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    Üchtelhausen

    Azubiakademie: Durch Persönlichkeitsbildung zur Karriere

    Selbstreflexion und Persönlichkeitsbildung sind für die beiden Referentinnen der Azubiakademie, Nernosi und Susanne Häcker (von links), Voraussetzung für jeden Karrieresprung. Foto: Ursula Lux

    Das Credo der Unternehmer ist einhellig: Es hat sich gelohnt, die Auszubildenden in die Azubiakademie zu schicken. Angelika Schwaab (Zahnarztpraxis Schwaab), Monika Hatwieger (Hatwieger beraten und planen) und Achim Neugebauer (fbs Computerservice) tun das schon im zweiten Jahr. Florian Blank (Maincor Rohrsysteme) schickt in diesem Jahr erstmals fünf Lehrlinge. "Es ist einfach ein Vorteil, um Auszubildende zu gewinnen", erklärt er.

    Längst sind es nicht mehr die Betriebe, die sich ihre Lehrlinge aussuchen. Jugendliche haben inzwischen die Wahl zwischen mehreren Ausbildungsbetrieben. Die Idee mit den Azubiakademien entstand 2006. Damals hatten zwei benachbarte Firmen ihre Azubis "ausgetauscht", erzählt Frank Bernard, Bezirksgeschäftsleiter des BDS (Bund der Selbständigen).  Schnell wurden aus den zwei sechs Unternehmen, die gemeinsame Ausbildungen für ihren Nachwuchs anboten. Die Idee war geboren. Inzwischen sind bayernweit 33 Azubiakademien am Start, drei davon in Unterfranken, die rund 1000 Auszubildende von 300 Unternehmen betreuen. Unterstützt werden sie vom Bayerischen Wirtschaftsministerium, zunächst nur ideell, vielleicht bald auch mal finanziell, hofft Bernard. Auch der Leiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt, Frank Deubner, unterstützt die Initiative, und Landrat Florian Töpper hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen, ergänzt Stefan Mai (benefit).

    Wenn Externe Teile der Ausbildung übernehmen, dann habe das viele Vorteile, meint Schwaab. Es gehe eben nicht nur ums Fachliche, der Imput und der Blickwinkel seien einfach anders. Hatwieger hebt besonders die Vielseitigkeit der monatlichen Angebote hervor. Im vergangenen Jahr hätten die Jugendlichen beispielsweise in Würzburg gelernt, Cyberangriffe und Viren zu erkennen. "Also unsere waren ganz begeistert", erzählt Schwaab. Die anderen nicken zustimmend. Auch der Austausch der Azubis untereinander sei wichtig, meint Neugebauer, zumal dieser ja im Gegensatz zur Schule fachübergreifend wäre. Ob Systemkaufmann, Zahnarzthelferin, Bauzeichner, Steuerfachangestellte oder Fachkraft für Lagerlogistik, Elektriker, Orthopädietechniker oder Kaufmann, alle sitzen bei der Azubiakademie zusammen. Das ermögliche den berühmten Blick über den Tellerrand hinaus, so Hatwieger. Für die Jugendlichen ist die Teilnahme eine zusätzliche Motivation, so Blank – und die Unternehmen lassen sie sich einiges kosten.

    "Schlag den Chef" auf der Bowlingbahn: Aktionen, die verbinden

    Blank findet es "besonders gut", dass die Unternehmen bei der Auswahl der angebotenen Themen mitbestimmen können. Unter die Angebote fällt auch immer wieder mal eine gemeinsame Veranstaltung der Jugendlichen mit ihren Vorgesetzten. Letztes Jahr beispielsweise "Schlag den Chef" auf der Bowlingbahn. Das sei toll gewesen und man habe sich auf einer ganz anderen Ebene kennengelernt, meint Hatwieger. Bei allgemeinen Firmenfeiern sonderten sich die Auszubildenden eher ab. Nicht nur die Jugendlichen, auch ihre Chefs kommen am Rande der Akademie in einen guten Austausch.

    Sie wissen, dass ihre Auszubildenden von der Akademie in der Kirchbergschule nur gewinnen können. Von links (hinten) Jürgen Unser, Florian Blank, Thomas Bauer, Achim Neugebauer und Stefan Mai. Vorne von links: Monika Hatwieger, Vanessa Krug, Angelika Schwaab, Michaela Zinser. Foto: Ursula Lux

    In  diesem Herbst ging es los mit dem "Karriere Führerschein". Die beiden Trainerinnnen und Persönlichkeitsentwicklerinnen Susanne Häcker und Alexandra Nernosi begleiteten die Auszubildenden dabei auf einem Weg, mit dem diese wohl kaum gerechnet hatten. "Woher komme ich, wer bin ich, wo will ich hin", lauteten die ersten Fragen. "Die Jugend beschäftigt sich mehr mit dem Außen, wenig mit sich selbst", stellt Häcker fest. Selbstreflexion und persönliche Wachstum aber seien nicht nur die Voraussetzung für ein gelingendes Leben, sondern auch für den beruflichen Erfolg, betont Nernosi. In jedem Unternehmen sollte man sich auf Augenhöhe mit Herz, Hirn und Hand begegnen, so ihr Credo. Am ehesten gelinge dies in inhabergeführten mittelständischen Unternehmen, meint Häcker.

    Wichtig sei die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit, wenn die Wertschätzung fehle, dann gingen Arbeitnehmer heute. Und genau an diesem Punkt sei noch viel zu tun. Nach einer neuen Studie, so Nernosi, würde sich heute nur einer von zehn Arbeitnehmern mit seinem Unternehmen verbunden fühlen.

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