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    Geldersheim

    "Big Bang" beim Breitbandausbau

    Spaghetti-Prinzip: Glasfaserleitungen sollen im Verbund bis zur Haustür führen - in naher Zukunft auch in Geldersheim. Foto: Uwe Eichler

    "Es ist kein Ende absehbar", sagte Breitbandplaner Joachim Först im Gemeinderat und meinte damit den Trend zur flächendeckenden Glasfaserverlegung, eine Zukunftstechnik faktisch "ohne Bandbreitenbegrenzung". Nach dem Silvesterfeuerwerk war in der ersten Sitzung des Jahres Beschäftigung mit dem "Big Bang" angesagt: dem regelrechten Daten-Urknall, der gerade im weltweiten Netz stattfindet und zunehmend auch auf dem Land Widerhall findet.

    Eine Datenmenge von zehn "Terabit" kann schon jetzt pro Sekunde in einer einzigen Glasfaser verschickt werden: was laut Präsentation einer Übertragung von 10 000 Folgen der Sitcom-Serie "Big Bang Theory" entspricht. Först hatte einen ganzen Kabelverbund dabei. Optische Leitungen bis in jeden Haushalt hinein, anstelle herkömmlicher Kupferkabel, ist das vom Gesetzgeber angestrebte Ziel. Die ins Gigantische anwachsenden Datenströme sollen in Zukunft nur noch per Lichtwellen verteilt werden: für Heimarbeit, Internet-Fernsehübertragungen oder Online-Einkäufe.

    Glasleitungen 1965 auf den Weg gebracht

    Ganz neu ist die Technik nicht: Auf den Weg gebracht wurden die "Scheinwerfersignale" in der Glasleitung bereits 1965, durch den Ulmer Physiker und Telefunken-Tüftler Manfred Börner. Berater Först legte nun das Geldersheimer "Kochbuch" zur weltumspannenden Erfindung des Bäckersohns vor: Die "Digitale Agenda" ist Teil eines Bundesförderprogramms, an dem sich die Gemeinde aktuell beteiligt, nachdem ein Bayerisches Förderprogramm abgearbeitet worden ist.

    Geldersheim wird bei Straßensanierungen oder in Neubaugebieten Leerrohre oder "Speedpipes" verlegen, in die Anbieter ihre Kabelstränge dann einblasen, bis vor die Haustür. Die Rede ist von 18 Netzverteilern und insgesamt mehr als 80 Kilometern an Leitungen, im Gegenwert von knapp 4,4 Millionen Euro. Solche Projekte würden zwar weiterhin von Bund und Land bezuschusst, seien aber teurer geworden, so der Experte: "Es steht sehr viel Geld für Breitbandausbau zur Verfügung. Das Problem sind die Tiefbaukapazitäten."

    In Geldersheim gebe es mit den beiden Anbietern Vodafone Kabel Deutschland und Telekom eine gute Versorgung von 50 bis 100 Mbit. Fördermöglichkeiten bestünden in diesem Rahmen nicht mehr, eine neue Richtlinie werde im Laufe des Jahres folgen. Ein weiteres Thema ist der künftige Mobilfunkstandard 5G, der autonomes Fahren, Telemedizin und andere datenintensive Technik erleichtern soll: "Dafür benötigen wir weitere Funkmasten". Först erwartet den Aufbau erst bis ungefähr 2025.

    Nicht ausruhen

    "Wir sind gut aufgestellt", lautete das persönliche Fazit von Bürgermeister Oliver Brust. Wie das bei der Technik eben so sei, dürfe man sich aber nicht auf der erreichten Infrastruktur ausruhen.

    Nicht anfreunden konnte sich das Gremium mit einer Präsentation der Gemeinde in der Broschüre "Dorfleben", einer Publikation zum Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Diese hätte im Juli dem "Frankenmagazin" beigelegt werden sollen, mit zehntausend Exemplaren. Dafür wären Fotoaufnahmen von Geldersheim nötig geworden, Kostenpunkt 3600 Euro plus Mehrwertsteuer. Brust vermutete einen Marketingeffekt, Herbert Ziegler und Thomas Starek waren skeptisch. Martin Schlör würde die Öffentlichkeitsarbeit breiter streuen, Markus Vogel erinnerte daran, dass schon Fotos zur Zeit des Dorfwettbewerbs angefertigt worden sind. Die Beilage wurde einstimmig abgelehnt.

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