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    POPPENHAUSEN

    Beatrix von Storch will „Plebiszit zu Asylpolitik“

    AfD-Bezirksvorsitzender Christian Klingen empfängt Beatrix von Storch bei der Ankunft in Poppenhausen. Foto: Michael Czygan

    Zum Auftakt des Landtagswahlkampfs in Unterfranken hat die AfD in eine ihrer Hochburgen eingeladen. Über 15 Prozent der Wähler stimmten bei der Bundestagswahl vor einem Jahr in Poppenhausen (Lkr. Schweinfurt) für die Rechtspopulisten. Knapp 150 Zuhörer sind in die Werntalhalle gekommen, um Beatrix von Storch, die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, zu hören. Die Polizei ist stark vertreten, sichtbaren Protest gibt es nicht.

    Von Storch fordert ihre Anhänger auf, die Wahl zum „Plebiszit über die Migrations- und Asylpolitik de Bundesregierung“ zu machen – und die Union zu „jagen“. Die in Bayern regierende CSU sei nur der „Steigbügelhalter“ für Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer 50-minütigen Rede erwähnt die 47-Jährige aus Berlin mehrere „Highlights aus den letzten Wochen“, um zu zeigen, wie schlecht es um „unser Land“ bestellt sei. Da versucht sich die Rednerin viel in Ironie, vermischt geschickt Wahrheiten, Vorurteile und Polemik. Mal wettert sie gegen die Entscheidung eines Gerichts, den ehemaligen Bin-Laden-Leibwächter nicht abzuschieben. Mal wirft sie den Kirchen vor, sich nicht vor die Christen in der Welt zu stellen („die Bischöfe lesen zuviel ,Spiegel' und zuwenig Bibel“). Und mal spottet sie gegen Publizisten wie Jakob Augstein („Wohlstands-Rotzlöffel“), SPD-Linke wie Ralf Stegner oder Konservative wie Friedrich Merz, der sich nicht von Rechtspopulisten vereinnahmen lassen möchte.

    Den „Apparat ins Schleudern bringen“

    Nein, sie rufe „keinesfalls“ dazu auf, den Rundfunkbeitrag nicht zu bezahlen, sagt von Storch. Aber sie habe gehört, es gebe die Möglichkeit „mal gar nichts, mal zu viel und mal zu wenig“ zu zahlen, „um den Apparat ins Schleudern“ zu bringen. Begründung: In die Talkshows des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würden deutlich mehr Politiker der Grünen als der AfD eingeladen. Auch Gewalt gegen Politiker lehne sie „natürlich“ ab, so von Storch, lässt dann aber doch Schadenfreude durchblicken. Dass CSU-Vize Kurt Gribl während der Protest-Demo gegen den AfD-Parteitag in Augsburg mit Tomaten beworfen wurde, finde sie natürlich – kurze Kunstpause – „schlimm“. Da gibt es Beifall im Saal.

    Aus ganz Unterfranken sind Zuhörer nach Poppenhausen gekommen. Warum? „Weil nur die AfD der Islamisierung entgegentritt“, sagt eine Frau. „Wir haben nichts gegen Menschen, die zu uns kommen, wenn sie politisch verfolgt sind“, sagt eine andere. „Aber die Masse sind keine echten Flüchtlinge.“ Die Frauen und ihre Freunde am Tisch sagen, sie wählten schon länger AfD. „Und, sehen wir aus wie Bodensatz, wie Nazis?“, fragt eine Mittfünfzigerin. „Wir haben Angst um die Zukunft“, ergänzt ein Tischnachbar.

    Weitere AfD-Promis angekündigt

    Vor von Storch sprechen der Bremer AfD-Landespolitiker Alexander Tassis und regionale Kanidaten. Bezirkschef Christian Klingen nennt Flüchtlinge „Merkels illegal eingewanderte Goldstücke“, politische Gegner „Toleranzfrömmler“ oder „Multikulti-Gutmenschen“. Deutschland müsse aus dem „Würgegriff des Meinungsterrors“ befreit werden, glaubt Klingen. Für die kommenden Wahlkampfwochen kündigt er weitere Veranstaltungen in Unterfranken mit Parteiprominenz an, unter anderem mit Jörg Meuthen, Björn Höcke und Alice Weidel.

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