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    Schweinfurt

    Bewährungsstrafe für Bluttat im Vollrausch

    Erst floss viel Alkohol, dann viel Blut. Ein 59-Jähriger verletzte einen Nachbarn, der sich bei ihm einquartieren wollte, mit einem Eisenrohr schwer. Wie kam es dazu?
    Eine Provokation und die eigene Alkoholisierung ließen einen 59-Jährigen ausrasten. Er schlug den in seinem Bett schlafenden, ebenfalls betrunkenen Nachbarn mehrfach mit einer Eisenstange auf den Kopf. Nun wurde er verurteilt: schuldig des vorsätzlichen Vollrausches.
    Eine Provokation und die eigene Alkoholisierung ließen einen 59-Jährigen ausrasten. Er schlug den in seinem Bett schlafenden, ebenfalls betrunkenen Nachbarn mehrfach mit einer Eisenstange auf den Kopf. Nun wurde er verurteilt: schuldig des vorsätzlichen Vollrausches. Foto: Franziska Gabbert/dpa

    Der jüngere Nachbar ist dem 59-Jährigen offenbar gehörig auf die Nerven gegangen. Das gemeinsame Wodkatrinken am Vormittag des 1. April letzten Jahres war noch einvernehmlich. Doch auch nachmittags kam der Nachbar immer wieder zurück, obwohl ihn der Wohungsinhaber nicht hier haben wollte. Dem aufdringlichen jüngeren Mann – wie der 59-Jährige sehr dem Alkohol zugetan, aber auch Drogen – war das aber völlig egal. Mit Worten, Verweisen und Schubsen war er jedenfalls nicht nach draußen zu bewegen. Er wohne jetzt hier bei ihm, soll die Nervensäge gesagt haben. Dann habe er sich provokativ bei dem 59-Jährigen auf die Couch und schließlich in dessen Bett gelegt.

    Schläge mit der Eisenstange

    Das machte den 59-Jährigen richtig wütend. Nachdem der ungebetene Gast eingeschlafen war, schlug er mit einem 56 Zentimeter langen Eisenrohr auf diesen ein, mindestens acht Mal auf den Kopf und zweimal auf den Rücken. Die Folge waren lebensgefährliche Verletzungen am Kopf, unter anderem ein Schädelbasisbruch. Dann verließ der 59-Jährige seine Wohnung und ging spazieren. Einer Bekannten, die er traf, sagte er, ein Mann liege blutend in seiner Wohnung. Er wisse nicht, wie der dahin kam.

    Nun, ein knappes Jahr später, wurde die Gewalttat vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt verhandelt. Der 59-Jährige hat alkoholbedingt wohl große Gedächtnislücken und kann sich nur in Umrissen an die Tat erinnern. Seinem schwer verletzten Opfer konnten die Ärzte das Leben retten. Der Mann ist zwischenzeitlich aber an den Folgen seines Drogenkonsums gestorben. Auch deshalb bleibt der genaue Tathergang ziemlich im Dunkeln. Dass nur der Angeklagte dem Mann, der blutüberströmt in seinem Bett lag, diese Verletzungen beigebracht haben kann, davon ist das Gericht aber überzeugt. Er hat auch gestanden, diesen "mit irgendetwas" geschlagen zu haben. 

    Schuldig des Vollrausches

    Am Montag erging das Urteil. Der Angeklagte wurde schuldug gesprochen, aber nicht wegen gefährlicher Körperverletzung oder versuchten Totschlags. "Vorsätzlicher Vollrausch" lautet der Tatbestand. Genau so war die Bluttat auch angeklagt, weil der Mann zur Tatzeit hochgerechnet 3,88 Promille Alkohol in der Blutbahn hatte und somit im Zustand der Schuldunfähigkeit so brutal auf den Schlafenden eingeschlagen hatte. Für den "vorsätzlichen Vollrausch" also verurteilte die Große Strafkammer den 59-Jährigen zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.   

    Zu Gunsten des Mannes wertete das Gericht, dass er nicht vorbestraft ist, sowie Schuldeinsicht und Reue gezeigt habe; zu seinen Lasten die erheblichen Verletzungen beim Geschädigten. Erwogen wurde davor auch, den 59-Jährigen in eine Entziehungsanstalt oder psychiatrische Einrichtung einzuweisen, so die Kammervorsitzende. Doch dafür lägen laut dem Sachverständigen die Voraussetzungen nicht vor. Seine Krankheiten ließen nicht erwarten, dass er therapiefähig sein. Und: Diese spezielle Tat sei nur durch die Provokation des Geschädigten verursacht worden. Ohne derartige Provokationen seien von ihm keine weiteren Straftaten zu erwarten.  

    Auflage: Kein Alkohol mehr

    So bleibt es bei der Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden – unter einer Reihe von Auflagen. Der 59-Jährige wohnt sozusagen unter Aufsicht seiner Schwester, die gewährleisten soll, dass er keinen Alkohol mehr trinkt. Einen Betreuer hat er schon, einen Bewährungshelfer bekommt er auch noch. Und: Er muss sich in dieser Zeit jeden Alkoholkonsums enthalten. Wenn er in dieser Zeit neue Straftaten begeht oder gegen Auflagen verstößt, droht der Bewährungswiderruf: "Dann müssen Sie ins Gefängnis", sagte die Vorsitzende.

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