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    Schweinfurt

    Betrug mit fehlerhaftem Wechsel?

    Betrug mit einem Wechsel ohne Unterschrift? Schwierige Beweislage. Der Geschädigte erscheint erst gar nicht vor Gericht, das Verfahren wird gegen Geldauflage eingestellt. Foto: Patty Varasano

    Es ist ein merkwürdiges Verfahren, das die Schweinfurter Amtsrichterin jetzt in den Pfingstferien zu verhandeln hat: Ein 48-Jähriger hat von einem Mann, der sich im Februar 2017  an seinem Ebay-Shop beteiligt hat, dafür 7500 Euro kassiert. Ohne weitere Bedingungen sollte der neue "Partner" forthin monatlich 350 Euro bekommen, was aber nur ein Mal der Fall gewesen sei.

    "Unter Druck unterschrieben"

    Als sich die Zusammenarbeit als wenig fruchtbar und konfliktbeladen erweist, unterschreibt der Shop-Betreiber acht Monate später einen Wechsel über 9000 Euro, der Mitte Januar 2018 eingelöst werden soll. Diesen Betrag zahlt er nicht fristgerecht zurück, weshalb er jetzt auf der Anklagebank sitzt, wegen Betruges. Vor Gericht sagt der Angeklagte nun, er habe dieses Papier, das ihm der Ex-Partner vorlegte, in aufgeheizter Atmosphäre und unter Druck unterschrieben und weil er meinte, dass es so bei der Bank gar nicht durchgehen würde. 

    Der Betrogene ist gar nicht da beim Amtsgerichtsprozess. Er glänzt durch Anwesenheit, wie schon bei jedem Versuch der ermittelnden Polizeibeamtin, ihn persönlich zu der Sache zu befragen. Sie habe immer nur über seine Rechtsanwältin mit dem Mann kommuniziert, sagt die Polizistin als Zeugin. Und: Gegen das "Betrugsopfer" sei sogar selbst ermittelt worden wegen Urkundenfälschung. Auf dem Wechsel habe laut der zuständigen Bank das Ausstellungsdatum und eine Unterschrift gefehlt. Die Ermittlungen seien aber eingestellt worden.     

    Shop wegen Chaos geschlossen

    Laut dem Angeklagten soll der Partner Chaos verursacht, viel Ware eingelagert, aber Aufträge nicht ausgeführt haben, so dass Ebay die Plattform geschlossen habe. "Da war klar, die Zusammenarbeit klappt nicht, wir haben uns getrennt", so der 48-Jährige, der auch heute noch Inhaber und Geschäftsführer eines Kleinbetriebes sei, aus dem er sich ein Gehalt von 550 Euro im Monat auszahle.

    So steht die Aussage des Angeklagten für sich alleine, auf eine Stellungnahme des "Geschädigten" muss die Wahrheitsfindung verzichten, er ist ja nicht da. "Der ist noch nie irgendwo erschienen", bemerkt der Verteidiger. "Mein letzer Stand ist, er hat keinen festen Wohnsitz", sagt die Amtsrichterin. Unbestritten ist aber dessen Einlage von 7500 Euro in die einstige Geschäftspartnerschaft, die zurückzuzahlen sind. Davon hat der Angeklagte bisher 1800 Euro in Raten auf ein entsprechendes Konto eingezahlt.        

    Eingestellt gegen Geldauflage

    Die Richterin schlägt vor, das Betrugsverfahren gegen eine Geldauflage einzustellen – die Staatsanwältin macht mit. Wenn der Angeklagte 550 Euro in fünf Monatsraten an die Lebenshilfe Schweinfurt bezahlt, ist die Sache endgültig vom Tisch. Der Angeklagte ist einverstanden. 

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