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    Schweinfurt

    Brückeneinsturz bei Schraudenbach: Waren Ausführungsmängel die Ursache?

    Im Prozess um den Einsturz der neuen Autobahnbrücke bei Schraudenbach im Juni 2016 kommt ein zweiter Gutachter zu Wort – und zu einem anderen Ergebnis als die Kollegin.
    Das Traggerüst der Autobahnbrücke bei Schraudenbach stürzte am 15. Juni unter dem Gewicht frischen Betons ein. Sind die drei angeklagten Statiker verantwortlich für das vermeidbare Unglück? Foto: Berthold Diem

    Mitte Juni 2016 stürzte Abschnitt drei der neuen Autobahnbrücke bei Schraudenbach (Lkr. Schweinfurt) während des Betonierens plötzlich ein. 14 Bauarbeiter wurden bei dem Unglück 22 Meter in die Tiefe gerissen, einer starb und 14 wurden teils schwer verletzt. Bei der Suche nach der Ursache und den Verantwortlichen identifizierte die vom Gericht beauftragte Sachverständige aus Weimar in ihrem Gutachten drei Ingenieure.

    Fehler schon in der Planung ?

    Einer hatte die Statik für die Baufirma berechnet, einer war von der Autobahndirektion Nordbayern beauftragt, diese zu prüfen – und hatte mit dieser Aufgabe einen dritten Ingenieur einer anderen Firma beauftragt. Laut Anklage hätte er diese Arbeit im eigenen Büro erledigen müssen. Diese drei Statiker müssen sich derzeit vor dem Landgericht Schweinfurt wegen fahrlässiger Tötung in einem und fahrlässiger Körperverletzung in 14 Fällen verantworten. Nach Auffassung der Gutachterin war ein Traggerüst schon in den Plänen unterdimensioniert berechnet worden, was zu dem Unglück geführt habe. Doch die Angeklagten wiesen von vorneherein alle Schuld zurück.

    Einer der Angeklagten hatte selbst ein Gutachten bei einem Sachverständigen aus Kassel in Auftrag gegeben, der dann ebenfalls gerichtlich bestellt wurde. Dieser kam nun am vierten Verhandlungstag bei der Präsentation seines Gutachtens zu dem Schluss, die Brücke sei nicht wegen falscher statischer Berechnungen eingestürzt, sondern weil einige Stäbe zur Stabilisierung eines Traggerüstes nicht eingebaut gewesen seien und eine Joch-Befestigung gefehlt habe. Außerdem sei kein Druckkontakt durch Anpressen mit dem fertigen Überbau vorhanden gewesen.

    Abweichungen im Traggerüst

    Die Ausführung habe jedenfalls nicht mit der Zeichnung übereingestimmt. Der 60-jährige Gutachter monierte demnach erhebliche Unterschiede zur Planung.  Die Berechnungen der Weimarer Sachverständigen hielt er nicht für geeignet, die wirkliche Traglast des Gerüstes darzustellen, weshalb er diese "als Grundlage der Anklage in Zweifel" ziehe.

    Damit tritt jetzt offen zutage, was sich schon am ersten Verhandlungstag abgezeichnet hat: ein offener Streit zweier Gutachter, die zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Unglücksursache und damit auch der Verursacher kommen. Sitzen nach Auffassung der Weimarer Sachverständigen die Richtigen auf der Anklagebank, sind es – folgt man dem Kasseler Fachmann – die Falschen. Nach seinem Ergebnis sind die Ausführenden beim Traggerüstbau deutlich von den Vorgaben abgewichen, Diagonalstäbe seien nicht eingebaut worden und Befestigungen hätten gefehlt. Kurz: "Riesige Unterschiede zur Planung." Die Bauausführenden hätten demnach "Lösungen finden müssen, um diese Mängel zu heilen".

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