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    WERNECK

    Brauchtum Kräuterbüschel noch lebendig

    120 Kräuterbüschel haben die fleißigen Frauen gefertigt. Erna Meyer (Zweite von rechts) und Jutta Pfister (Zweite von l... Foto: Bernhard Wegscheid

    So manches Brauchtum verschwindet klammheimlich aus so manchem Dorfleben. Gerade das Binden von Kräuterbüscheln stirbt wohl gerade deshalb einen stillen Tod, weil die landwirtschaftlich Prägung vieler Dorfgemeinschaften, verloren gegangen ist. Da ja gerade Tiere die Nutznießer der Heilwirkung solcher vielschichtigen Heilkräuter waren, Massentierhaltung nur unter Einhaltung gesetzlicher und tierärztlicher Vorschriften betrieben werden kann und muss, daher hat der Kräuterbüschel, gleich neben der Stalltür hängend fast ausgedient. Ist er nur noch Erinnerungsstück oder Retro-Duftspender?

    Gleichwohl, ein Wernecker Jäger bringt mehrere Hundert Euro für die Anschaffung von Saatgut auf, um „seinem Wild“ gleichsam eine Freilandapotheke auf Kräuteräckern zu präsentieren. Für Erwin Weißenberger aus Werneck ist es daher eine jährlich Ehrensache, den Büschelbinderinnen Wernecks einen Hänger voll Kräuter anzukarren. Groß suchen müssen die emsigen Frauen also nicht. Das größere Problem besteht eigentlich in der Bestimmung der über 20 Kräuter. Gut, dass Erna Meyer (Seniorin der Aktiven) mit dabei ist! Zeit ihres Berufslebens mit der Landwirtschaft vertraut, fallen ihr die Namen von Wermut, Isop, Goldrute, Wilde Möhre, Rainfarn oder Sonnenhut fast spontan ein. Doch Jutta Pfister, eine der Jungen, ist ebenfalls kundig. So ergänzt einer den anderen. Nicht ganz so Kundige verfolgen die Zuordnung der Kräuternamen und zollen offen oder still Respekt. Dabei wird gescherzt, gelacht, zuweilen Eifer angemahnt und viel gelobt und bewundert, denn 120 Büschel mussten bis Mariä Himmelfahrt fertig, im Festgottesdienst gesegnet werden und anschließend gegen eine noble Spende unter die Leute gebracht werden.

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