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    Gerolzhofen

    Brunnenwasser hat häufig noch zu viel Nitrat

    Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz bespricht am Labormobil die Untersuchungsergebnisse einer Wasserprobe, die eine Brunnennutzerin abgegeben hat. Foto: Lennart Hoster

    Der VSR-Gewässerschutz e.V war am 10. September mit seinem fahrenden Wasserlabor auf dem Marktplatz von Gerolzhofen zu Gast. Jetzt liegen die Untersuchungsergebnisse der Wasserproben aus privaten Brunnen vor, die von Bürgerinnen und Bürgern aus der Region dort zur Untersuchung abgegeben worden waren. In einem Drittel der Proben war bei der Nitratbelastung der Grenzbereich überschritten.  

    Der VSR-Gewässerschutz e.V. entstand im Jahr 1980 als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen im Rhein-Einzugssystem. Sein damaliger Name "Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse" beschrieb auch das Programm. Mit der Zeit änderte sich der Arbeitsbereich. Seit 2000 werden auch Aktionen und Messfahrten im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Deshalb wurde der Name in "VSR-Gewässerschutz" geändert. Das "VSR" erinnert allerdings noch an den Ursprung des Vereins.

    Insgesamt wurde das Wasser von 46 privat genutzten Brunnen analysiert. Ziel war es, herauszufinden, ob das eigene Brunnenwasser für das Befüllen des Planschbeckens oder Schwimmingpools, zum Gießen des Nutzgartens, als Tränkwasser für Haustiere oder sogar zum menschlichen Genuss geeignet ist. "Jeder dritte Brunnenbesitzer wurde enttäuscht und musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm Nitrat pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist", heißt es in einer Pressemitteilung, die der Verein VSR-Gewässerschutz jetzt verteilt hat. 

    Spitzenwert in Traustadt

    Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz, und Lennart Hoster, ein Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst, fanden bei der Untersuchung der Brunnenwässer als Spitzenwert eine Belastung von 119 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Traustadt. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen gibt es in Gernach mit 78 Milligramm pro Liter, in Herlheim mit 94 Milligramm, in Gerolzhofen mit 112 Milligramm, in Schallfeld mit 80 Milligramm, in Lülsfeld mit 108 Milligramm und in Volkach ebenfalls mit 108 Milligramm. Grundsätzlich habe sich die Nitratbelastung im Boden in den vergangenen Jahren aber verringert, sagt Gülzow. Konzentrationen von 400 bis 500 Milligramm pro Liter wie früher kämen heutzutage nicht mehr vor.

    Im Lauf der Jahre haben Gülzow und seine Mitarbeiter umfangreiche Datenmengen erfasst. „In Franken haben wir bei unseren Messungen immer wieder hohe Nitratbelastungen im Grundwasser festgestellt“, sagt Gülzow in einem Gespräch mit der Main-Post und macht dafür Massentierhaltungen und Biogasanlagen verantwortlich. Die würden dazu führen, dass zu viel Nährstoffe anfallen, die in Form von Gülle und Gärresten auf den Feldern aufgebracht werden. Und in Regionen, in denen großflächig Gemüse angebaut wird, komme es ebenfalls regelmäßig zu Grundwasserbelastungen. „Die Gefahr der Auswaschung von Nitrat ist bei den meisten Gemüsekulturen deutlich höher als bei Weizen oder Mais“, erklärt Gülzow. 

    Für die Verbraucher hat Gülzow einen einfachen Ratschlag: Die Gemüsebauern vor Ort unterstützen, nicht industriell erzeugte Ware kaufen, sondern die Produkte, die vor Ort wachsen. Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen.

    Algen im Gartenteich

    Das Problem mit Nitrat im Trinkwasser: Aus Nitrat kann im menschlichen Körper Nitrit werden, das sich in Kombination mit weiteren Stoffen im Tierversuch als krebserregend herausgestellt hat. Am Informationsstand in Gerolzhofen und auch bei der anschließenden telefonischen Beratung habe sich gezeigt, dass viele Brunnenbesitzer über die Nitratbelastungen in der Region wütend sind. "Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist", teilt der Verein mit. Ärgerlich sei insbesondere, dass das Wasser mit hoher Nitratbelastung nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet sei. "Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen."

    Und auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen. Der einzelne Brunnenbesitzer könne dies vermeiden, wenn er die Nitratbelastung des Brunnenwassers in seine Düngeberechnung einbezieht. Hierfür ist es allerdings dringend nötig, die Nitratkonzentration im Brunnenwasser zu kennen. Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation hat auf ihrer Homepage www.vsr-gewässerschutz.de viele Tipps rund um das Thema Brunnenwasser zusammengestellt. Hier findet man auch Informationen, wie man den durch Gießwasser zugeführten Stickstoff ausrechnet.

    Regionalen Vermarktern Chance geben

    „Die Agrarlobby sorgte über Jahrzehnte dafür, dass so gedüngt werden durfte, dass auf den Feldern die höchst möglichen Erträge erzielt werden können und die Gülleentsorgung der Massentierhaltungen möglichst geringe Kosten verursacht“, wird Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR- Gewässerschutz, in der Pressemitteilung zitiert. So seien auch im Raum Gerolzhofen viel zu hohe Düngemengen aufgebracht worden. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft zu immer größeren Betrieben gebe es einen extremen Preisdruck auf die bäuerliche Landwirtschaft. Teilweise versuche diese mit den großen Betrieben mitzuhalten und genau so günstig zu produzieren. "Leider kam es dadurch ebenfalls zu starken Grundwasserbelastungen." Doch eine regionale Vermarktung stelle nun für diese Betriebe eine gute Chance dar, wieder stärker die Lebensmittelqualität und eine umweltverträgliche Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.

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