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    Gerolzhofen

    Bisher unbekannte Bilder gesehen

    Orkantief Fabienne verwandelte am 23. September 2018 den Burgwindheimer Ortsteil Untersteinach in eine Trümmerwüste. Solche Unwetterbilder waren auch für die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Gerolzhofen bisher unbekannt, berichtete Kommandant Roland Feller im Stadtrat. Foto: Feuerwehr Gerolzhofen

    86 Feuerwehrleute stehen auf der Liste der Aktiven bei der  Freiwillige Feuerwehr Gerolzhofen, 81 Männer und fünf Frauen. Das klingt viel, ist es aber in der Realität nicht, berichtete Kommandant Roland Feller am Montag im Stadtrat. Von den 86 Wehrleuten sind tatsächlich nur etwa 60 aktiv, weil der Rest teils schon seit Jahren nicht mehr im Einsatz war. Feller nannte als Beispiel Studenten, die irgendwann einmal aus Gerolzhofen weggingen und nicht mehr wiederkamen, aber noch auf der Liste stehen. Und noch schlimmer: Nur etwa 15 Wehrleute haben in Gerolzhofen einen Arbeitsplatz und werden tagsüber im Ernstfall von ihren Arbeitgebern freigestellt. Dazu kommen etwa zehn Schichtarbeiter, die bei einem Einsatz eventuell tagsüber daheim sind.

    "Elf bis zwölf Leute fahren durchschnittlich zu einem Einsatz. Das ist nicht viel", berichtete Feller. Früher oder später werde es personelle Probleme geben. Das sei auf jeden Fall eine besorgniserregende Tendenz. Demgegenüber steht aber eine hoffnungsvolle Jugendgruppe mit 22 Mitgliedern (17 Jungen und fünf Mädchen). Angesichts des Freizeitangebots in anderen Gerolzhöfer Vereinen sei das viel. Anfang März wolle man eine neue Jugendgruppe eröffnen und werde dafür auch an Schulen werben.

    Hoher Zeitaufwand

    Im Kalenderjahr 2018 hatte die Feuerwehr Gerolzhofen 141 Einsätze. 15 davon waren sehr zeitaufwändig und dauerten zwischen vier und neun Stunden. Als Beispiel nannte Feller ausgelaufenes Kokosfett auf dem Aldi-Kreisel, das schwer zu beseitigen war. Der Begriff Feuerwehr passt für die Hilfsorganisation nur noch bedingt, denn lediglich 39 Einsätze galten der Brandbekämpfung. Dazu kamen 91 technische Hilfeleistungen, sechs Einsätze zur Amtshilfe und fünf Sicherheitswachen.

    Vier größere Unwetterlagen gab es im Berichtsjahr. "Bilder wie in Schönaich und Untersteinach kannten wir bisher nicht", gab Feller zu. Die körperliche und seelische Belastung werde immer intensiver. Bei Bränden sind fast immer Atemschutzträger im Einsatz, denn fast alles, was brennt, entwickelt giftige Gase und Dämpfe. Beim Brand eines Hauses des Kästner-Kinderdorfs in Düttingsfeld machten einige Atemschutzträger bis zu drei Druckluftflaschen leer und waren danach am Ende ihrer physischen Belastbarkeit. Eine Gefahr für Leib und Leben bestehe bei jedem Einsatz. So stellten die Wehrleute nach dem Löschen eines Scheunenbrands in  Schallfeld fest, dass Gasflaschen in der Scheune standen. Wenn die explodiert wären...

    76 Einsätze im Stadtgebiet

    76 der 141 Einsätze waren im Gerolzhöfer Stadtgebiet. 80 Einsätze fielen in die Zeit zwischen 6 und 18 Uhr. Dabei leisteten die Wehrleute 2432 Stunden. Zusammen mit Übungen und sonstigen Beschäftigungen brachten sie es auf 11 608 Stunden. Die meisten Alarmierungen gab es im Juli, August und September. Auch in den ersten 21 Tagen des neuen Jahrs hatte die Feuerwehr schon wieder sechs Einsätze.

    Was auf der einen Seite ein technischer Fortschritt und ein großer Beitrag zur Energiewende ist, ist auf der anderen ein Riesenproblem für Feuerwehren: brennende Akkus von Fotovoltaik-Anlagen oder auch in Elektroautos. "Um so einen Akku zu löschen, müssten wir den ganzen Keller unter Wasser setzen oder ihn mit Sand zuschütten und tagelang bewachen.", erklärte der oberste Feuerwehrmann.

    Viel Arbeit und viel Lob

    Das herausragende Fest des Jahres 2018 waren die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Gerolzhöfer Wehr. "Das hat viel Arbeit gemacht, aber es hat sich gelohnt, weil wir Lob von allen Gästen bekamen", resümierte Feller. Allein zum Beatabend kamen 1500 Besucher; der Festzug bestand aus 83 Gruppen. Der Kommandant dankte schließlich der Stadt für die gute Zusammenarbeit und das in die Feuerwehr gesetzte Vertrauen. Feller zu den Materialforderungen an die Stadt: "Was wir fordern, brauchen nicht wir, sondern die Bevölkerung."

    "Bei der Feuerwehr in Gerolzhofen haben wir professionelle Strukturen, die auf Ehrenamt beruhen", lobte Bürgermeister Thorsten Wozniak. Die Feuerwehr Gerolzhofen genieße auch über die Landkreisgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf. Die von Feller angesprochene Einsatzkraft gelte es im Auge zu behalten. Vielleicht komme zumindest im Bereich der Verwaltung einmal die Zeit für eine professionelle Ausrichtung der Feuerwehr. Wie der Kommandant dankte auch der Bürgermeister allen Firmen in Gerolzhofen, die ihre Mitarbeiter zu Feuerwehreinsätzen freistellen.

    Psychologische Betreuung

    Auch Arnulf Koch zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Wehr und fragte, ob denn die Wehrleute bei schlimmen Einsätzen auch selbst eine psychologisch Betreuung bekommen. Das bejahte Feller. Eine solche Betreuung sollte aber nicht zwanghaft erfolgen, sondern nur wenn der Feuerwehrangehörige das möchte. Mit Michael Mößlein habe man einen Notfallseelsorger in den eigenen Reihen.

    Zur Behebung des Personalengpasses wäre es auch denkbar, wie von Tomas Vizl angeregt, Leute aus anderen Wehren, die in Gerolzhofen arbeiten, mit einzusetzen. So bestätigte es Roland Feller.

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