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    Schweinfurt

    Betrüger droht Richterin sie zu erwürgen

    Ein 41-Jähriger soll sich wiederholt luxuriöse Leistungen in Krankenhäusern erschlichen haben. Als er in Untersuchungshaft soll, droht er der Richterin, und zwar schriftlich.
    Foto: Patty Varasano

    Wegen Betrugs und Morddrohungen gegen eine Richterin muss sich ein 41-Jähriger aktuell vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Als vermeintlicher Privatpatient soll er sich mehrfach in der Luxus-Suite von Krankenhäusern einquartiert und vom Chefarzt behandelt haben lassen. Der entstandene Schaden wird auf über 30 000 Euro beziffert. Der Richterin, die seine Unterbringung in Untersuchungshaft angeordnet hatte, drohte er schriftlich, sie zu erwürgen.

    Der Angeklagte wirkt nervös. "Ich bin ein bisschen aufgeregt jetzt", wendet er sich hilfesuchend an seine Verteidigerin. Die legt beruhigend ihre Hand auf seinen Arm. Beruhigung wird der ungelernte Münchner am heutigen Tage mehrfach brauchen. Er muss sich für Taten verantworten, die er aus Hilflosigkeit und Überforderung begangen haben will. Was war passiert?

    An Suizid gedacht

    Vorgeworfen wird dem Angeklagten, sich in 13 Fällen in Krankenhäuser einquartiert und durch falsche Angaben luxuriöse Leistungen bezogen zu haben.  Als angeblicher Notfall soll er entweder mit dem Notarzt oder alleine in die Kliniken gekommen sein. Seine Masche sei dabei laut Anklage stets ähnlich gewesen: Als vermeintlicher Privatpatient einer Schweizer Krankenkasse buchte er unter falschem Namen diverse kostenpflichtige Zusatzleistungen, wie etwa eine Behandlung durch den Chefarzt und die Unterbringung in der Krankenhaus-Suite. Um einer Enttarnung zu entgehen, verließ er die Kliniken stets nach wenigen Tagen.

    "Ich kam draußen einfach überhaupt nicht mehr klar", erklärte der Angeschuldigte, der schon früher im Gefängnis gesessen hatte. Ohne Vorbereitung sei er Anfang 2018 aus einer bisherigen Haft entlassen worden. Er habe sich in der Welt nicht mehr zurecht gefunden, habe keinen festen Wohnsitz gehabt. "Ich habe mehrmals an Suizid gedacht." Zwar habe er Hilfe bei kirchlichen Einrichtungen gesucht. Die hätten ihm aber immer nur kurzzeitig helfen können.  Die Betrugsfälle hätten dann spontan begonnen und ihn im Laufe des Jahres quer durch Deutschland geführt.

    Morddrohung an Richterin

    Erwischt wurde er schließlich in der Herz- und Gefäß-Klinik in Bad Neustadt an der Saale. Hier hatte er es mit seinen Geschichten zu bunt getrieben, hatte sich als schwer reicher Ururenkel der Habsburger ausgegeben. Wegen der abstrusen Geschichte und weil er zusätzlich sehr unfreundlich gewesen sein soll, schaute die leitende Krankenschwester genauer hin. Sie fand heraus, dass er nicht, wie behauptet, privat versichert war und rief die Polizei, die ihn in Gewahrsam nahm.

    Morddrohung: "Für mich ist das das einzig richtige!"
    Rechtfertigung des Angeklagten

    Der damals zuständigen Richterin berichtete er von Angstzuständen, die er habe. Als Kind sei er häufig von seinem Stiefvater über Nacht in ein enges Zimmer eingesperrt und vergewaltigt worden sein. Seitdem könne er es nicht ertragen, in engen Räumen gefangen zu sein. Weil die Richterin trotzdem Untersuchungshaft für ihn anordnete, formulierte er schriftliche eine Morddrohung, die er einem psychologischen Gutachter gab. Erwürgen wolle er die Richterin, sobald er aus der Haft entlassen würde. "Für mich ist das das einzig richtige", betonte er bei Prozessbeginn.

    Für die weitere Verhandlung sind mehrere Gerichtstermine festgelegt. Dort wird geprüft werden, inwiefern der Angeklagte schuldfähig ist.

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