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    Gerolzhofen

    CBD aus Cannabis: Wie legal ist es?

    Im Gerolzhöfer Blumenladen "Geo flora" werden in der Unterabteilung "ambiente" auch CBD-Produkte angeboten. Im Bild Inhaberin Christine Göpfert (rechts) und ihre Mitarbeiterin Alicia Wietzorek.  Foto: Klaus Vogt

    Cannabidiol, kurz CBD, ist derzeit in aller Munde. Als medizinisches Wundermittel aus der Hanfpflanze preisen es die einen an. Als überschätzten Hype tun es die anderen ab. In Gerolzhofen gibt es nun im Blumenladen "GEO Flora" in der Rügshöfer Straße neben Blumen und Gestecken in der Unterabteilung "ambiente" auch eine Vielzahl an CBD-Produkten.

    Doch wie wirken diese neuartigen Mittel? Und sind sie wirklich legal? Was ist der Unterschied zu Cannabis? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

    Die Inhaberin des Ladens in der Rügshöfer Straße, die gelernte Floristin Christine Göpfert, erklärte bei der Eröffnung ihres Geschäfts, sie selbst habe am eigenen Leib erlebt, wie gut Cannabidiol ihr persönlich helfe, mit Kopfschmerzen und anderen Beschwerden des Alltags umzugehen. Bisher gab es jedoch noch keine Möglichkeit, das CBD direkt vor Ort in Gerolzhofen zu erwerben. Daher beschloss sie, diese Marktlücke selbst zu schließen. Der Erfolg gibt ihr Recht. Das Geschäft läuft gut. Übrigens: Ihr Sohn betreibt in Schweinfurt ebenfalls einen Laden mit CBD-Produkten. Dort hat dieser Tage auch noch eine Filiale des Würzburger Unternehmens "Cannameleon" mit Cannabis-Produkten eröffnet. 

    Was ist CBD?

    Cannabidiol (CBD) ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein nicht psychoaktiv wirkendes Cannabinoid, das in der weiblichen Hanfpflanze enthalten ist. Laut WHO konnte CBD bislang effektiv in der Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Die WHO geht aber davon aus, dass sich in Zukunft zahlreiche weitere Anwendungsfelder für CBD finden werden.

    Wie wirkt CBD?

    Im Gegensatz zum illegalen Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der ebenfalls in der Cannabis-Pflanze enthalten ist, wirkt CBD nicht berauschend. Laut WHO konnte bislang auch kein suchtgefährdender Effekt festgestellt werden. Vielmehr wird Cannabidiol eine entkrampfende, angstlösende, schmerzlindernde und durch seine Gamma-Linolensäure auch entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Nutzer berichten außerdem davon, dass es gegen Übelkeit helfen soll.

    Die tatsächlichen therapeutischen Eigenschaften von CBD werden laut WHO derzeit noch getestet. Da CBD auch Nebenwirkungen, wie etwa Müdigkeit und Benommenheit, mit sich bringen kann, ist beim Konsum auf die auf den Verpackungen beschriebene richtige Anwendung und Dosierung zu achten.

    Welche CBD-Produkte gibt es?

    CBD wird im Handel in den verschiedensten Formen und Varianten angeboten. Bei Christine Göpfert in ihrem "ambiente" gibt es Cannabidiol beispielsweise in Form von Seife, Haarshampoo, Parfüm, Creme und Lotionen. CBD enthalten aber auch Muffins, Kekse und andere Süßigkeiten. Tropfen in verschiedenen CBD-Konzentrationen zum Einnehmen, Öle mit kühlender oder wärmender Wirkung zum Einreiben, Tees zum Trinken und Blüten zum Rauchen oder Inhalieren runden das Angebot ab.  

    Wie wird CBD konsumiert?

    Damit CBD bei körperlichen Beschwerden schnell wirkt, wird es oft über die Schleimhäute aufgenommen. Öle werden unter die Zunge getröpfelt, um dort für ein bis zwei Minuten einzuwirken. Die Einnahme funktioniert auch über die Magenschleimhaut, dauert dort jedoch deutlich länger. Manche CBD-Produkte können zudem über einen Verdampfer inhaliert werden. Eine Vielzahl von CBD-Artikeln wirkt über die Haut.

    Ist CBD legal?

    Ja, CBD ist legal - aber nur dann, wenn das Produkt ausschließlich Cannabidiol (also CBD) enthält und kein Tetrahydrocannabinol (THC). THC, ebenfalls ein Bestandteil in der Hanfpflanze, ist eine psychoaktive Substanz, die zu den Cannabinoiden zählt. Ihr Konsum ist in Deutschland illegal. Wenn in CBD-Produkten noch Spuren von THC enthalten sind, wird es rechtlich schwierig.

    Hubertus Krause, Fachanwalt für Strafrecht in der Schweinfurter Kanzlei Blatt & Kollegen, sagt: "Der Besitz von nur CBD-haltigen Produkten ist nicht strafbar." Kompliziert wird die rechtliche Situation aber, wenn das CBD-Produkt einen – wenn auch nur geringen – Anteil von THC enthält.

    Es gilt hier folgende Regelung: Produkte mit einem THC-Gehalt von bis zu maximal 0,2 Prozent darf man aufgrund einer Ausnahmeregelung im Betäubungsmittelgesetz straffrei besitzen - wenn es sich um bereits weiterverarbeitete Produkte (wie Kosmetika) handelt und die nicht für den Konsum bestimmt sind. Diese Ausnahme greift allerdings nicht für noch unverarbeitete Produkte, die dem Konsum dienen, betont der Rechtsanwalt. Wer also beispielsweise unverarbeitete CBD-haltige Blüten besitzt, kann sich nach aktuellem Stand strafbar machen, wenn die Blüten auch Spuren von THC enthalten - selbst wenn der Gehalt unter 0,2 Prozent liegen sollte. 

    Die Polizei reagiert in der Praxis auf diese Regelung. "In der Vergangenheit konnten bereits wiederholt relevante THC-Mengen in vermeintlich legalen CBD-Produkten festgestellt werden, so dass die Polizei im Zweifelsfall dazu verpflichtet ist, der Staatsanwaltschaft eine entsprechende Strafanzeige zur Prüfung vorzulegen", erklärt Andy Laacke vom Polizeipräsidium Unterfranken.

    Auch Christine Göpfert von "GEO flora" kennt die gesetzlichen Vorgaben. Sie versichert: "Wir halten uns selbstverständlich strikt daran." Es gibt allerdings andere Anbieter von Hanfblüten, beispielsweise im Intershops, die verweisen darauf, dass ihre angebotenen Blüten einen THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent haben. Sie interpretieren die aktuelle Gesetzeslage so, dass die Ausnahmeregelung im Betäubungsmittelgesetz auch für Blüten gilt.

    Darf man unter Einfluss von CBD Auto fahren?

    Da CBD nicht psychoaktiv wirkt, wird es laut Rechtsanwalt Krause aktuell nicht als relevant für die Fahrtauglichkeit angesehen. Auch hier sei wieder auf die Problematik hinzuweisen, dass manches CBD-Produkt auch Spuren von THC enthalten kann, was im Straßenverkehr definitiv nicht erlaubt sei. Und das Polizeipräsidium Unterfranken ergänzt: "Auch wenn es sich bei CBD nicht um ein Betäubungsmittel handelt, kann die Einnahme eines sedierend wirkenden Stoffs unter Umständen eine Strafbarkeit beim Führen eines Kfz begründen."

    Wie sollte man sich mit CBD bei einer Polizeikontrolle verhalten?

    Findet die Polizei bei einer Kontrolle Stoffe, die aussehen, als könnte es sich um Marihuana oder Cannabis handeln oder wenn auch sonst Unklarheit über Hersteller oder Inhalt aufkommt, müssen Betroffene laut Rechtsanwalt Krause prinzipiell mit einer Anzeige und der Sicherstellung der Stoffe durch die Polizei rechnen. Im Anschluss würden dann Wirkstoffmenge und Wirkungsgrad getestet. Hier spiele es keine Rolle, ob die Produkte "legal" in einem CBD-Shop erworben worden sind. Anders sei dies bei eindeutig weiterverarbeiteten und nicht dem Konsum dienenden Produkten wie etwa Kosmetika.

    "Bislang gibt es noch sehr wenig Erfahrungswerte zu solchen Ermittlungsverfahren. Wie man mit einer denkbaren Anzeige umgeht, sollte unter Zuziehung eines Verteidigers anhand der konkreten Umstände entschieden werden."

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