• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Bamberger Symphoniker präsentierten musikalische Raritäten

    Dirigent Robert Trevino und seine Leute holten aus der Musik heraus, was herauszuholen war
    Unter der Leitung des Amerikaners Robert Trevino gastierten die Bamberger Symphoniker im Schweinfurter Theater. Foto: ©Musacchio & Ianniello

    Es war ein Programm der musikalischen Raritäten, mit dem die Bamberger Symphoniker unter der Leitung des Amerikaners Robert Trevino jetzt im Theater gastierten. Und man konnte in gewisser Weise auch rasch und mühelos verstehen, warum die drei Werke selten gespielt werden.

    Wie etwa die Ouvertüre zur Oper "Hermione" von Max Bruch. Der hat zeit seines Lebens darunter gelitten, dass nur sein 1. Violinkonzert und seine Schottische Phantasie von Musikern und Publikum wahrgenommen wurden, weil er sich als Mendelssohn-Epigone und Brahms-Adlatus im Grunde genommen selbst überflüssig gemacht hatte. Aber hat auch nie auch nur ansatzweise deren Originalität erreicht. Trevino und seine Leute holten aus der Musik heraus, was herauszuholen war: nichts Konfrontatives, aber lange Crescendi in ein wuchtiges Pathos. Es fiel schwer, sich vorzustellen, dass nach dieser Eröffnung Shakespeares konfliktreiches "Wintermärchen" folgte.

    Ein bisschen ratlos machte auch das 2. Hornkonzert von Richard Strauss. Klar, es war eine gute Gelegenheit für Andreas Kreuzhuber, den (fast) neuen Solohornisten der Bamberger, sich auch dem Schweinfurter Publikum vorzustellen. Man konnte verstehen, warum die Bamberger ihn haben wollten, und es ist schön, dass sie ihn bekommen haben. Er ist ein souveräner Techniker mit einem sehr lebendigen differenzierten Ton, dem zuzuhören und ihn zu beobachten einfach Spaß macht. Man hat dem 78-jährigen Strauss den etwas unsinnigen Vorwurf gemacht, dass das Konzert, das 1942, also mitten im Krieg entstand, zu wenig ernsthaft sei. Sicher hat er die Katastrophe des Krieges im Wesentlichen in der Zerstörung des Münchner Nationaltheaters wahrgenommen und in seinen Metamorphosen für 23 Solostreicher reflektiert. Das Hornkonzert macht aber über weite Strecken etwas den Eindruck einer burlesken Überfrachtung. Da hat der Altmeister in einer dieser "Handgelenksübungen" alles reingepackt, was ihm einfiel, so dass der Orchesterpart letztlich virtuoser ist als die Solostimme und trotz der klanglichen Transparenz der Bamberger Wiedergabe schon in seiner komplizierten Rhythmik schwerer zu durchschauen war.

    Was allerdings wunderbar herausgearbeitet war, waren die raffinierten Strauss'schen Klangfarben im Zusammenwirken zwischen Solist und einzelnen Stimmen, besonders frappierend am Schluss im Zusammengehen des Solos mit den Tutti-Hörnern. Eine Zugabe gab's leider nicht – aber es gab ja auch keine Blümchen.

    Und schließlich die 1. Sinfonie von Edward Elgar von 1908, die deshalb problematisch in der Aufführung ist, weil sie in ihren Wiederholungen und in ihrem Pathos schnell langweilig werden kann. Sie erinnert stark an "Pomp und Umstand", allerdings mit gefühlt doppelt so vielen Noten in jedem Takt wie bei dem Proms-Klassiker. Trevino und seine Leute brachten das Kunststück fertig, diese Langweile absolut zu vermeiden, weil sie zwar kraftvoll spielten, aber das Pathos nicht bis zur Hohlheit aufbliesen, und weil es ihnen gelang, die einzelnen Episoden zu einer konzeptionellen Gesamtheit zusammenzufügen, weil sie durch starke Differenzierungen und Kontraste Spannung und Neugier erzeugten und wirksam hielten. Das war die große Überraschung des Abends.

    Bearbeitet von Thomas Ahnert

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!