• aktualisiert:

    Schweinfurt

    "Beitrag zur deutsch-polnischen Freundschaft"

    Gedenken an die 1945 ermordete polnische Zwangsarbeiterin Zofia Malczyk: Vorne (von links) der polnische Konsul Marcin Król, Adi Schön ("Initiative gegen das Vergessen"), die Bayernkolleg-Schüler Alena Nikolaus und Moaz Hammani. Foto: Anand Anders

    Die junge, schwangere Polin Zofia Malczyk wurde kurz vor Kriegsende von Polizisten auf offener Straße ermordet, angeblich wegen Plünderung. Als "willkürlich, hinterrücks und gnadenlos" wertet Adi Schön von der "Initiative gegen das Vergessen" diese Tat am Dienstagnachmittag vor dem Gedenkstein Zofia Malczyks an der Gustav-Adolf- Straße nahe dem Leopoldina-Krankenhaus. "Die Tat war das Ergebnis eines Menschen verachtenden Systems, das vor allem darauf setzte, dass es Menschen gibt, die aufgrund ihrer Abstammung, ihres Glaubens und ihrer Herkunft minderwertig waren", so Schön.

    Rassismus entschieden entgegentreten

    Hier die Minderwertigen, da die überlegene Herrenrasse - diese rassistische Aufteilung der Menschen habe es Rassisten leicht gemacht, stets "die anderen" als Sündenböcke für alle Probleme zu finden, etwa die Juden. Heute gebe es wieder Tendenzen, solches Gedankengut gesellschaftsfähig zu machen, so Schön weiter, "in manchen Bereichen leider nicht ohne Erfolg". Dem gelte es entschieden zu widersprechen und "für unsere Werte einzutreten", für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit. Malczyks Tod sei dann zwar "nach wie vor sinnlos, aber nicht umsonst" gewesen, so Adi Schön.

    "Ich bedanke mich, dass Sie an diesem Jahrestag Zofia Malczik jedes Jahr gedenken", sagte der polnische Konsul Marcin Król, der aus München zu der Feierstunde angereist war. Er erinnerte daran, dass die Mörder der jungen, schwangeren Zofia Malyzyk - wie auch viele andere Nazi-Verbrecher - nach dem Krieg nicht angemessen bestraft worden seien. An das Schicksal der jungen Polin jedes Jahr zu erinnern, sei "ein bedeutender Beitrag zur deutsch-polnischen Freundschaft", so Król. Er legte einen Kranz an Malczyks Gedenkstein nieder.

    Welche Gnade, in Frieden zu leben

    Das Bayernkolleg Schweinfurt hat seit 2007 die Patenschaft für den Erinnerungsort an Zofia Malczyk inne. Die Schülerin Alena Nikolaus zitierte Immanuel Kant, wonach Gedanken ohne Inhalt leer seien. Vor allem gelte es, "Vorurteile zur Seite zu legen und die Augen für Neues zu öffnen".

    "Millionen von Menschen sind in Kriegen zu Unrecht gestorben", sagte der aus Syrien stammende Bayernkolleg-Schüler Moas Hammani. Er komme aus einem Land, das von einem Diktator beherrscht werde. "Ich weiß, wie es ist, nicht auf die Straße zu gehen, damit man nicht erschossen wird." Er rief zu einem kurzen Innehalten und Schweigen auf für alle, die sinnlos getötet würden, und um sich klar zu machen, "welche Gnade es ist, in Frieden zu leben".

    Musikalisch begleiteten die Gedenkveranstaltung Katrin Mühlfeld (Klarinette) und Ellen Rutz (Gitarre).

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!