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    EBRACH

    Bruckners 9. Symphonie in einer neuen Komplettierung von Gerd Schaller

    „Kathedralklänge“ ist das Konzert überschrieben, das der Dirigent Gerd Schaller mit seinem Orchester Philharmonie Festiv... Foto: Markt Ebrach

    „Kathedralklänge“. So ist das Konzert überschrieben, das der Dirigent Gerd Schaller mit seinem Orchester Philharmonie Festiva am Sonntag, 22. Juli, ab 17 Uhr im Rahmen des renommierten Festivals Ebracher Musiksommer in der prachtvollen frühgotischen Abteikirche Ebrach dirigieren wird.

    Und obwohl Anton Bruckners 9. Symphonie, die bei diesem Konzert erklingen wird, ja eigentlich keine Kirchenmusik ist, kann man sich doch schwerlich einen Ort vorstellen, der geeigneter für die Aufführung dieses faszinierenden Werkes wäre: Wurde die Neunte doch vom Komponisten ausdrücklich „Dem lieben Gott“ gewidmet.

    Nur leider: Bruckner verstarb am 11. Oktober 1896 während der Arbeit am vierten, dem Finalsatz seines letzten Meisterwerks – und so blieb dieser Fragment. Das scheint umso bedauerlicher, da zahlreiche Skizzen und Entwürfe von Bruckners Hand erhalten sind – wenn auch nicht genügend, um den Satz tatsächlich daraus zu rekonstruieren.

    Dennoch ließen diese erhaltenen Materialien dem Dirigenten Gerd Schaller, der sich schon seit Jahrzehnten in Theorie und Praxis mit Bruckner und seinem Werk befasst, keine Ruhe: Mehrfach führte er die Neunte mit Bruckners Te Deum anstelle eines vierten Satzes auf (wie der Komponist es nach Aussagen von Zeitgenossen selbst vorgeschlagen haben soll), oder ließ Komplettierungen diverser Musikwissenschaftler spielen – auch im Rahmen des Ebracher Musiksommers. Nie fand er jedoch eine Version, die ihn vollständig befriedigte.

    Vergessene Stücke

    Nun ist Schaller ein eher untypischer Dirigent, dem es nämlich nicht vor allem darum geht, möglichst viel Repertoire auf möglichst vielen CDs festzuhalten: Er möchte vielmehr in die Tiefe gehen, möchte die Musik, die er dirigiert, so genau wie möglich kennenlernen. Dafür beschäftigt er sich auch gerne mal mehrere Jahre lang sehr intensiv mit dem einen oder anderen Komponisten, sucht nach unbekannten Werken und hat auch bereits mehrere moderne Erstaufführungen von Stücken dirigiert, die seit ihrer Entstehungszeit vergessen waren.

    Im Laufe der vergangenen Jahre hat er sich mit dieser Gründlichkeit, diesem Interesse am Unbekannten nun insbesondere einen hervorragenden Ruf als Brucknerdirigent erarbeitet, wurde mehrfach für seine Arbeit an den Bruckner‘schen Symphonien – insbesondere in selten oder nie gespielten Fassungen – ausgezeichnet und gilt inzwischen international als einer der führenden Brucknerspezialisten.

    So nahm er denn auch hinsichtlich der Neunten die Dinge selbst in die Hand, sichtete im Laufe zweier Jahre sämtliche verfügbaren Quellen und Fragmente, und begann schließlich eine eigene Komplettierung zu erstellen. In diese flossen nicht nur seine musiktheoretischen und -historischen Kenntnisse ein, sondern gerade auch seine enorme dirigentische Erfahrung mit Bruckners Werk.

    Gründlich überarbeitet

    Eine erste Fassung dieser Komplettierung, die er im Konzert bereits vor zwei Jahren einem Praxistest unterzogen hatte, wurde von Schaller inzwischen noch einmal gründlich überarbeitet und diese revidierte Version möchte er seinem – ja schon sehr Bruckner-erfahrenen – Ebracher Publikum nun auch gerne im Konzert vorstellen und auf CD einspielen. Soeben erschien diese bislang unerhörte Fassung übrigens auch als Partitur bei einem Berliner Verlagshaus.

    Bearbeitet von Gabriele Kriese

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