip. Sie schreit ihn an, er soll aufhören – ohne Erfolg. Erst als ihr Handy zu Boden fällt, erschrickt sich der 30-Jährige. Sie kann sich von ihm lösen und ins Badezimmer flüchten. Von dort aus ruft sie telefonisch einen Freund an, der ihr zu Hilfe eilt.  

    Sie hat die Küche nie geputzt

    Nun, vor Gericht, bestätigt der Angeklagte diesen Vorwurf des Staatsanwalts durch eine Erklärung seiner Verteidigerin. Selbst sagt er: "Ich hatte Gründe für dieses Verhalten." Die WG-Mitbewohnerin habe die Küche zwar regelmäßig benutzt, aber nie sauber gemacht und aufgeräumt. Letztes Jahr um diese Zeit habe er gefastet und fürs Fastenbrechen um 21 Uhr Essen zubereiten wollen. Es habe ihn geärgert, dass die Küche wieder nicht aufgeräumt war. Da habe er das getan, was in der Anklage steht. "Ich weiß, ich habe mich dumm verhalten", sagt der 30-Jährige. Er habe "sie stören" wollen, damit sie das Haus verlässt.     

    "Ich bin einigermaßen schockiert, dass das der Grund für diesen Übergriff ist", sagt der Vorsitzende. "Ich wollte keinen Geschlechtsverkehr mit ihr, nur dass sie aus dem Haus geht", ergänzt der Angeklagte. Und: Hätte er den Geschlechtsakt mit der Mitbewohnerin ausführen wollen, hätte er dies auch getan. Das wäre für ihn aber sowieso nicht in Frage gekommen, weil in der Fastenzeit kein Geschlechtsverkehr erlaubt sei.

    "In keiner Weise hinnehmbar"

    Den Entschluss für die sexuelle Belästigung habe er gefasst, nachdem die Mitbewohnerin ihm auf seine Vorhaltungen erklärt habe, sie habe "keine Zeit gehabt zum Aufräumen" gehabt. "Ich bereue mein Verhalten, es war ein Fehler", sagt der Angeklagte. "In keiner Weise hinnehmbar" sagt der Richter zu diesem "Fehler". Dem Angeklagten sei offenbar nicht bewusst, dass es dabei um ein Verbrechen geht mit einem Strafrahmen von einem bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe.          

    Der Staatsanwalt hält dem 30-Jährigen sein umfassendes Geständnis und seine Reue zugute und dass er keinerlei Vorstrafen mitbringt. Drei Zeugen und auch das Opfer müssen nicht gehört werden. Er fordert eine zweijährige Bewährungsstrafe und eine Geldauflage von 4000 Euro. Die Verteidigerin hält ein Jahr auf Bewährung für angemessen.

    2000 Euro auch für das Opfer

    Das Urteil: Ein Jahr und acht Monate auf Bewährung. Der Verurteilte muss ferner 2000 Euro an das Opfer und 2000 Euro für den Verein "Frauen helfen Frauen" bezahlen, jeweils in Raten, sowie Therapiegespräche beim Verein "Männer contra Gewalt" aufnehmen und nachweisen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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