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    SCHWEINFURT

    Beethovens nächstes Level

    „Beethoven – The next level“ lautet der Titel der Crossover-Show von Christoph Hagel, die im Schweinfurter Theater gastierte. Hier gingen Klassik und Breakdance eine äußerst interessante Mischung ein.
    „Beethoven – The next level“ lautet der Titel der Crossover-Show von Christoph Hagel, die im Schweinfurter Theater gastierte. Hier gingen Klassik und Breakdance eine äußerst interessante Mischung ein. Foto: Sven Bayer

    Das Erfolgsrezept ist bewährt, vor allem wenn der Berliner Komponist, Dirigent und Pianist Christoph Hagel involviert ist: Ein großer Komponist der Klassik gemischt mit ganz viel Breakdance und klassischem Tanz und heraus kommt meist ein Publikumsmagnet. Das gelang dem 59-jährigen Hagel bereits mit „Breakin? Mozart“ und „Fuck you Wagner“, den beiden Produktionen, die er mit der Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew vor Jahren auf die Bühne brachte. Und gelingt ihm mit seinem neuesten Projekt, „Beethoven! The Next Level“ wieder. Die Show gastiert noch bis einschließlich Freitag im Schweinfurter Theater.

    Im Mai 2016 feierte Hagel, der bei diesem Projekt mit dem Choreographen Khaled Chaabi, den B-Town Allstars, einer Berliner Breakdance-Formation, sowie der japanischen Ballerina Yui Kawaguchi arbeitet, Premiere. Seither haben mehrere tausend Besucher die Shows gesehen. Zum ersten Mal war sie nun in Schweinfurt, bei der Premiere zwar mit deutlichen Lücken im Publikum, nichts desto trotz aber zu Recht mit stehend dargebrachten Ovationen gefeiert.

    Aus Gegensätzen etwas Neues machen

    Hagel und sein Team haben es wie immer bei Crossover-Produktionen mit dem gleichen Problem zu tun: Tiefgang in der Inszenierung gibt es erst, wenn die Gegensätze Klassik und Breakdance Verständnis füreinander entwickeln und dann vielleicht sogar symbiotisch etwas Neues entsteht. Man braucht ein wenig Zeit, um sich einzufinden in Hagels Beethoven, das scheint auch den Tänzerinnen und Tänzern so zu gehen, die zu Beginn, als die klassischen, von Hagel am Steinway live gespielten Beethoven-Partituren im Mittelpunkt stehen, mit ihrem Breakdance doch ein wenig verloren wirken. Beethoven und Breakdance, da muss man vielleicht beidseitig die Erwartungen herunterfahren und bereit sein, Neues zuzulassen. Dann aber bekommt man durchaus nachhaltig Interessantes geboten.

    Hagels Kniff ist immer gleich, er hat ja auch Erfahrung – Bach, Wagner, nun Beethoven, er hat sie alle mit dem Breakdance verbunden, weil er völlig unvoreingenommen und fast schon radikal die Jugendkultur in den Vordergrund stellt und eher die klassische Musik ihr Untertan werden lässt, als Breakdance und HipHop in ein klassisches Korsett zu stecken. Manchmal, gerade vor der Pause, ist es die eine oder andere Hebefigur zu viel, auch wenn es dem Publikum gefällt. Am Ende aber gibt es ein großes Ganzes, das dem Ziel, Beethovens Genie und Wahnsinn musikalisch und tänzerisch darzustellen, sehr nahe kommt.

    Das ist vor allem Khaled Chaabi zu verdanken, dem mit Abstand besten Tänzer der Gruppe, die in ihrer Gesamtheit gutes bis sehr gutes Handwerk und beeindruckende Moves zeigt, aber nicht das Niveau zum Beispiel der DDC hat. Der deutsch-syrische Choreograph verkörpert Beethoven und zeigt dessen Lebensweg vom Wunderkind zum ertaubten Genie, indem er HipHop, alle Formen des Breakdance, aber auch Jazzdance und klassischen Tanz vermischt. Musikalisch steht Ludwig van Beethovens „Für Elise“ und die „Appassionata“ im Mittelpunkt, vor allem nach der Pause auch in einem Mix mit Popsounds und Elektrobeats.

    Beeindruckende Momente

    Dabei gelingen durchaus anrührende Momente, wie die tänzerische Umsetzung der Ertaubung Beethovens, visuell auf der großen Leinwand beeindruckend untermalt. Auch Beethovens Sehnsüchte in Sachen Frauenwelt und seine zunehmende Vereinsamung finden bemerkenswerten tänzerischen Widerhall. Dass man die japanische Tänzerin Yui Kawaguchi mit dazu genommen hat, war ein kluger Schachzug. Sie bildet mit ihrem modernen Tanz einen bewussten Ruhepol zu Chaabis Breakdance-Welt, der der Produktion gut tut. Spektakulär dann das Finale, in dem sich musikalisch Techno- und Hip-Hop-Beats mit Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ vermischen und die Tänzerinnen und Tänzer die Kraft des Streetdance so richtig ausleben.

    Ob das Ganze nun tatsächlich Beethovens nächstes Level ist, würde das Musik-Genie im 21. Jahrhundert leben, sei mal dahin gestellt. Ein ansehnlicher Abend war es allemal.

    Weitere Auftritte in Schweinfurt: Donnerstag, 25. Oktober Freitag, 26. Oktober, jeweils 19.30 Uhr. Tickets unter www.theater-schweinfurt.de

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