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    Oberwerrn

    CSU als ethische Kompassnadel der Gesellschaft

    Fehlender Respekt und zweifelhafte Haltung: CSU-Generalsekretär Markus Blume analysierte in Oberwerrn den Zustand der Gesellschaft. Die politischen Gegner schonte er nicht.
    CSU-Generalsekretär Markus Blume analysierte in Oberwerrn den Zustand der Gesellschaft und sprach ein Plädoyer für die politische Mitte.
    CSU-Generalsekretär Markus Blume analysierte in Oberwerrn den Zustand der Gesellschaft und sprach ein Plädoyer für die politische Mitte. Foto: Josef Schäfer

    Auf der politischen Bühne fühlt sich die CSU angesichts des Zustands der meisten anderen Parteien gestärkt. Beim "Politischen Aschermittwoch am Tag danach" in Oberwerrn allerdings verzichtete Generalsekretär Markus Blume, kraft Amtes eigentlich für markige Worte zuständig, auf Triumph-Attitüden. Eher sachlich, garniert mit manchem Schlagwort, analysierte Blume den Zustand der Gesellschaft, in der jeder aufgerufen sei, kritisch seinen Kompass zu überprüfen. Die CSU, das wurde in seiner Rede klar, versteht er als ethische Kompassnadel, die die Richtung vorgeben will. Es geht ihm um Respekt, Haltung und Zukunft. Verbale Attacken gegen die politischen Mitbewerber gab es dennoch.

    Wertschätzung für Leistungsträger

    Blume fehlt es an Respekt und Wertschätzung im gesellschaftlichen Umgang. Er selbst respektiere junge Menschen, die für das Klima auf die Straße gehen, erwartet aber umgekehrt von ihnen auch Respekt vor vorangegangenen Generationen, die das Land aufgebaut hätten: "Fünf Tage zur Arbeit zu gehen, muss mehr gelten als fünf Tage zu demonstrieren", sagte Blume. Damit einher ginge auch die Wertschätzung für Leistungsträger. Womit Blume beim Koalitionspartner SPD ankam. Angesichts übervoller Staatskassen überlege sie nur, welche Steuern man noch eintreiben könne. "Ein grundfalscher Weg", sagte Blume. In solchen Zeiten müsse man das Geld zu denjenigen bringen, die es erwirtschaftet haben. Aus CSU-Sicht sind das Unternehmen und Handwerker.

    Eigentum, so der CSU-Generalsekretär, müsse unterstützt und dürfe nicht diskreditiert werden. Beispiel Landwirtschaft, die generell "unter Feuer" stehe. Die Bauern erwarteten Respekt für ihre Sorge um die Kulturlandschaft und die Produktion von Lebensmitteln. Stattdessen würden sie "an den Ökopranger gestellt". Wer etwas ändern wolle, müsse bei sich selbst anfangen, gab Blume den Kritikern mit auf den Weg.

    Blume: "Feldzug gegen das Auto"

    Angesichts der Zukunftsgestaltung kritisierte Blume das Schlechtreden der wirtschaftlichen Zustände: "Verdammt noch mal. Wir leben in den besten Zeiten, die dieses Land je gesehen hat." Deswegen wehre er sich gegen einen "Feldzug gegen Auto und Verbrennungsmotor"; es sei ein Riesenfehler und ein "selbstzerstörerischer Umgang" mit der deutschen Leitindustrie. In diesem Zusammenhang erwähnte er die Grünen. Es gehe vielmehr darum, die Technik zu verbessern. Angst vor neuen Technologien sei kein guter Ratgeber, vielmehr dürfe sich Deutschland in diesem Punkt nicht abhängig von anderen Ländern machen.

    Haltung bildete die dritte Säule in seinen Ausführungen. Blume, der an diesem Abend viermal Franz-Josef Strauß zitierte, war hier eher in seinem Element als Generalsekretär und beschäftigte sich mit den politischen Gegnern, vor allem "an den Rändern". Auch wenn die Grünen in diesem Kontext wegen mangelnder Ideologiefreiheit und Doppelzüngigkeit beim Klimaschutz gleich mehrfach mit abgewatscht wurden.

    Bröckelnde Ränder der Politik

    Das Wahlergebnis in Thüringen sei deshalb ein Problem, rechnete Blume vor, weil "die rechten und linken Ränder" erstmalig mathematisch in der Mehrheit seien. Die AfD bilde wegen mangelnder Distanz zu rassistischen Äußerungen und Nazis in der Partei den geistigen Nährboden "für schreckliche Taten"; zu Beginn der Veranstaltung hatten die Besucher in einer Schweigeminute den Opfern des rassistischen Anschlags von Hanau gedacht. Der AfD müsse politisch das Handwerk gelegt werden, sie dürfe im Land niemals das Sagen haben, sagte Blume unter großem Applaus.

    Aber auch die Linke beleuchtete Blume: Sie sei nach wie vor die Nachfolgepartei der SED. Er warf dem Thüringer Ex-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow vor, dass  seine Partei bislang nicht "vom Unrechtsstaat DDR abgerückt" sei. Blumes Botschaft: Die Wähler sollen "die Kräfte der Mitte stärken".

    Eck als Einpeitscher

    Über der Veranstaltung lag eine seltsame Art von Emotionslosigkeit, wie sie dort zuvor nicht oft zu spüren war. Vielleicht lag es an der 45-minütigen Verspätung Blumes wegen des starken Schneefalls , währenddessen verschiedene Redner und die Musikkapelle die Wartezeit überbrückten. Lediglich Gerhard Eck sorgte am Ende als Einpeitscher für Landratskandidat Lothar Zachmann und die örtliche Bürgermeisterbewerberin Jennifer Köhler für aufwallende Stimmung.

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