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    Egenhausen

    Brennend Böhmisch: "Diese Art von Musik macht einfach Spaß!"

    "Musik ist eine Weltsprache!" Mitglieder von Brennend Böhmisch am Strand von Kroatien im September 2019. Das dortige Musikfestival "Brass Palmas" gilt als "Woodstock der Blasmusik" und zieht jährlich tausende junge Menschen zwischen 18 und 20 Jahren an. Foto: Brennend Böhmisch

    20 Personen aus dem Raum Schweinfurt. Im Berufsleben sind sie Brauer, Ingenieur, Erzieherin, Elektrikerin, Schüler, Dolmetscherin, Finanzberater oder Studierende. Die Jüngste ist 17, der Älteste 30 Jahre alt.  Alle verbindet eine Leidenschaft: sie brennen für Musik. Aber nicht für eine moderne Art, wie man vermuten könnte, sondern für Blasmusik. Böhmisch-mährische Blasmusik. Und damit liegen sie voll im Trend. Dieses Genre erfreut sich seit rund zehn Jahren wieder wachsender Beliebtheit. Vor allem bei der jungen Generation. Der Enthusiasmus, mit dem die jungen Musikerinnen und Musiker von "Brennend Böhmisch" (BB) ihr zeitintensives Hobby betreiben, springt förmlich über, wenn man sich mit ihnen unterhält. Im Gespräch verraten Dirigent Valentin Köblitz (25 Jahre) und Tubistin Pauline Weck (21 Jahre), wie die Idee zu ihrer Gruppe entstand. Sie erzählen von den Anfängen, wie sie zu ihrer namenseigenen Polka kamen und von ihrer gemeinsamen Leidenschaft zur böhmischen Blasmusik. Mit ihrem Jubiläumskonzert am Samstag, 2. November, in Schleerieth blickt die Gruppe zurück auf fünf ereignisreiche und erfolgreiche Jahre.

    Im Probenraum des Musikvereins Egenhausen wird mindestens einmal pro Monat geübt. Foto: Pauline Weck
    Frage: Wie seid ihr im Jahr 2014 auf die Idee gekommen, gemeinsam böhmische Blasmusik zu spielen?

    Valentin Köblitz: Martin, Tenorhornist, war der Initiator. Wir kannten uns vom gemeinsamen Musizieren bei einer anderen Gruppe. Motiviert meinte er, wir sollten "mal was Eigenes" aus dem Boden stampfen. Gesagt, getan. Als aktive Musikerin oder Musiker kennt man sich gegenseitig im Umkreis. Und es kannte jeder jemanden, der die Idee super fand und mit machen wollte. Dann haben wir uns getroffen. Es waren 17 Gründungsmitglieder anwesend. "Brennend Böhmisch" war geboren (grinst)

    Warum habt ihr euch das Genre Böhmische Blasmusik ausgesucht?

    Pauline Weck: Diese Art von Musik macht einfach Spaß! Wir haben alle im Kindesalter angefangen, ein Instrument zu lernen. Jeder von uns spielt auch noch in seinem Heimatverein mit. Seit jeher gehören im volkstümlich-konzertanten Bereich Stücke der Böhmischen Blasmusik im Repertoire einfach dazu. Das hat Tradition.

    Die jungen Musikerinnen und Musiker von "Brennend Böhmisch" stammen alle aus dem Gebiet Werneck. Im Sommer 2019 trafen sich alle in der neuen Tracht zum gemeinsamen Fototermin in den Schleeriether Gaden. Foto: Werner Weck
    Wie kam es zum Namen "Brennend Böhmisch"?

    Weck: Wir haben noch einen Zusatz zu "Böhmisch" gebraucht. Da ist uns "brennend" in den Sinn gekommen. Da wir alle leidenschaftlich gern böhmische Blasmusik zelebrieren, brennt somit auch das "Feuer" für diese Musik in uns. Und das "Brennende" hat ein befreundeter Graphiker wunderbar als Element in unserem Logo umgesetzt.

    Wie war anfangs die Resonanz bei euren Auftritten?

    Weck: Sehr gut! Unser erster Auftritt war im Jahr 2014, an einem kleinen Gartenfest in Rundelshausen.

    Köblitz: Die Festbesucher waren begeistert. "Ihr seid eine richtig coole Truppe!", "Klasse, so viele junge Leute!" oder "Ihr spielt super!" lauteten die ersten Feedbacks. Wir haben uns einfach ausprobiert und zweieinhalb Stunden nur für eine Brotzeit gespielt. Danach ging es ganz schnell. Die Mund-zu-Mund-Werbung klappte wunderbar.

    Weck: Ja, das läuft häufig immer noch so. Die Leute sehen und hören uns und empfehlen uns weiter. Inzwischen erreichen uns aber auch Anfragen für neue, unbekannte Auftrittsorte und Anlässe. Pro Jahr treten wir rund zehn Mal auf.

    Und wie war es um die finanziellen und logistischen Herausforderungen bestellt?
    "Spät am Freitagabend wird´s schwierig!" Valentin Köblitz, Dirigent und einziger Profimusiker, über die Disziplin bei den Proben Foto: Werner Weck

    Köblitz: Wir haben sehr minimalistisch angefangen. Ohne Sponsor. Das ist auch heute noch so. Egal ob es um die Gema-Gebühren, Speisen und Getränke, den Auf- und Abbau für das Konzert geht, alles stemmen wir selbst.  (Pauline Weck stupst ihn an)

    Köblitz: Ach ja, und in der Anfangszeit habe ich privat rund 600 Euro für Notenmaterial vorgestreckt.

    Weck: Wir sind sehr froh, dass uns unsere Eltern tatkräftig unterstützen. Egal, wo und wann wir spielen, ob Fotografie, Schlagzeug oder Tuba schleppen, es ist immer mindestens ein Elternteil dabei und hilft als "Roadie" (Anmerkung der Redaktion: Helfer) mit. Gott sei Dank!

    "Wir spielen Musik, weil es uns Spaß macht und nicht, um damit Geld zu verdienen" Pauline Weck, leidenschaftliche Tubistin, zum Engagement der Musikerinnen und Musiker Foto: Werner Weck
    Wie schaffen es 20 Musikerinnen und Musiker, die im ganzen Landkreis Schweinfurt verteilt sind, gemeinsam zu proben?

    Köblitz: Das ist in der Tat nicht so einfach. Wir proben mindestens einmal pro Monat, wenn ich Zeit habe. Dann meistens am Wochenende, da ich den langen Weg von Garmisch-Partenkirchen nach Franken zu fahren habe. Deshalb finden die Proben samstags oder sonntags statt.

    Weck: Musizieren verbindet. Das Schöne ist bei unserer Gruppe, dass wir keine "Zwangsveranstaltung" sind, sondern uns zum Musizieren treffen, weil wir das möchten und motiviert sind. Aus freien Stücken und nicht, weil man per se Mitglied in einem Verein ist.

    Was meint ihr, warum erlebt Böhmische Blasmusik seit einigen Jahren eine Renaissance?

    Köblitz: Ich denke, die Leute gehen einfach wieder lieber ins Bierzelt, als Anfang der 2000er-Jahre. Und in ein Bierzelt gehört Blasmusik. Das hat Tradition und gehört einfach dazu. Neu ist seit einigen Jahren, dass extra Konzertabende, sogenannte "Böhmische Abende" veranstaltet werden und großen Zuspruch finden.

    Am Samstag, 2. November gebt ihr euer Jubiläumskonzert in Schleerieth. Auf welche Stücke dürfen sich eure Gäste freuen?

    Köblitz: Das Programm ist ein bunter Strauß böhmischer Stücke und deren Interpreten. Ob von Ernst Mosch, Ernst Hutter, Michael Klostermann, den Schwindligen 15 oder beispielsweise den Fegerländern, die Konzertbesucher dürfen sich auf rund zweieinhalb unterhaltsame und stimmungsvolle Stunden freuen.

    Weck: Außerdem spielen wir Stücke, die aus Valentins Feder stammen! Er ist der einzige Profimusiker in unserer Gruppe …

    Köblitz (fällt ihr ins Wort): Das ist nicht so wichtig.

    Doch, das interessiert die Leserinnen und Leser bestimmt. Du schreibst also auch eigene Stücke?

    Köblitz: Ja, die Polka "Sophie" habe ich komponiert, als meine Nichte geboren wurde. Der Walzer "Spaziergang im Schlosspark", ein weiteres Stück, ist eine Hommage an den Schlosspark in Werneck. Rudi Fischer (Hergolshäuser Musikanten) hat den Walzer für uns arrangiert. Außerdem besitzen wir eine eigene Polka, die wie unsere Gruppe heißt: "Brennend Böhmisch". Benedikt Fäustel aus Theres hat das Stück für uns geschrieben und arrangiert, mit dem wir uns gut identifizieren. Sie ist inzwischen unsere "Hymne" geworden.

    Der Böhmische Abend mit "Brennend Böhmisch" findet am Samstag, 2. November, in der Turnhalle Schleerieth statt. Los geht es um 19.30 Uhr. Moderieren wird Philipp-Laurens Krauß, Tenorhornist von "Meeblech". Der Eintritt ist frei. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. Informationen: https://www.facebook.com/brennendboehmisch

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