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    Bergrheinfeld

    Bercher Kerm: von der Saalkirchweih zum großen Festzelt

    Das Einholen der "Plüabama" durch die "Plüaburschen". Foto: Horst Fröhling

    Was in Sennfeld die "Planpaare"sind, das sind in Bergrheinfeld die "Plüapaare". Der Begriff "Plüa" bedeutet das Gleiche wie auf der Sennfelder Mainseite das Wort "Plan".

    Mit "ehrbar" ist "Plüa" am ehesten zu übersetzen. Dieser mundartliche Begriff ist von Bergrheinfeld bis in die Rhön hinauf gebräuchlich. "Plüapaare" dürften nur ehrsame, unbescholtene und ledige Burschen und Mädchen sein, erklärte Josef Eusemann, der die Paare über 25 Jahre betreute. Erstmals erwähnt wurden die Bergrheinfelder "Plüaburschen" im Jahr 1909 vom damaligen Hauptlehrer Adam Christian Schatzel.

    Doch die Spuren der Kirchweih reichen noch weiter zurück, bis ins Jahr 1693. Da wurde am 8. Juni am Fest des Heiligen Medardus die neue Kirche "Maria Schmerz" geweiht. Es hängt wohl mit diesem Weihetag zusammen, dass in einem Gemeindekataster auch die Bezeichnung "Sankt Medardus Kirche" zu lesen ist. Im Gedenken an diesen Weihetag wurde die Kirchweih zunächst im Juni gefeiert. Von 1726 an wurde das Kirchweihfest auf "Michaeli" am 29. September verlegt.

    In einem Bericht an den Verein für Volkskunst und Volkskunde in München berichtet Schatzel über den Ablauf der Kirchweih um die Wende zum 20. Jahrhundert. Kirchweih wurde nach Martini (11. November) mit Tanzmusik am Sonntag und Montag gefeiert. Am Vorabend kamen die Plüaburschen mit Waldbäumen an, die sie unter Jauchzen und Musik vor den Wirtshäusern aufstellten, in dem der Kirchweihtanz stattfand. Die Bäume blieben bis zum nächsten Kirchweihfest stehen.

    Nach vollbracher Arbeit wurde auf der Straße getanzt. Das Tanzbein geschwungen wurde ebenfalls vor dem Haus eines jeden Mädchens, das von den "Plüaburschen" zum Festzug abgeholt wurde. Der Vater des Mädchens schenkte dabei zur Stärkung Apfelmost aus.

    "Plüaburschen" und "Plüamädchen" zusammen mit dem Kirchweihreiter. Foto: Horst Fröhling

    Nach dem Nachmittagsgottesdienst am Sonntag begann der Tanz. Am Montag zogen mittags die Burschen mit weißen Schürzen und gefüllten Krügen in Begleitung der Musikkapelle durch das Dorf. Sogar am Kirchweihdienstag wurde noch gefeiert, die Arbeit im Ort ruhte. Für die Kirchweih wurde eine Unmenge an Kuchen gebacken, und in jedem Bauernhaus wurde geschlachtet. Bis in die 1960er Jahre war die "Bercher Kerm" eine Saalkirchweih, die an Martini in den Gasthäusern "Weißes Ross" und "Goldenes Lamm" gefeiert wurde.      

    Beim Festzug und beim Aufstellen der Kirchweihbäume wurde der immer stärker werdende Verkehr auf der Ortsdurchfahrt behindert. Dadurch schliefen diese Kirchweihbräuche ein.

    Vom Ende der 1950er Jahre an feierte man die Kirchweih am Festplatz "Wad" als Sommerfest. Mit der Fertigstellung der Erholungsanlage und des Festplatzes an der "Holderhecke" im Jahr 1981 wurde auf Initiative von Altbürgermeister Wendelin Fenn der alte Kirchweihbrauch nach über 20 Jahren Pause zu neuem Leben erweckt.

    Die "Bercher Kerm" findet jetzt am letzten Wochenende im August (Sankt Bartholomäus am 24. August) im großen Festzelt am Festplatz Holderhecke statt. Veranstalter sind die örtlichen Vereine. Vor acht Jahren wurde das Stadtfest Schweinfurt am selben Wochenende ins Leben gerufen. Deshalb legten die Kirchweihveranstalter den Termin der Bercher Kerm eine Woche vor.

    Mit der Zeit blieben mit dem TSV Bergrheinfeld und den kirchlichen Vereinen nur noch zwei Kirchweihveranstalter übrig. Durch die Gründung einer Festgemeinschaft wurde aber das Ziel erreicht, die Ausrichtung der Kirchweih langfristig zu sichern. Jetzt haben sich mit dem Skiclub, dem Gesangverein und den katholischen Verbänden drei Interessenten gefunden, die den "Verein für Brauchtumspflege und Kirchweihtradition" gegründet haben. Dieser richtet abwechselnd mit dem TSV Bergrheinfeld die Kirchweih aus. Die Gründungsversammlung war am 8. August 2019.

    Das Aufstellen der Kirchweihbäume vor den Gasthäusern "Weißes Ross" und "Goldenes Lamm" in der Hauptstraße. Foto: Horst Fröhling

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