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    Schweinfurt

    Barbara Stamm "predigt" in der Schweinfurter Christuskirche

    Warum es die ehemalige Landtagspräsidentin für wichtig hält, sich den ethischen Fragen der Digitalisierung zu stellen. Und warum Sprache gefährlich sein kann.
    Barbara Stamm bei ihrem Stammbucheintrag in der Schweinfurter Christuskirche.  Foto: Harry Walter

    Die frühere bayerische Landtagspräsidentin und Sozialministerin Barbara Stamm spricht sich dafür aus, Lehrstühle einzurichten, die sich mit den ethischen Fragen zur Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzen. Dies war eine der Kernaussagen bei einem "Special-Gottesdienst" in der Schweinfurter Christuskirche.

    Dort werden seit über 20 Jahren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens um einen Eintrag in das Stammbuch der Kirche gebeten. Prediger waren dort unter anderem der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein, die Grünen-Politikerin Christine Scheel oder der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt.

    Zunehmende Distanz zwischen Kirche und Politikl

    Stamm stellte eingangs eine zunehmende Distanz zwischen Politik und Kirche fest und bekannte, dass daran die Politik nicht ganz schuldlos sei. Angesichts einer sich immer mehr zuspitzenden Lage ("die Welt gerät aus den Fugen"), zunehmenden Ängsten der Menschen, "werden wir immer wieder gefragt, wie christlich wir sind?" Sie höre immer wieder, die CSU solle das "C" aus ihrem Parteinamen streichen. Sie persönlich wolle sich jedoch von ihrer Kirche nicht entfremden.  

    Konkret machte sie dies an der schwierigen Entscheidung über die Änderung des Paragraphen 218 und die Diskussion um die Schwangeren-Beratung fest und dankte der evangelischen Kirche ausdrücklich, die im Gegensatz ihrer eigenen, der katholischen, an der Beratung zum Schwangerschaftsabbruch festhalte. "Das ungeborene Leben ist nur über die Frauen zu schützen."

    Grundgesetz als Handbuch für humanes Handeln 

    Stamm beschäftigte sich ausführlich mit dem zunehmenden Rechtsextremismus und erteilte allen eine Absage, "die unsere Demokratie mit Füßen treten". Das 70 Jahre alte Grundgesetz sei ein "Handbuch für humanes Handeln" mit den zentralen Aussagen "Nie wieder" und "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Gerade angesichts der Ereignisse von Halle war Stamm ein Bekenntnis zur christlich-jüdischen Kultur dieses Landes wichtig. Bezugnehmend auf Äußerungen der AFD in den Sozialen Medien sagte sie "niemand, der dort unterwegs ist kann mehr sagen, er hat nichts gewusst."

    Bei der Diskussion um Flüchtlinge und Immigration forderte sie eine europäische Lösung. Es dürfe aber nicht gefragt werden, was es koste, sondern vielmehr, was der Mensch brauche. Es gehe um Solidarität, darum, dass der Mensch die Würde seines Lebens entfalten könne.

    "Achtet auf Eure Sprache", wandte sich Stamm in diesem Zusammenhang nicht nur an die jugendlichen Besucher des Gottesdienstes. "Sprache wird zum Handeln, das erleben wir gerade in diesen Tagen."

    Plädoyer für Kultur des Vertrauens

    Stamm sieht die zunehmende Digitalisierung nicht grundsätzlich kritisch, auch nicht in der Pflege. Dennoch könne der Computer "die warme Hand eines Menschen nicht ersetzen". Das Thema löse Ängste aus, auch, was die Arbeitsplätze betrifft. 

    Stamm plädierte für eine Kultur des "Vertrauens in die Mitmenschen", auch in die, die politisch Verantwortung tragen, für mehr Wertschätzung und dafür, dass man den Menschen ein Gefühl der Sicherheit im Inneren und Äußeren gibt. Dazu trage ein großes Gottvertrauen bei, die Gewissheit, dass es eine Instanz gibt, die dabei helfe, den Herausforderungen der Zukunft entgegenzutreten.

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