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    SCHWEINFURT

    Baggersee als Gänseklo?

    Zeug gibt‘s: Kein Herz für Hunde
    _ Foto: Thomas End) aussehen werden, sollte die Baumschutzverordnung tatsächlich abgeschafft werden.

    Wir werden nicht müde, an dieser Stelle immer wieder aufzuzählen, was Schweinfurt alles hat und macht und kann, schon aus Lokalpatriotismus. Das fängt beim Kugel-, Wälz- und Kegelrollenlager an, von denen hier so viele hergestellt werden, dass man sie weltweit verkauft. Groß- und Fluglager hätten wir fast vergessen, und dass die Stadt einmal in einer riesigen Imagekampagne hinausposaunt hat: „Wir haben mehr auf Lager.“ Es geht weiter mit Kunst und Kultur, sowohl für die Bessereleuteschicht, als auch für die alternative. Dann wäre da das schöne Schwimmbad mit dem ausgefallenen Waldnamen – „Silvana“ – was für Lateiner. Und: Das schönste Umsonst-Freizeit- und Tier-Gelände weit und breit, der Wildpark, sogar mit Elchen.

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    Nun könnte man meinen, alles, was halbwegs wild ist oder zumindest von der Gattung her einmal war, hätte im Wildpark an den Eichen sein natürliches Zuhause gefunden, wo es die Herzen der Schweinfurter erfreuen und in Ruhe alt werden kann. Doch weit gefehlt. Wenigstens eine Art von Wild geht eigene Wege, pfeift beziehungsweise schnattert auf den Wildpark und nimmt den rein zur menschlichen Naherholung gedachten Badesee zwischen Autobahn und B 286 in Beschlag: die Wildgans. Wenn's nur eine wäre, stünde hierzu keine Zeile, sie tritt dort aber in Schwärmen auf und geht auch nichts aufs Klo, wenn sie mal muss, sondern entleert sich völlig ungeniert da, wo sie gerade geht und steht.

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    Das geht natürlich nicht, seit Jahren wird die Wildgans dafür heftig kritisiert, auch von höchster Stelle, jüngst erst wieder im Ferienausschuss, ohne dass sie sich davon beeindrucken ließe. Es wurde schon versucht, die ganze Wildgansbande zu vergrämen, indem man die Büsche auf der Badeseeinsel „auf Stock“ geschnitten hat (eine Art tabula rasa), sowie Hunde und Jäger auf sie hetzte. Allein: Sie wurde dezimiert, nicht aber nachhaltig „vergrämt“, ist doch der Mensch nicht immer der wilden Gänse Feind, sondern – je nach innerer Überzeugung – auch Freund und Futterstelle. Dies, obgleich das Gänsefüttern mit horrenden Geldstrafen bedroht ist und diesem die unverzügliche Verkotung des Ufers auf dem Fuße folgt.

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    Aber sag' das mal eingefleischten Tauben- oder Gänsefütterern, die mit ihrem alten Brot noch eine gute Tat zu vollbringen glauben – es stieße im besten Fall auf taube Ohren, im schlechtesten auf eine verbale Auseinandersetzung mit dem Ergebnis, dass sich der Mahner als der größte Feind der Wildgans seit Erfindung des warmen Wassers fühlen müsste. Laut der städtischen Anlagensatzung vom 5. Juli 2001 wäre die Wildgans wohl zwingend und unverzüglich im Wildpark unterzubringen, wenn nötig zwangsweise. Da wäre womöglich das Ordnungsamt zuständig. In der nächsten Sitzung des Stadtrats sollte die Angelegenheit noch einmal intensiv besprochen und dann aber eine mutige Entscheidung getroffen werden.

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    Dann war der Herr Oberbürgermeister Remelé jüngst wieder mal bei den Jugendfreizeitkindern auf dem Bauersberg in der Rhön und hat diesen verraten, dass er gar nicht Oberbürgermeister werden wollte, sondern Pfarrer oder Journalist. Er war da wohl mit sich selbst nicht einig, wurde aus ihm doch ein Jurist. Ob Journalist, Pfarrer oder Jurist – fürs lustige „Gummibärchenschnappen“ war's total egal.

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