• aktualisiert:

    SCHWEINFURT

    Bernstein muss sein

    Ei, wo bleibt denn der Bus?
    Nun sind ja diese Woche die ersten Bewohner des „Anker“-Zentrums vom bisherigen Standort Ledward-Kaserne Schweinfurt in den neuen, die Conn-Kaserne, umgezogen. Das ist nicht viel mehr als zwei Kilometer weiter auf der Niederwerrner Straße, Richtung Geldersheim. Man sollte meinen, das wird zeitlich eine recht kompakte Angelegenheit, nachdem Fahrtstrecke und -zeit kaum der Rede wert sein dürften. Diese Rechnung setzt nicht viel mehr als eine gewisse Pünktlichkeit voraus, die in einem Land wie diesem, das eben dafür berühmt ist, kein Problem darstellen sollte. Zumal die Planung in der Händen einer echten Regierung lag, nämlich der von Unterfranken. * Während also die Umziehenden pünktlich um 9 Uhr mit ihrem Hab und Gut vor der Unterkunft stehen, tut sich da eine Weile gar nichts. Jeder Schulbus ist pünktlich, aber diesen Umzugsbus mit Anhänger muss der Busbeauftragte der Regierung auf 10 Uhr bestellt haben. Das ist jetzt blöd, könnte man sagen, aber naja, in den afrikanischen Herkunftsländern der Geflüchteten sei der öffentliche Personennahverkehr auch nicht auf die Minute pünktlich. Um 10 Uhr ist der Bus aber immer noch nicht da. Es wird 11 Uhr, bis die Fahrgäste zusteigen können, um wenig später auf der Geldersheimer Anhöhe wieder auszusteigen. Zwei Stunden Verspätung für eine Fahrtstrecke von zwei Kilometern! Auch das will gewiss sehr sorgfältig geplant sein. * Die gute Nachricht der Woche könnte sein, dass Stadt und Stadtrat pollermäßig wohl die Kurve gekratzt haben. Tatsächlich wurde 2017 ein Planungsauftrag vergeben, den Stadtkern mit ausfahr- und versenkbaren Pollern vor unerlaubten Einfahrten sowie größere Veranstaltungen vor terroristischen Lkw-Angriffen zu schützen. Nun hat schon das Planungsergebnis gereicht, um die Auftraggeber zu erschrecken: 77 Poller bräuchte man, um Marktplatz, Brücken-, Spital- und Rückertstraße zu schützen. Kosten: zwei Millionen und obendrauf 30 000 Euro jährlich für den Unterhalt. Es könnte darauf hinauslaufen Weihnachts- und Fischmarkt weiterhin mit den bewährten Betonklötzen zu sichern. Die Poller-Euphorie hält sich jedenfalls in Grenzen. * Er hat doch gar nichts Schlimmes machen wollen. Er wollte nur spielen, der Schweinfurter Böller-Bastler von der Bellevue. Dabei hat er dieses und jenes Mittelchen zusammengetan, ein paar ordentliche Kracher gebaut und an zwei städtischen Abfallkörben getestet und einen Sprengstoff gemixt, vor dem selbst Experten Respekt haben. Glücklicherweise ist das Zeug vor einem Jahr gefunden worden, bevor es unbeabsichtigt in die Luft gehen konnte. Und der Böller-Bastler muss zwei Jahre in den Knast, was er möglicherweise als gemein empfindet. Er wollte doch nur spielen. * Und die muntere Truppe in den gelben Westen, die am Freitag im Samba-Rhythmus durch die City gezogen ist, was wollte die eigentlich? Nur ein bisschen streiken – gegen miese Bezahlung im Handel, gegen Altersarmut und so. Also sprach dann auch der Herr Betriebsseelsorger Hartlaub zu den Streikenden: „An welcher Belegschaft wollen die Arbeitgeber denn noch sparen?“ Sie hätten da doch schon fast alles abgebaut. Wenn er in einem Laden stehe, komme er sich immer öfters ziemlich alleine vor. Foto: Thomas End) aussehen werden, sollte die Baumschutzverordnung tatsächlich abgeschafft werden.

    Die erste Pflicht der Musensöhne / ist, dass man sich ans Bier gewöhne. (Wilhelm Busch, 1782). Was uns der große deutsche Dichter vor 237 Jahren so schön wie knapp ins Stammbuch geschrieben hat, wird heute, wenn wir dem Schweinfurter Ordnungs- und Festzelt-Referenten glauben wollen, zumindest hier in der Region nicht (mehr?) ausreichend beherzigt. Der Herr von Lackum hat auf unsere Anfrage gesagt, – das ist jetzt keine Fake-News – dass „die Ausschankzahl“ im Festzelt beim Schweinfurter Volksfest „deutlich, deutlich unterdurchschnittlich“ sei. Das ist natürlich außerordentlich bedauerlich und könnte – wir wissen das natürlich nicht genau – mit ein Grund dafür sein, dass die ehrenwerte, sehr qualifizierte Schweinfurter Brauerei Roth im Volksfest-Festzelt ihre Kosten nicht hereinholt und als Bierlieferant das Handtuch geworfen hat.

    *

    Was ist die sehr bedauernswerte Folge? Erstmals gibt es heuer im 111. Jahr nach der ersten Ausrichtung des Volksfestes kein Schweinfurter Bier mehr im großen Festzelt. Eine Kulmbacher (!) Brauerei versucht nun ihr Glück. Ob sich ausreichend biergewöhnte Musensöhne (und -töchter oder sonstige Geschlechter, muss man heute hinzufügen), bereit finden, nun oberfränkisches Bier in einer für den Hersteller wirtschaftlich interessanten Hektolitergröße zu sich zu nehmen, wird sich weisen müssen. Gewöhnt ist man hier jedenfalls, das sollten die Kulmbacher wissen, an über 13 Prozent Stammwürze und mindestens 5,5 Prozent Alkohol.

    *

    Zu beachten ist ferner, dass das Festbier vor dem Anstich einer traditionellen Kostprobe durch die Spitzen der Stadtverwaltung und des hohen Rates zu unterwerfen ist, wobei der Qualitätstest von einer zünftigen Brotzeit unterfüttert sein muss – jeweils auf Kosten der teilnehmenden Brauereien. Das Festbier muss selbstredend auch ein besonderes sein, nicht das übliche, wie es jahrein jahraus im Getränkehandel herumsteht. Letztes Jahr, nur so als Beispiel, hat der Roth-Braumeister zu hellen, dunklen und Spezialmalzen für die Sude gegriffen, aber auch zu einem passenden Hopfen, der nicht weiter verraten wurde.

    *

    Ganz wichtig ist die Farbe, und beim Festbier ist hier nur eine zugelassen: Bernstein. Bernsteinfarbig muss der Gerstensaft aussehen, im Kruge gekrönt von „samtigem, weichem Schaum, lang anhaltend“. Geruchlich darf es aus dem Maß- oder Seidleskrug nach roten Beeren duften, Sherry-Aromen und Zitrusnoten sollen den Nasen der Musensöhne und -töchter schmeicheln, bevor das Bernsteinfestbier durch die Gurgeln rinnt. Dann wartet auf dieses seine größte Aufgabe: „Der Geschmack massiert den Gaumen, damit man besser trinken kann.“ So jedenfalls hat es vor andächtig lauschendem Volk Roth-Bier-Braumeister Harald Alban letztes Jahr im Schrotturmkeller verfügt.

    *

    Ob sich daran die Oberfranken halten, ist freilich fraglich. Aber an zwei Volksfest-Imbissen ist das zitrusfruchtige bernsteinfarbige Roth-Bier weiter zu haben. Und: Die Wernecker Brauerei ist ja auch noch vor Ort und verfolgt – wenn sie wie letztes Jahr einbraut – eine ganz ähnliche Farb- und Geschmacksstrategie: „Bernstein, ins Herbstlaub gehend“, so Christine Lang, plus „die Süße von Malz und leichte Hopfenherbe“. Dann sagte sie noch, alles im Leben sei vergänglich, „nur der Durst bleibt lebenslänglich“.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!