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    SCHWEINFURT

    Bernstein muss sein

    Zeug gibt's
    _ Foto: Thomas End) aussehen werden, sollte die Baumschutzverordnung tatsächlich abgeschafft werden.

    Die erste Pflicht der Musensöhne / ist, dass man sich ans Bier gewöhne. (Wilhelm Busch, 1782). Was uns der große deutsche Dichter vor 237 Jahren so schön wie knapp ins Stammbuch geschrieben hat, wird heute, wenn wir dem Schweinfurter Ordnungs- und Festzelt-Referenten glauben wollen, zumindest hier in der Region nicht (mehr?) ausreichend beherzigt. Der Herr von Lackum hat auf unsere Anfrage gesagt, – das ist jetzt keine Fake-News – dass „die Ausschankzahl“ im Festzelt beim Schweinfurter Volksfest „deutlich, deutlich unterdurchschnittlich“ sei. Das ist natürlich außerordentlich bedauerlich und könnte – wir wissen das natürlich nicht genau – mit ein Grund dafür sein, dass die ehrenwerte, sehr qualifizierte Schweinfurter Brauerei Roth im Volksfest-Festzelt ihre Kosten nicht hereinholt und als Bierlieferant das Handtuch geworfen hat.

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    Was ist die sehr bedauernswerte Folge? Erstmals gibt es heuer im 111. Jahr nach der ersten Ausrichtung des Volksfestes kein Schweinfurter Bier mehr im großen Festzelt. Eine Kulmbacher (!) Brauerei versucht nun ihr Glück. Ob sich ausreichend biergewöhnte Musensöhne (und -töchter oder sonstige Geschlechter, muss man heute hinzufügen), bereit finden, nun oberfränkisches Bier in einer für den Hersteller wirtschaftlich interessanten Hektolitergröße zu sich zu nehmen, wird sich weisen müssen. Gewöhnt ist man hier jedenfalls, das sollten die Kulmbacher wissen, an über 13 Prozent Stammwürze und mindestens 5,5 Prozent Alkohol.

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    Zu beachten ist ferner, dass das Festbier vor dem Anstich einer traditionellen Kostprobe durch die Spitzen der Stadtverwaltung und des hohen Rates zu unterwerfen ist, wobei der Qualitätstest von einer zünftigen Brotzeit unterfüttert sein muss – jeweils auf Kosten der teilnehmenden Brauereien. Das Festbier muss selbstredend auch ein besonderes sein, nicht das übliche, wie es jahrein jahraus im Getränkehandel herumsteht. Letztes Jahr, nur so als Beispiel, hat der Roth-Braumeister zu hellen, dunklen und Spezialmalzen für die Sude gegriffen, aber auch zu einem passenden Hopfen, der nicht weiter verraten wurde.

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    Ganz wichtig ist die Farbe, und beim Festbier ist hier nur eine zugelassen: Bernstein. Bernsteinfarbig muss der Gerstensaft aussehen, im Kruge gekrönt von „samtigem, weichem Schaum, lang anhaltend“. Geruchlich darf es aus dem Maß- oder Seidleskrug nach roten Beeren duften, Sherry-Aromen und Zitrusnoten sollen den Nasen der Musensöhne und -töchter schmeicheln, bevor das Bernsteinfestbier durch die Gurgeln rinnt. Dann wartet auf dieses seine größte Aufgabe: „Der Geschmack massiert den Gaumen, damit man besser trinken kann.“ So jedenfalls hat es vor andächtig lauschendem Volk Roth-Bier-Braumeister Harald Alban letztes Jahr im Schrotturmkeller verfügt.

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    Ob sich daran die Oberfranken halten, ist freilich fraglich. Aber an zwei Volksfest-Imbissen ist das zitrusfruchtige bernsteinfarbige Roth-Bier weiter zu haben. Und: Die Wernecker Brauerei ist ja auch noch vor Ort und verfolgt – wenn sie wie letztes Jahr einbraut – eine ganz ähnliche Farb- und Geschmacksstrategie: „Bernstein, ins Herbstlaub gehend“, so Christine Lang, plus „die Süße von Malz und leichte Hopfenherbe“. Dann sagte sie noch, alles im Leben sei vergänglich, „nur der Durst bleibt lebenslänglich“.

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