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    Schweinfurt

    Bereitschaftspraxis: Warum Bayreuth sie seit 2018 steuert

    Die Bereitschaftspraxis im St. Josef Krankenhaus, anfangs wurde sie von einem Trägerverein geführt. Dann kam es zum Bruch mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Seit 2018 organisiert eine Tochtergesellschaft der KVB die Praxis in Schweinfurt. Foto: Waltraud Fuchs-Mauder

    Eine Vertragskündigung und eine Vereinsauflösung kann Gutes bewirken. Der Beweis: Hausärzte aus dem Vorstand des aufgelösten Vereins "Bereitschaftspraxis Schweinfurt e.V." übergaben die stattliche Summe von fast 50.000 Euro aus dem Vereinsvermögen an den Förderverein der Palliativstation am Krankenhaus St. Josef.

    Seit Anfang des Jahres ist nämlich der eigens gegründete Verein nicht mehr für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstundenzeiten zuständig. Es hatte 2017 zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) und dem Trägerverein aus niedergelassenen Ärzten derart Streit über die Erweiterung von Öffnungszeiten gegeben, dass die KVB den Vertrag mit dem Bereitschaftspraxis-Verein kündigte.

    Zum Hintergrund: Infolge des Hausärztemangels waren 2013 neun kleine Bereitschaftsdienstgebiete in Stadt und Landkreis Schweinfurt zu einem großen zusammengelegt worden. Zum 1. April 2013 nahm der dafür gegründete Verein der Ärzte "Bereitschaftspraxis Schweinfurt e.V." den Wochenend- und Feiertagsdienst in angemieteten Räumen im Schweinfurter Josefskrankenhaus auf. Diese liegen direkt neben der Notaufnahme und erleichtern damit im Notfall eine Weiterleitung der Patienten.

    Im April 2016 wurde das Gebiet des Bereitschaftsdienstes um den Landkreis Haßberge erweitert, allerdings mit eigenem Sitzdienst im Haßfurter Krankenhaus, jedoch mit einem gemeinsamen Fahrdienst. Dieser wird in der Region vom Roten Kreuz übernommen. Damit gab es hier eine der ersten Pilotregionen der KVB für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, wie er mittlerweile in ganz Bayern funktioniert.

    "Das flache Land braucht andere Strukturen als das dicht besiedelte München"
    Dr. Klaus-Peter Müller

    Zum Streit des Trägervereins mit der KVB kam es durch die KVB-Forderung, der Verein solle die Bereitschaftspraxis nicht nur Samstag, Sonntag, Feiertag, Mittwoch- und Freitagnachmittag besetzen. Auch Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 bis 21 Uhr sollten die niedergelassenen Ärzte übernehmen, was bis dato vom Krankenhaus abgedeckt wurde.

    Der Trägerverein lehnte das für Schweinfurt mit dem Hinweis ab, in diesen drei Stunden kämen maximal drei Patienten, weshalb sich ein eigener Dienst nicht lohne. Stattdessen müsse der diensthabende Arzt auch noch seine eigene Praxis um 17 Uhr schließen und die Patienten heimschicken, wie es Vereinsvorsitzender Dr. Martin Lenhardt formulierte.

    Er wandte sich gegen eine "komplette Gleichschaltung aller Bereitschaftspraxen", wie es die KVB wolle. Stattdessen müssten lokale Gegebenheiten berücksichtigt werden. "Das flache Land braucht andere Strukturen als das dicht besiedelte München", ergänzte Vereinskassier Dr. Klaus-Peter Müller.

    Heute wird die Bereitschaftspraxis von Bayreuth aus organisiert

    Daraufhin kündigte die KVB Mitte 2017 zum Jahresende den Kooperationsvertrag mit dem Trägerverein der Hausärzte. Seit Beginn 2018 hat nun die KVB-Tochter Gedikom mit Sitz in Bayreuth die Organisation der Bereitschaftspraxis übernommen. Die niedergelassenen Ärzte sind dort zum Dienst verpflichtet.

    Laut KVB-Angaben sank ihre Dienstbelastung von ursprünglich durchschnittlich knapp 180 Stunden auf rund 60 Stunden jährlich. Zusätzlich entlasten mittlerweile sogenannte Poolärzte - Ärzte im Ruhestand, Krankenhausärzte oder Nachwuchsmediziner - die 194 Haus- und Fachärzte der Region und übernehmen frei werdende Dienste. Die Öffnungszeiten der Schweinfurter Bereitschaftspraxis wurden auf Montag, Dienstag und Donnerstag Abend ausgedehnt.

    Der aufgelöste Trägerverein "Bereitschaftspraxis Schweinfurt e.V." spendete sein Vereinsvermögen von genau 47.158 Euro an den Förderverein Palliativstation am Krankenhaus St. Josef. Bei der Spendenübergabe dabei waren (von links): Zweiter Fördervereinsvorsitzender Marcus Reuter, Vorsitzende Ursula Pöpperl, Trägervereinskassier Dr. Klaus-Peter Müller, Chefärztin der Palliativstation Dr. Susanne Röder und Trägervereinsvorsitzender Dr. Martin Lenhardt. Foto: Silvia Eidel

    Ende 2017 kam es zur Auflösungsversammlung des ehemaligen Trägervereins. Zu Liquidatoren wurden Vorsitzender Dr. Lenhardt und Kassier Dr. Müller bestellt. Nach der vorgeschriebenen Jahresfrist wurde nun das Vermögen gemäß Vereinssatzung an den Förderverein der Palliativstation St. Josef gespendet.

    Die bisher größte Einzelspende

    "Wir hatten einiges angespart", sagte Kassier Dr. Müller zur Spendensumme von genau 47.158,13 Euro, zumal die Ärzte eigentlich die EDV aufrüsten sowie ein EKG- und Ultraschallgerät für die Bereitschaftspraxis anschaffen wollten. Das Vermögen des Trägervereins resultiert aus Pauschalen für den Sitzdienst sowie einem Kostenanteil pro behandeltem Fall.

    Die Höhe der Summe bedeute nicht nur die größte Einzelspende per symbolischer Scheckübergabe an den Förderverein überhaupt, freute sich dessen Vorsitzende Ursula Pöpperl. Sie betrage auch ein Drittel des benötigten Jahresetats für 2019. Verwendet werden soll das Geld für die Finanzierung verschiedener Therapien für die Patienten, wie Kunst-, Musik-, Atem- oder Physiotherapie, aber auch für die Psychoonkologie und die Brückenpflege.

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