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    Bergrheinfeld

    Bioabfall: Landkreis geht gegen Störstoffe in der Tonne vor

    Bedrucktes Papier wird selten: Auf der Kreismülldeponie Rothmühle werden immer mehr Kartonagen angeliefert. Foto: Uwe Eichler

    Im Großen und Ganzen haben sich die gesammelten Müllmengen im Landkreis 2018 kaum geändert – laut Abfallwirtschaftsbericht. Thomas Fackelmann gab als Sachgebietsleiter den Überblick im Kreisumweltausschuss. Ähnliches gilt für die Energieerzeugung aus Biogas. Die Hausmüll-Halde ist gewachsen, von 9070 auf 9419  Tonnen, die Biomüllmenge konstant geblieben, mit einem leichten Absinken von 7222  auf 7101 Tonnen. Nach oben weisen die Zahlen beim Sperrmüll (6503 statt 5841 Tonnen). Am Sinken ist die Papiermenge: 1373 Tonnen wurden gebündelt angeliefert, 2017 waren es noch 1488 Tonnen. 6512 statt 6658 Tonnen stapelten sich in der blauen Papiertonne.  Unterm Strich wurden im letzten Jahr 55 551 Tonnen Müll (statt 54 965 Tonnen im Vorjahr) erfasst.

    "Vor allem hochwertiges Papier geht zurück", stellte Fackelmann fest. Ein Grund: "Immer weniger Leute lesen Zeitung." Stattdessen landen verstärkt Kartonagen und Papier minderer Qualität in den Wertstoffhöfen. Die Papiersammlungen der Vereine profitierten noch von guten Abnahme-Konditionen, sagte der Bereichsleiter auf Nachfrage von Kreisrätin Sieglinde Fackelmann. Die Strukturen änderten sich aber. Der Hausmüll kam, erstmals seit längerem wieder, auf Platz zwei, mit 15,8 Prozent nach dem Häckselgut (25 Prozent).

    Mancherorts findet sich in jeder zweiten Tonne Plastik

    Ein bleibendes Ärgernis: Stör- und Fremdstoffe im Bioabfall. "Wir hatten einen Praktikanten, der in jede Biotonne geschaut hat." Auch die Abfuhrfirma führt (stichprobenartig) Kontrollen durch. Bei kleineren Verstößen gibt es einen orangefarbenen Anhänger (in diesem Fall wurde dennoch geleert). Bei hohem Störstoffanteil bleibt die Tonne mit rotem Anhänger stehen. Dies war bei der kreisweiten Aktion allerdings nur in acht Fällen der Fall. Vor allem in Neubaugebieten und größeren Stadtrandgemeinden gab es Beanstandungen. Mancherorts findet sich in jeder zweiten Tonne Plastik.

    Das Würzburger Büro Fabion erstellte ein Konzept, um die Bioabfall-Qualität im Landkreis zu erhöhen. Kreisrat Walter Rachle begrüßte die Maßnahmen und erinnerte daran, dass auch biologisch abbaubare Kunststofftüten nicht in die Biotonne gehören. Sie stören den Abbauprozess in der Vergärungsanlage auf der Kreismülldeponie. In Zukunft soll es verstärkte Kontrollen geben, ebenso mehr Informationsmaterial für Müllabfuhr und Bürger.

    Dazu kommen technische Verbesserungen bei der Vergärung in der Rothmühle: Geplant ist eine Halle mit Siebanlage und Metallabscheider für das angelieferte Biogut, Kostenpunkt etwa 2,1 Millionen Euro. In der Trockenvergärung stand eine Revision für 220 000 bis 230 000 Euro an. Neugeregelt wird derzeit auch das Verpackungsgesetz, was weniger die Nutzer als das Verhältnis zwischen Landkreis und Privatwirtschaft betrifft.

    Klärschlammentsorgung: Abwasserzweckverband gibt Studie in Auftrag

    Ein weiteres großes Thema: Die Zukunft der Klärschlammentsorgung nach der Neuregelung von 2017. Getrockneter Klärschlamm wird im Schweinfurter Gemeinschaftskraftwerk (GKS) mitverbrannt. Denkbar sind auch Lieferungen nach Würzburg. Der in Röthlein ansässige Abwasserzweckverband "Unterer Unkenbach" will eine Studie in Kooperation mit weiteren kommunalen Kläranlagen-Betreibern beauftragen. Bis zu 70 Prozent Zuschuss gibt es dafür. Kreisrat Hans Fischer warnte, dass Trocknungsanlagen Energiefresser seien – auch darum wird es in der Studie gehen. Walter Rachle berichtete von Geruchs-Beschwerden aufgrund von Restmüll, der vom GKS auf der Rothmühle zwischengelagert wird. Man arbeite bereits an verbesserten Lagermöglichkeiten, meinte Fackelmann. Auf der Deponie gibt es nur noch ein geringes "Restverfüllvolumen".

    Bei einem Vergleich ("Benchmark") innerhalb des kommunalen Netzwerks ForumZ stellte sich heraus, dass der Landkreis 2016/17 den geringsten Gebührenbedarf unter allen Teilnehmern hatte, bei einem günstigen Anlagenbetrieb.

    Horst Hanselmann berichtete aus dem Bereich Naturschutz. Insgesamt 1652 Euro wurden aus dem Umwelt- und Naturschutzfonds des Landkreises gezahlt: Jeweils 50 Prozent Zuschuss gab es für drei Streuobstwiesen-Projekte  und die Wildtierauffang-Station Schwebheim. Den Punkt Verschiedenes nutzte Walter Rachle, um Verständnis für die Kritik in der Gemeinde Grafenrheinfeld zu äußern an der geplanten Ausweitung der Sand-Ausbaggerung am Main: "Eine gigantische Umweltzerstörung."

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