• aktualisiert:

    Stadtlauringen

    Besucheransturm beim Stadtlauringer Dreschfest

    Balancieren mit Bulldog: Bei der Traktoren-Wippe war eine ruhige Hand gefragt. Foto: Uwe Eichler

    "Fünf Pfund Eisen, drei Pfund Lack – fertig ist der Hanomag": Auch in der Welt der Trecker, Bulldogs und Schlepper herrschte nicht immer Harmonie. Der  Spruch eines Besuchers, neben einem Ausstellungsstück, war natürlich nur ein Zitat. Beim großen Oldtimertreffen zum Dreschfest 2019 reihten sich die Traktoren einträchtig nebeneinander.

    Überzeugte Lanz-Lenker sollen früher gerne mal über das Konkurrenzprodukt aus Hannover gelästert haben. Wer die Produkte der "Hannoverschen Maschinenbau AG" über den Acker steuerte, hatte ebenfalls ein klares Weltbild: "Behüte mich vor Eis und Wind, und Schleppern, die von Mannheim sind." Auch andere Traktoristenprüche beweisen Markenbewusstsein: "Das Licht geht aus, das Lenkrad zittert, der John Deere hat den Fendt gewittert."

    Zwei Tage lang war die Marktgemeinde wieder Mekka für historische Landmaschinen, dank Dreschgemeinschaft. Die sonntäglichen Schauvorführungen boten eine Art ratternde Zeitreise, zurück in die "gute alte Zeit", als die Erntezeit zwar eine üble Plackerei für die Dorfgemeinschaft brachte, aber dafür Stress und Hektik noch unbekannt waren. Jahrhunderte lang wurde im Schlagtakt der Dreschflegel das Korn vom Halm getrennt. In der Neuzeit kamen langsam mechanische Erntehelfer auf, wie der amerikanische Getreidebinder McCormick.

    Hingucker war auch ein mobiles Sägewerk aus Wettringen. Foto: Uwe Eichler

    Vorgeerntet standen 350 Garben auf dem Feld am Festgelände bereit, um automatisch "verpackt" zu werden, mit Strick.  An der Festhalle rumpelte die wuchtige Dreschmaschine "Badenia" aus dem Jahr 1933, die dank 1430 Umdrehungen in der Minute schon mehr Schwung hatte, trotz Holzlokomotiven-Look. Ein alter roter Mähdrescher zeigte, wie seit den 1970ern geerntet wurde.  

    Alle zwei Jahre zur Erntezeit

    "Es war ein Riesenandrang", freute sich Georg Bauer als Chef der Dreschgemeinschaft, die bereits zum elften Mal eingeladen hatte, wie alle zwei Jahre zur Erntezeit. Tausende Besucher drängten sich am Reitplatz, allein 237 Traktoren-Oldies waren angemeldet: "Es waren aber mehr, mindestens 250". Los ging es am Samstag mit dem traditionellen Vorglüh-Abend, was nicht etwa ausgiebiges Schöppeln meinte. Jedenfalls nicht nur: Das Vorwärmen des Glühkopfs, um Lanz-Motoren zu starten, ist ein festes Ritual. Der Urvater aller Bulldogs musste in den 1920er-Jahren noch per flammender Lötlampe auf Touren gebracht werden.

    Balancieren mit Bulldog: Bei der Traktoren-Wippe war eine ruhige Hand gefragt. Foto: Uwe Eichler

    Auch die Gaudi kam nicht zu kurz: "Ran an die Mutter(n)" nannte sich ein Spaßwettbewerb, bei dem eine Schraube aufs Gewinde gedreht werden musste, gegen die Uhr. Klassisch ist die Disziplin "Schlepper ziehen", wo Teams wie die "Traktor-Freaks" aus der Vorrhön, die "Holzis" oder die "Gochsheimer Buam" gegeneinander antraten. Sieger in der Reithalle waren die "Farmer City-Boys". Bei der sonntäglichen Schlepperparade durchs Dorf zeigten sich die Zugmaschinen dann in ihrer ganzen Pracht. Nicht fehlen durfte die Traktoren-Wippe, das Geschicklichkeitsbalancieren auf der Rampe, mit Bulldog.  

    Landeanflug auf das Festgelände: Die Helikopterrundflüge waren auch 2019 wieder ein Besuchermagnet Foto: Uwe Eichler

    Da für den Nachmittag Regen angemeldet war, wurden die "Erntearbeiten" vorverlegt. Nach dem kühlen Guss übernahm der Wettringer Marco Wenzel das Vorführprogramm, mit seinem mobilen Sägewerk, und schnitt fürs Publikum Holzstämme zu Brettern. Bürgermeister Friedel Heckenlauer schaute ebenfalls vorbei. Es sei nicht nur Interesse an der Landtechnik, das für soviel Besucherenthusiasmus sorgte, vermutete ein ehemaliger Gemeinderat. Viele Menschen fühlten sich durch das Fest mit Stadtlauringen verbunden. So wie Norbert Krug aus Bad Neustadt, der Sohn Sebastian (7) zu einem Rundflug über seine alte Heimat einlud.

    Der "Heli" der hessischen Firma Ziegler war wieder am Start und hatte einiges zu tun. Chef Udo Ziegler saß persönlich am Steuerknüppel des "Robinson R 44" und lenkte den Hubschrauber über die Stadtlauringer Dörfer, die Schlösser bei Wetzhausen oder den Ellertshäuser See: Hoch über den Feldern, Straßen und Wäldern herrschte, bis auf den Bordfunk, plötzlich wieder Ruhe und Stille, wie in der guten alten Zeit.  

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!