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    Schweinfurt

    Böller-Protest: Ulrike Schneider von Feuerwerkskörper getroffen

    Die Stadträtin und ihre Mitstreiter setzen sich für ein Böllerverbot in Schweinfurt an Silvester ein. Was sie auf dem Marktplatz zum Jahreswechsel erlebten.
    Feuerwerk in Schweinfurt gab es auch in diesem Jahr wieder reichlich in der Silvesternacht.
    Feuerwerk in Schweinfurt gab es auch in diesem Jahr wieder reichlich in der Silvesternacht. Foto: Josef Lamber

    Von einem guten Rutsch ins neue Jahr konnte bei Ulrike Schneider und ihren Mitstreitern der Initiative "Zukunft." keine Rede sein: Sie waren an Silvester wie angekündigt mit Kerzen auf dem Marktplatz, um gegen die Böllerei zu protestieren, doch zogen sie sich schon bald zurück. Der Grund waren nicht etwa Pöbeleien, sondern, dass auf dem proppenvollen Marktplatz so viel Feuerwerk und Böller um Mitternacht gezündet wurden, dass es zu gefährlich wurde, mittendrin am Rückert-Denkmal zu stehen.

    Außerdem wurde Ulrike Schneider von einem Feuerwerkskörper an der Wade getroffen. Sie geht von einem Querschläger aus, will niemandem Absicht unterstellen. Gleichwohl jagte ihr die Sache einen gehörigen Schreck ein, "wir haben unsere Kerzen ausgemacht und sind aus Angst ins Winterdorf, wo es ruhiger gewesen ist", erzählt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie seien rund zehn Leute in ihrer Gruppe gewesen, auch andere Bürger waren dem Aufruf gefolgt, der aber im allgemeinen Trubel, wie Schneider zugesteht, unterging. Geböllert wurde jedenfalls auch zum Jahreswechsel 2019/20 wie eh und je.

    Schneider erzählt auch von gefährlichen Situationen durch Böller und Feuerwerkskörper für andere Personen. Sie habe beobachtet, wie ein Kind vom Platz gebracht werden musste, offenbar auch getroffen von einem Böller und dabei verletzt. Grundsätzlich hat die Schweinfurter Silvesternacht Schneider bestärkt, weiter für ein generelles Verbot von Feuerwerk in der Innenstadt zu kämpfen.

    Stadträtin Ulrike Schneider (Zweite von rechts) kam in der Silvesternacht an den Marktplatz, um gemeinsam mit Mitstreitern mit einer Kerze in der Hand gegen das Feuerwerk zu protestieren.
    Stadträtin Ulrike Schneider (Zweite von rechts) kam in der Silvesternacht an den Marktplatz, um gemeinsam mit Mitstreitern mit einer Kerze in der Hand gegen das Feuerwerk zu protestieren. Foto: Ulrike Schneider

    Im Dezember war Schneider, die für die Freien Wähler/Schweinfurter Liste im Stadtrat sitzt, mit einem entsprechenden Antrag im Hauptausschuss noch gescheitert, da dieser auf Antrag des Linken-Stadtrates Sinan Öztürk auf dieses Jahr vertagt wurde. Öztürk wolle eine ausführliche Diskussion ohne Zeitdruck zu dem Thema, um für 2020 und die nächsten Jahre entsprechende Beschlüsse zu fällen.

    Schneider verweist auf die Umweltschädlichkeit von Feuerwerk, vor allem wegen der Feinstaubbelastung in der Luft, sowie den produzierten Müll. Außerdem seien Feuerwerke eine große Belastung für Tiere, sowohl Haus- als auch Wildtiere. Gegenüber dieser Zeitung kündigte sie nun an, dass sie den Antrag von Dezember noch vor den Kommunalwahlen erneut im Stadtrat einbringen wird, ergänzt mit dem Vorschlag, die Stadt möge ein eigenes Feuerwerk oder eine Lasershow anbieten.

    Kräftige Rauchentwicklung nach minutenlanger Böllerei war am Schweinfurter Marktplatz in der Silvesternacht 2019/20 zu beobachten.
    Kräftige Rauchentwicklung nach minutenlanger Böllerei war am Schweinfurter Marktplatz in der Silvesternacht 2019/20 zu beobachten. Foto: Ulrike Schneider

    Die Verwaltung steht einem Verbot von Feuerwerk in der Innenstadt in der Silvesternacht aus rechtlichen Gründen skeptisch gegenüber, auch wenn in anderen deutschen Städten, zum Beispiel München, ein Böllerverbot in der Innenstadt erlassen wurde. Für Ulrike Schneider "fehlt es an politischem Willen."

    Feinstaubbelastung in Schweinfurt 20 Mal höher als am Mittag

    Die Feinstaub-Belastung in Schweinfurt war im übrigen auch zu diesem Jahreswechsel wieder eklatant hoch, wie die Zahlen des Landesamtes für Umweltschutz (LfU) beweisen. In Schweinfurt wird die Belastung durch Feinstaub und andere Schadstoffe am Obertor gemessen. Hier betrug der Feinstaubanteil in der Luft kurz nach Mitternacht mit 684 Mikrogramm mehr als das 20-fache im Vergleich zur Mittagszeit. Diese Negativspitze baute sich bis in den frühen Morgen wieder ab, dennoch war die Luftqualität am Neujahrstag in Schweinfurt laut LfU "schlecht".

    Auch in Würzburg ein ähnliches Bild, die Feinstaubwerte schnellten nach oben, wegen der Kessellage der Stadt hielt die Verschmutzung auch länger an.

    Vor einem Jahr wurde in Schweinfurt in der Stunde nach dem Jahreswechsel ein Rekordwert von 991 Mikrogramm Feinstaub gemessen. In Würzburg war damals der Standort Kopfklinik in der Spitze mit 452 Mikrogramm sogar stärker betroffen als der Stadtring Süd (125).

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