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    Wiebelsberg

    Brigitte Brehms Credo: "So ein Wirtsleben ist schön"

    Bei der Wirtsfamilie Brehm in Wiebelsberg gibt es am Samstag Grund zum Feiern. Seniorchefin Brigitte Brehm wird 70. Im Bild (vorne) Helmut und Brigitte Brehm sowie dahinter (von links) Jonas, Alexandra, Julian, Jürgen und Hannah Brehm. Foto: Norbert Vollmann

    Der Biergarten hinter dem Haus mit den Weinbergen und dem Alten Berg im Rücken ist einer der schönsten in der Gegend. Kein Wunder, wenn er gerade wie jetzt am vergangenen Sonntag rappelvoll ist oder wie Brigitte Brehm sagt: „Bei schönem Wetter ist bei uns jeden Sonntag Kirchweih.“ Die „Traube“-Wirtin weiß, wovon sie spricht. Seit 50 Jahren kümmert sie sich inzwischen im Wiebelsberger Dorfgasthaus um die Gäste.

    Auch als Sohn Jürgen 2011 das Gasthaus von ihr und ihrem Mann Helmut übernommen hat, hat sie die Hände nicht in den Schoss gelegt, sondern fortan das Zepter in der Küche übernommen. 60 Stunden und mehr steht die „Brigitte“ immer noch in der Woche auf den Beinen. Nur jetzt am Wochenende darf sie sich wegen ihres am Samstag anstehenden 70. Geburtstag eine wohlverdiente Pause gönnen. Dann geht es gleich wieder mit Volldampf weiter. Denn ab dem 24. August steht die Bartholomäus-Kirchweih in unmittelbarer Nähe zur Dorfkirche in der "Traube" vor der Tür. Dann herrscht drei Tage lang Hochbetrieb „beim Brehm“.

    Brigitte Brehm möchte das Wirtsleben nicht mehr missen

    Überhaupt: Die Schürze an den Nagel zu hängen, ist für Brigitte Brehm aktuell kein Thema. Schließlich wird sie noch gebraucht und die Arbeit macht ihr auch mit nun 70 Jahren immer noch Spaß. „So ein Wirtsleben ist schön, wenn man so viele Freunde und nette Gäste hat“, betont sie und bekennt, dass ihr ohne die Wirtschaft schon etwas fehlen würde. Viele Stammgäste klopfen so auch erst einmal ans Küchenfenster, um ihr Grüß Gott zu sagen, bevor sie sich niederlassen.

    Helmut und Brigitte Brehm in jüngeren Jahren hinter der Theke des Wiebelsberger Gasthauses. Foto: Familie Brehm

    Dabei war die Gerolzhöferin zunächst argwöhnisch beäugt worden, als sie erstmals mit ihrem Freund in der elterlichen Wirtschaft in Wiebelsberg aufkreuzte. „Was willst du denn mit dem Modepüppchen?“, fragten Helmut Brehm die Einheimischen am Stammtisch, als sie das sauber zusammengerichtete junge Ding aus der Stadt erblickten.

    Doch die Brigitte sah nicht nur adrett aus, sondern die gelernte Hauswirtschafterin wusste richtig anzupacken und mit den Gästen umzugehen. So sollte es nicht lange dauern, bis genau diejenigen aus dem Dorf, die sie zunächst kritisch gemustert hatten, nur noch von „der jungen Frau“ bedient werden wollten.

    Das war 1968. Schon ein Jahr später läuteten 1969 die Hochzeitsglocken für Brigitte Berg und ihren Helmut. Seitdem gehört sie zum festen Inventar des Gasthauses "Zur Traube“.

    Über 100-jährige Wirtshausgeschichte 

    Das gemütliche Dorfgasthaus mit der nicht zuletzt am Sonntagmittag aufgetischten bekannt gut-bürgerlichen Küche in Wiebelsberg kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. 1913 erhielten der später im Jahr 1942 bei einem landwirtschaftlichen Unfall ums Leben gekommene Johann Brehm und die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit ihm verheiratete, aus Michelau stammende Susanne Sahlender die Schanklizenz erteilt, wie aus dem alten Dokument hervorgeht.

    Die legendäre Wiebelsberger Wirtin Susanne "Sanna" Brehm mit einem Gast auf der Treppe vor dem Gasthaus "Zur Traube". Foto: Repro Norbert Vollmann

    Die Brehms „Sanna“ war als Gastwirtin weitum bekannt und legendär. Nachdem zwischenzeitlich ihr Sohn Theodor und seine Frau Mathilde die Wirtschaft geführt hatten, ging diese an Sohn Helmut über, der sie dann ab 1969 zusammen mit seiner frisch angetrauten Frau betrieb.

    Als der Landmaschinenschlosser 1971 als Schweißer bei der Gasversorgung Unterfranken anfing, führte Brigitte Brehm als Allroundtalent  in der Gaststube und in der Küche allein Regie im Gasthaus, bis er von der Arbeit heimkam, um am Abend oder am Wochenende und an den Feiertagen mit zuzupacken. Das änderte sich erst wieder 2006, als er von der Altersteilzeit Gebrauch machte.

    Ganz am Anfang ging es auch noch eine ganze Spur gemächlicher im Dorfgasthaus zu, erinnert sich Brigitte Brehm. Da wurden eine Flasche Bier, ein Weinschorle oder eine Limo von den meist einheimischen Wirtshausbesuchern getrunken und dazu ein Knacker mit Weck bestellt, manchmal auch Hausmacherwurst oder ein Paar Bratwürste. Das war in der Regel aber schon alles, was auf den Tisch kam. Vielfach traf man sich zum Karten, gerade in den Wintermonaten, wenn viele Bauarbeiter aus dem Dorf ausgestellt waren und das sogenannte Schlechtwettergeld bezogen.

    Stammtische mit langer Tradition

    Bereits damals sind noch vor dem späteren Bau des Rad- und Fußwegs  viele Gerolzhöfer nach Wiebelsberg gelaufen, um dort einzukehren. Oder es kamen die Betriebsangehörigen und Rentner der Firma Kugelfischer herunter, die im Erholungsheim auf der Waldesruh frische Kräfte tankten.

    Manche Stammtische wie etwa am Freitag- oder Sonntagabend treffen sich seit über 30 Jahren und länger beim „Brehm“. Brigitte setzt sich gerne dazu, wenn in der Küche wieder soweit alles weggeräumt ist, zumal jetzt Sohn Jürgen hinter dem Zapfhahn steht.

    Profitiert haben das Dorf und sein Gasthaus später vom Ausbau der Ortsdurchfahrt Ende der 1970er-Jahre, der mit dem umfangreichen Umbau der „Traube“ einherging, von der in diese Zeit fallenden Weinbergsbereinigung mit der Geburt des Lagenamen „Wiebelsberger Dachs“ für die hier angebauten Weiß- und Rotweine oder eben vom  Bau der Rad- und Fußwege. Als gute und weise Entscheidung haben sich schließlich der Ausbau der Scheune und die Anlage des schönen Biergartens erwiesen.

    An der Kirchweih setzt sich der "Altmühltal-Express" in Bewegung

    Richtig rund ist es schon immer im Gasthaus bei vollem Haus an der Kirchweih gegangen. So werden auch diesmal wieder alle verfügbaren Kräfte in Verwandtschaft und Bekanntschaft mobilisiert und dazu auch der „Altmühltal-Express“ in Bewegung gesetzt, wo es Tochter Heike der Liebe wegen hin verschlagen hat. Die Wirtstochter hatte einst zum ganzen Stolz ihrer Eltern von 1987 bis 1989 als Weinprinzessin den „Wiebelsberger Dachs“ repräsentiert.

    Heike und ihr Bruder sind in und mit der Wirtschaft groß geworden. Jürgen Brehm erinnert sich: „Wir haben Eis verkauft oder Bier eingeschenkt.“ Und noch etwas hat der „Beppo“, wie sie ihn meist nennen, fürs (Wirts-)Leben gelernt. Als seine Mutter von 1990 bis 1996 als erste Frau aus Wiebelsberg im Oberschwarzacher Gemeinderat saß, musste an ihrer Stelle immer er, der jetzt selbst dem Gemeinderat angehört, die Kartoffeln schälen, schnippeln und brutzeln, wenn sie alle vier Wochen auf Sitzung weg war. Der Stammtisch, der jeweils am Montagabend kam, bestand nämlich weiterhin darauf, Hausmacherwurst mit Röstkartoffeln serviert zu bekommen.

    Folgt Jonas seinem Vater Jürgen als Wirt nach? 

    Was Brigitte Brehm beim Kochen von ihrer Mutter Charlotte Berg gelernt hat, das gibt sie seit geraumer Zeit an ihre Schwiegertochter Alexandra in der Küche weiter. Auch die ist übrigens ein Wirtshauskind. Ihre Oma bewirtschaftete einst in Schweinfurt das auch als Schweinfurter Alm bekannte Gathaus „Almrösl“.

    In der Küche ist Seniorchefin Brigitte Brehm ganz in ihrem Element. Foto: Familie Brehm

    Während mit Jürgen und Alexandra Brehm die vierte Generation das Gasthaus führt, steht die fünfte bereits in den Startlöchern. Obwohl ihr Sohn Jonas in wenigen Tagen erst sieben Jahre alt wird, steht für ihn schon heute ganz klar fest: Auch er will einmal Wirt in Wiebelsberg werden.

    Doch jetzt gilt es erst einmal mit Oma Brigitte ihren runden Geburtstag zu feiern. Und dann steht heuer an Silvester auch noch der 75. vom Wiebelsberger Opa und Seniorchef an.

    So präsentierte sich das Gasthaus "Zur Traube" der Familie Brehm in Wiebelsberg nach dem Umbau Ende der 1970er-Jahre auf einer Postkarte. Der Biergarten hinter der Scheune wurde erst viel später angelegt, wie der Blick durchs offene Scheunentor zeigt. Foto: Repro Norbert Vollmann

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