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    Schwanfeld

    BRK-Rettungsdienst hatte Besuch aus der Mongolei

    Beim Roten Kreuz wurde den mongolischen Besucherinnen der Fuhrpark gezeigt. Foto: Uwe Eichler

    Die Mongolen sind ein hilfsbereites Volk: Vor wenigen Wochen wurde die sibirische Stadt Irkutsk, am Baikal-See, von Waldbränden und schwerem Hochwasser heimgesucht. Das "Mongolische Rote Kreuz" hat spontan eine Hilfsaktion organisiert.

    Im buddhistisch geprägten Land wurden Decken, Kleidung, Lebensmittel und Medikamente für die nördlichen Nachbarn gesammelt. "Viele Mongolen haben in Irkutsk studiert", erklärt Dolmetscherin Nara das Gefühl der Verbundenheit, beim Besuch einer kleinen mongolischen Delegation im Hauptquartier des BRK-Kreisverbands in Schweinfurt: wo auch die Wasserwacht eine Halle hat, für Boote und Ausrüstung. In Ulan-Bator ist die Übersetzerin, die in Berlin studiert hat, zuständig für "Ländliche Entwicklung", nicht zuletzt im Sum ("Landkreis") Altanbulag.

    Munkh Unur, die zusammen mit ihrer Mutter Deutschland besucht, arbeitet ebenfalls für die Regierung. Sie ist für den Schwanfelder Bürgermeister Richard Köth und seine Frau Anita eine sehr gute Bekannte. Man kennt sich von der Mongolei-Expedition der Schwanfelder im letzten Sommer, auf Besuch der Kooperationskommune Altanbulag, etwa 50 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Ulan-Bator. Beim Anblick des Einsatzwagens der Wasserwacht muss Anita Köth an die abenteuerlichen Überquerungen des Tuul-Flusses nahe der Steppensiedlung denken, im russischen Kleinbus, als das Wasser knapp unter den Fensterscheiben rauschte.

    Käsefabrik  in Altanbulag

    Die Eltern von Munkh Unur haben eine kleine Käsefabrik  in Altanbulag, entsprechend führt der Ausflug auch zur "Hofkäserei Zehner" nach Oberschwarzach. Die Mutter nimmt einige Tipps und Gewürze mit zurück in die Mongolei. Außerdem führt die Reise zu Landwirt Hubert Oestreicher, der in Eßleben eine Biogasanlage betreibt, oder zu den Champignon-Kulturen des benachbarten "Pilzland".

    Am Vormittag geht es aber erstmal zum Roten Kreuz nach Schweinfurt: Richard Köth ist selbst engagiertes Mitglied, Sohn Michael stellvertretender Leiter des Rettungsdiensts.  Sachgebietsleiter Florian Biber erklärt den Gästen die Einsatzszenarien des BRK, das für 120 000 Menschen im Landkreis (mit)zuständig ist: die, gemäß Rechtslage, innerhalb von zwölf Minuten erreichbar sein müssen, durch die drei Rettungswägen. Eine Frist, die nicht immer eingehalten werden kann.

    "First Responder" helfen vor Ort, die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu überbrücken, auch in Schwanfeld. BRK-Zweigstellen gibt es in Gerolzhofen und Werneck. Zum großen Fuhrpark zählen auch die Wägen des Patientenfahrdiensts oder eben der Wasserwacht. Ein eigener Schwerlast-Rettungswagen ist für übergewichtige Patienten ausgelegt. Alarmiert wird über die Integrierte Leitstelle im Hafen.

    "Bei uns dauert es länger als zwölf Minuten, bis der Krankenwagen kommt", sagen die Mongolen. Der "Landkreis" Altanbulag sei ja ungefähr so groß wie der Regierungsbezirk Unterfranken, nickt Richard Köth. Da dauert es schon mal zweieinhalb Stunden bis zur abgelegensten Jurte.

    International im Einsatz: Zusammen mit Schwanfelds Bürgermeister Richard Köth besuchte eine kleine mongolische Delegation das Rote Kreuz in Schweinfurt. Foto: Uwe Eichler

    In der Mongolei haben die Krankenhäuser ihre eigenen Krankenwägen. An Hausnotrufe oder "Menü-Service", wie beim BRK, ist im rauen Hochland nicht zu denken. Das "Mongolian Red Cross" ist mehr für den Katastrophenschutz zuständig, etwa bei Hochwasser und Erdbeben. Oder beim gefürchteten Dzud, einem extremen Winter, bei dem die Weidetiere nicht mehr durch Frost und Schnee hindurch ans Gras gelangen und millionenfach verenden: die Mongolei wird immer häufiger vom Dzud heimgesucht, oft in Verbindung mit Sommerdürre. Auch das Deutsche Rote Kreuz war schon an Hilfseinsätzen im Land beteiligt.  

    Thomas Lindörfer ist dann beim "geselligen Teil" abends in Schwanfeld dabei. Der BRK-Kreisgeschäftsführer möchte nächstes Jahr privat in die Mongolei reisen, Richtung Gobi. Einen unfreiwilligen Einblick ins deutsche Krankenhaus-Wesen bekommt Munkh Unur dann noch durch einen plötzlichen Infekt: Sie muss eine Nacht im Gerolzhöfer Krankenhaus verbringen – und ist sehr angetan von der dortigen Hilfe.

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