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    Zeilitzheim

    Bischof Scheele: Es soll ein "Haus der Gemeinschaft" sein

    Vor 40 Jahren wurde die katholische Kirche in Zeilitzheim geweiht. Für die Pfarrgemeinde war der Bau mit Kosten von 1,6 Millionen Mark eine enorme Leistung. Ein Rückblick.
    Die katholische Kirche von Zeilitzheim nach ihrer Fertigstellung vor 40 Jahren.
    Die katholische Kirche von Zeilitzheim nach ihrer Fertigstellung vor 40 Jahren. Foto: Hilmar Spiegel

    Vor genau 40 Jahren, am 1. März 1980, weihte der damalige Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele im Siedlungsgebiet von Zeilitzheim die neue katholische Kirche. Es war seine erste Kirchenweihe als Bischof von Würzburg. Dieses Jubiläum möchte die Pfarrgemeinde Zeilitzheim in diesem Jahr mit einer Reihe von Gottesdiensten und Veranstaltungen entsprechend feiern.

    Den Auftakt macht an diesem Sonntag, 1. März, dem Weihetag der Kirche, ein Festgottesdienst um 10.30 Uhr mit Domkapitular Christoph Warmuth, dem stellvertretenden Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Ordinariat Würzburg.

    Nachdem Anfang 1978 freiwillige Helfer den Baugrund in Eigenleistung vorbereitet hatten, begannen die Bauarbeiten. Viele Hände packten ehrenamtlich mit an, um die Kosten durch Eigenleistung der Pfarrgemeinde so niedrig wie möglich zu halten. Kalkuliert waren Baukosten von rund 1,6 Millionen Mark – eine enorme Herausforderung für die kleine katholische Gemeinde im evangelisch geprägten Zeilitzheim.

    Im Mai 1978 fand am Dreifaltigkeitssonntag die feierliche Grundsteinlegung an der katholischen Kirche statt. Im Auftrag des Bischofs deponierte Prälat Josef Hasenfuß die Kartusche im Grundstein. Rechts Pfarrer Otto Bußmann aus Gaibach.
    Im Mai 1978 fand am Dreifaltigkeitssonntag die feierliche Grundsteinlegung an der katholischen Kirche statt. Im Auftrag des Bischofs deponierte Prälat Josef Hasenfuß die Kartusche im Grundstein. Rechts Pfarrer Otto Bußmann aus Gaibach. Foto: Sammlung Hilmar Spiegel

    Grundsteinlegung

    Als die Kellerdecke, die Vierung und die ersten Tragsäulen schon standen, fand am Sonntag, 21. Mai 1978, die feierliche Grundsteinlegung statt. Dazu war aus Würzburg im Auftrag des Bischofs der Universitätsprofessor Prälat Josef Hasenfuß angereist. In einem symbolvollen Akt umschritt er die Baustelle, besprengte sie mit Weihwasser und entzog somit den Bereich dem profanen Gebrauch. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren zu der Zeremonie gekommen.

    Der auch für Zeilitzheim zuständige katholische Pfarrer Otto Bußmann aus Gaibach verlas die  kunstvoll gestaltete Urkunde, die gemeinsam mit zeitgenössischen Belegen in einer Kupferkartusche im Grundstein für die Nachwelt hinterlegt wurde. Das Kirchenverwaltungsmitglied Josef Braun assistierte, als Schmiedemeister Walter Pickel die Kartusche verlötete.

    Danach gingen die Bauarbeiten zügig weiter. Nach Plänen des Architekturbüros Pohl & Blenk (Schweinfurt) entstand ein sakraler Bau unter einem mächtigen Zeltdach mit einem einzeln stehenden Campanile. Das quadratische Kirchenschiff, mit einem umbauten Raum von rund 4300 Kubikmeter, ist komplett unterkellert. Die Nutzfläche im Innern der Kirche beträgt einschließlich der erhöhten Altarinsel, Sakristei und Vorhalle rund 460 Quadratmeter. 

    Versammlungsräume im Untergeschoss

    Das Untergeschoss, mit einer Nutzfläche von 270 Quadratmeter, bietet als Pfarrzentrum Platz für einen Versammlungsraum, für Gruppenräume, Küche, Abstell- und Lagerräume und sanitäre Einrichtungen. Der Kirchturm, eine 20 Meter hohe Holzkonstruktion, steht auf einem quadratischen Podest und hat ein Volumen von 86 Kubikmeter. Das Zeltdach des Gotteshauses ist eine Konstruktion aus Holzleimbindern mit einer Eternit-Schiefer-Eindeckung.

    Zwei große Kräne waren nötig, als 1978 die Teile der gewaltigen Dachkonstruktion einschwebten.
    Zwei große Kräne waren nötig, als 1978 die Teile der gewaltigen Dachkonstruktion einschwebten. Foto: Sammlung Hilmar Spiegel

    Vor dem Bau der neuen Kirche hatten die Katholiken ihre Gottesdienste im evangelisch geprägten Zeilitzheim seit dem Jahr 1737 in der kleinen Kapelle im ehemaligen Rittersaal des örtlichen Schlosses gefeiert. Der Altar aus der Schlosskapelle fand beim Umzug als Nebenaltar eine neue Funktion im Neubau.

    Der alte katholische Gottesdienstraum im Zeilitzheimer Schloss.
    Der alte katholische Gottesdienstraum im Zeilitzheimer Schloss. Foto: Sammlung Hilmar Spiegel

    Auch die zwei Glocken wurden vom Schloss mit hoch zur neuen Kirche genommen. Eine dritte Glocke wurden im Oktober 1979 von einem Wohltäter gespendet, der allerdings ungenannt bleiben wollte. Das neue Dreier-Geläut der katholischen Kirche soll übrigens, so wurde damals berichtet, klanglich so mit den Glocken der evangelischen Kirche abgestimmt sein, dass beide Geläute, falls sie einmal zeitgleich aktiv sind, in Harmonie erklingen.

    Ausstattung aus der Abtei

    Die Innenausstattung der neuen Kirche stammt in Teilen aus der Abtei Münsterschwarzach. Dort war 1970 das so genannten Brüderoratorium geschlossen worden. Die Einrichtung des Oratoriums war bereits 1976 teilweise nach Zeilitzheim, der Heimat des Münsterschwarzacher Afrika-Missionars Pater Totnan Schömig, transportiert und eingelagert worden.

    Der spätbarocke Altar aus dem Schloss fand nach Umgestaltungsarbeiten als Nebenaltar in der neuen Kirche eine neue Verwendung.
    Der spätbarocke Altar aus dem Schloss fand nach Umgestaltungsarbeiten als Nebenaltar in der neuen Kirche eine neue Verwendung. Foto: Hilmar Spiegel

    Die künstlerische Gestaltung des Brüderoratoriums war damals, als es 1954 in Münsterschwarzach benediziert worden war, etwas Besonderes. Die Trennung des Tabernakels vom Altar und die Aufstellung eines im Halbrund der Bänke freistehenden Altartisches war für jene Zeit ungewöhnlich. Sie bedurfte der besonderen Erlaubnis des damaligen Würzburger Bischofs Julius Döpfner.

    Bänke im Halbrund

    Der Tabernakel und die Leuchtergarnitur wurden in der Abtei vom Goldschmiedemeister Bruder Adelmar Dölger gestaltet und gefertigt. Die Bänke stammen ebenfalls aus der Benediktinerabtei und sind ein Werk des Schreinermeisters Bruder Wunibald Schüßler. Da für jede, der im Halbrund angeordneten Bänke ein besonderer Zirkelschlag erforderlich war, musste damals zunächst eigens ein Reißboden hergestellt werden. Die Gestaltung des neuen Zelebrationsaltars und des Ambos, der Apostelkreuze und der Türgriffe übernahm der Bildhauer Peter Vollert aus Üchtelhausen.

    Bischof Paul-Werner Scheele (rechts) wird zur Weihe der neuen Kirche in Zeilitzheim begrüßt.
    Bischof Paul-Werner Scheele (rechts) wird zur Weihe der neuen Kirche in Zeilitzheim begrüßt. Foto: Sammlung Hilmar Spiegel

    Am Sonntag, 2. März 1980, war es dann soweit: Die rund 350 Katholiken aus Zeilitzheim erlebten einen denkwürdigen Tag, als Bischof Paul-Werner die neue Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit konsekrierte. Scheele war am Eingang der Kirche von Pfarrer Bußmann begrüßt worden. Unter den Ehrengästen sah man MdB Michael Glos, Landrat Karl Beck, Bürgermeister Erich Henkelmann, Altlandrat Ernst Kastner, die evangelischen Pfarrer Walter Schieder aus Zeilitzheim und Alfred Lederer aus Krautheim, die katholischen Priester Johannes Bußmann aus Wiesentheid (der Bruder von Otto Bußmann), Josef Hasenfuß (Würzburg), Georg Wehner (Fahr), Lothar Brunnquell (Gelchsheim), Alois Kilian (Dorfprozelten) und Norbert Schmöger (Herlheim) sowie drei Patres aus Münsterschwarzach.

    Anklopfen mit dem Bischofsstab

    Nach der Kirchenweihe zelebrierte Bischof Paul-Werner die erste Eucharistiefeier im neuen Gotteshaus.
    Nach der Kirchenweihe zelebrierte Bischof Paul-Werner die erste Eucharistiefeier im neuen Gotteshaus. Foto: Sammlung Hilmar Spiegel

    Die Weihe des Gotteshauses nahm Bischof Scheele dann in drei Stufen vor. Ein Sprecher erklärte der zahlreich erschienenen Gemeinde die verschiedenen Handlungen. Im ersten Teil besprengte er die Kirche von außen mit Weihwasser – als Zeichen dafür, dass der Bau fortan dem Machtbereich des Bösen entzogen wird. Er klopfte mit dem Bischofsstab an das Portal, "um Einlass für Christus, den König der Herrlichkeit, zu erbitten". Nach dem Reinigungsritual wurden die Reliquien der Märtyrer im Altar beigesetzt.

    Schließlich erfolgte die eigentliche Weihe des Gotteshauses und des Altars, wobei der Bischof zunächst die Mauern und dann den Altar mit Chrisam-Öl salbte, ehe auf dem Altar zur Weihe fünf Wachskreuze mit Weihrauch entzündet wurden. Die erste Eucharistiefeier in der neuen Kirche schloss sich an.

    Die Orgel kehrt zurück

    Im Februar 1982 war dann der Innenraum der Kirche letztlich komplett, als auf der Empore die historische und von Grund auf sanierte Orgel geweiht wurde. Das historische Instrument entstand 1723 in der Werkstatt des Würzburger Orgelbaumeisters Philipp Seuffert. Die Orgel stand zunächst vermutlich in Gaibach, ehe sie 1748 nach Röthlein verkauft wurde. 1876 kam sie ins Schloss nach Zeilitzheim, um die dortigen katholischen Messfeiern zu umrahmen.

    Nach der Restaurierung in der Orgelbauanstalt Mann in Marktbreit fand dann auch die Orgel ihren Weg ins neue Gotteshaus. Der damalige Regionalkantor Felix Reinhart ließ das Instrument nach der Weihe durch den Kitzinger Dekan Anton Englert zum ersten Mal erklingen.

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