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    GEROLZHOFEN

    Biogas: Angebot für eine zweite Anlage

    Maisanbau: Die Große Koalition hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, dass Biogasanlagen künftig überwiegend mit Biomasse aus Abfall- und Reststoffen beschickt werden sollen. Die Schmack Biogas GmbH aus Schwandorf will ihre Anlage bei Rügshofen aber noch vorwiegend mit Mais betreiben , wie er hier bei Hammelburg geerntet wird. Foto: Wolfgang Dünnebier

    Knisternde Spannung lag am Montag über dem Sitzungssaal im Alten Rathaus. Rund 60 Bürger saßen dem Stadtrat zumindest von drei Seiten im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken. Besonders für die Bewohner aus dem Stadtteil Rügshofen ging es um Richtungsweisendes in zweierlei Hinsicht, einmal in Sachen Biogas-Einspeiseanlage und zum Zweiten in Sachen Flächennutzungsplan (gesonderter Bericht folgt). Um es vorweg zu nehmen: Es blieb alles sachlich und ruhig. Die Bürger verhielten sich äußerst diszipliniert. Ebenso sachlich verlief die Diskussion in der Ratsrunde.

    Überraschende Ankündigung

    Bei der Biogasanlage verschoben sich die Parameter gleich zu Beginn. Bürgermeister Thorsten Wozniak kündigte völlig überraschend an, dass seit Mitte Dezember ein zweites Angebot zum Bau einer Biogasanlage im Rathaus vorliege. Es handelt sich dabei um den Investor Beck Naturgas aus Baden-Württemberg, der eine Gemeinschaftsanlage mit Landwirten als Mitgesellschafter bauen möchte, ähnlich der Anlage bei Oberspiesheim. Dabei sollen drei Millionen Euro investiert werden. Das Projekt der Firma Schmack aus Schwandorf ist mit 15 Millionen beziffert.

    Anders als beim Schmack-Projekt soll das gewonnene Gas nicht ins Netz eingespeist werden, sondern die Betreiber wollen damit das Geomaris beliefern und zwar zu einem günstigen Preis von 31 Euro für die Megawattstunde für die ersten zwei Jahre. Die Anlage könnte pro Jahr drei Millionen Kilowattstunden Biogaswärme ans Bad liefern. Benötigt werden dort 3,5 Millionen.

    Für einen Vertrag mit der Stadt dürfte allerdings die Zeit zu weit vorangeschritten sein. Das Blockheizkraftwerk fürs neue Bad ist bereits bestellt und es bestehen Gaslieferverträge mit Versorgern bis 2016. Nicht bekannt sind außerdem Standort und Zeitplan für die Anlage. Der Investor wollte vorher erst einmal ein Signal des Stadtrats hören.

    Thorsten Wozniak zitierte den nicht anwesenden Geomaris-Betriebsleiter Wolfgang Schulz: Das Bad benötige ab Ende des Jahrs absolute Versorgungssicherheit, da komme der Bau der Anlage wohl zu spät.

    Eine fachliche Stellungnahme des Amts für Landwirtschaft und Ernährung zusammen mit der Vorstellung des Plans wäre hilfreich gewesen, meinte Thomas Vizl. Dann der Hammer: Vizl informierte, die Anfrage habe der Stadt Mitte 2012 schon einmal vorgelegen, sei aber dem Stadtrat nicht bekannt gegeben worden. Vizl: „Zu diesem Zeitpunkt wäre das vielleicht eine vernünftige Lösung gewesen.“

    Anfrage blieb Rat vorenthalten

    Dass er zum von Vizl genannten Zeitpunkt schon einmal mit seinem Angebot in Gerolzhofen vorstellig geworden ist, bestätigt Karl Ulrich Beck, Geschäftsführer der Beck Naturgas GmbH, am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung.

    Der Stadtrat kam schließlich überein, das Thema zu vertagen und in der Zwischenzeit eine Stellungnahme des Amts für Landwirtschaft und des Geomaris-Betriebsleiters Wolfgang Schulz einzuholen. Zudem soll sich der Investor vorstellen.

    Dann die Diskussion zum großen Projekt der Firma Schmack: Um sicherzustellen, dass Gewerbesteuer im Ort bleibt (Frage von Eva Maria Ott), könnte ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werden, sagte Thorsten Wozniak. Auch wenn der Firmensitz nicht in Gerolzhofen ist, würden mindestens 70 Prozent der Steuer bei der Stadt bleiben.

    Bei einer Informationsveranstaltung von Schmack Ende November in der Stadthalle war von 100 000 Euro pro Jahr die Rede. Selbst wenn es nur 50 000 bis 80 000 Euro wären, wäre das im Gesamtvolumen der Gewerbesteuereinnahmen der Stadt „prozentual darstellbar“, sagte der Bürgermeister auf Nachfrage am Dienstag.

    Ein weiteres kommt laut Thomas Zink dazu. Wenn die Stadt ablehnt, könnte der Investor 200 Meter nach Norden in die Mönchstockheimer Flur ausweichen. Die Stadt hätte die gleichen Probleme mit dem Verkehr wie am geplanten Standort, aber keinen Nutzen. Dass Zink Recht hat, bestätigte Rüdiger Eckel von der Firma Schmack am Dienstag: Wenn das Projekt in Gerolzhofen scheitert, werde man sich auf jeden Fall weiter in der Region umsehen. Denn in der Landwirtschaft sei eine große Kooperationsbereitschaft zu erkennen. Man werde den Plan des Anlagenbaus auch angesichts des Koalitionsvertrags nicht fallen lassen in dem steht: „Der Zubau von Biomasse wird überwiegend auf Abfall- und Reststoffe begrenzt. Dies dient dem Schutz der Natur, vermeidet die ,Vermaisung' der Landschaft und entschärft Nutzungskonkurrenzen.“

    Die Anlage sei bereits auf einen Prozentsatz von 60 Prozent Mais ausgelegt, für noch weniger gebe es ebenfalls Pläne. Werner Ach hatte das Thema angesprochen.

    Gegner aus vielen Fraktionen

    Mit 10:7 stimmte der Rat schließlich der Anfrage aus Schwandorf zu. Die Gegenstimmen kamen von Heinz Lorz, Alfred Hügelschäfer, Burkhard Wächter, Werner Ach, Lukas Bräuer, Ludolf Kneuer und Roland Marschall.

    In den Vertrag soll auf Wunsch von Thomas Vizl auch aufgenommen werden, dass der Betreiber den Transport regelt, also nicht jeder Landwirt beliebig anfahren kann, und dass der Betreiber auch die Verpflichtung des Rückbaus der Anlage nach Betriebsende übernimmt.

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