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    Schweinfurt

    Cannabis-Hype CBD in Schweinfurt: Wie legal ist es wirklich?

    "Hanfblütentees" wie hier links im Bild gibt es nun auch in Schweinfurt anscheinend legal zu kaufen. Foto: Thomas Obermeier

    CBD ist derzeit in aller Munde. Als medizinisches Wundermittel preisen es die einen an. Als überschätzten Hype tun es die anderen ab. Spätestens seit nun auch in Schweinfurt eine Filiale des Würzburger Unternehmens "Cannameleon" die Cannabis-Produkte direkt am Marktplatz offen anpreist, ist das Thema auch in Schweinfurt nicht mehr wegzudenken. Doch wie wirken diese neuartigen "Genussmittel"? Und sind sie wirklich legal? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

    Was ist CBD?

    Cannabidiol (CBD) ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein nicht psychoaktiv wirkendes Cannabinoid, das in der weiblichen Hanfpflanze enthalten ist. Laut WHO konnte CBD bislang effektiv in der Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Die WHO geht davon aus, dass sich in Zukunft zahlreiche weitere Anwendungsfelder für CBD finden werden.

    Wie wirkt CBD?

    Im Gegensatz zum Wirkstoff THC wirkt CBD nicht berauschend. Laut WHO konnte bislang auch kein suchtgefährdender Effekt festgestellt werden. Vielmehr wird Cannabidiol eine entkrampfende, angstlösende und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Nutzer berichten außerdem davon, dass es gegen Übelkeit helfe. Die tatsächlichen therapeutischen Eigenschaften von CBD werden laut WHO derzeit getestet.

    Welche CBD-Produkte gibt es?

    CBD wird im Handel in den verschiedensten Formen und Varianten angeboten. So gibt es Cannabidiol im Schweinfurter "Cannameleon" etwa in Form von Ölen, Kaugummis, in Blütenform oder als Cremes zu kaufen. 

    Wie wird CBD konsumiert?

    CBD wird oft über die Schleimhäute aufgenommen. Öle werden also unter die Zunge getröpfelt, um dort für ein bis zwei Minuten einzuwirken. Die Einnahme funktioniert auch über die Magenschleimhaut, dauert dort jedoch deutlich länger. Manche CBD-Produkte können zudem über einen Verdampfer inhaliert werden. 

    Ist CBD legal?

    Diese Frage, ob CBD legal ist, wird von verschiedenen Seiten unterschiedlich beurteilt:

    • Das sagen die Betreiber von Cannameleon: "Unsere Nutzhanfblütentees bestehen ausschließlich aus EU zertifiziertem Saatgut. Die rechtliche Lage befindet sich keineswegs in einer Grauzone, sondern ist klar geregelt! Das deutsche Gesetz sieht den Verkauf von Erzeugnissen aus der Nutzhanfpflanze (unter 0,2% THC) als unbedenklich an. Voraussetzung hierbei ist, dass der Hanf verarbeitet wurde und der Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen ist. Wir von Cannameleon halten uns streng an die gesetzlichen Vorgaben! Transparenz war uns von Anfang an wichtig und die Rückmeldungen unserer Kunden (unter ihnen viele kranke Menschen) geben uns mehr als Recht."
    • Das sagt die Polizei: "Polizeilich kann lediglich darauf hingewiesen werden, dass in der Vergangenheit bereits wiederholt relevante Mengen von THC in vermeintlich legalen CBD-haltigen Produkten festgestellt werden konnten, so dass die Polizei im Zweifelsfall dazu verpflichtet ist, der Staatsanwaltschaft eine entsprechende Strafanzeige zur Prüfung vorzulegen", erklärt Andy Laacke vom Polizeipräsidium Unterfranken.
    • Das sagt ein Anwalt: Hubertus Krause, Fachanwalt für Strafrecht von der Schweinfurter Kanzlei Blatt & Kollegen, interpretiert den Sachverhalt folgendermaßen: "CBD als solches wirkt nicht psychoaktiv. Der Besitz von nur CBD-haltigen Produkten ist im Gegensatz zu THC nicht strafbar." Schwierig sei hingegen die rechtliche Situation, wenn die CBD-Produkte einen – wenn auch nur geringen – Anteil THC enthalten. Zwar gebe es für Produkte mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2 Prozent eine Ausnahmeregelung des Betäubungsmittelgesetzes. Dies gelte jedoch nicht für den Besitz solcher Produkte, die Konsumzwecken dienen, besonders, wenn sie unverarbeitet sind, insbesondere beispielsweise für Blüten. Wer also entsprechende Produkte besitze, könne sich nach aktuellem rechtlichen Stand strafbar machen. Anders sehe dies bislang bei weiterverarbeiteten Produkten wie Kosmetika und Textilien aus, die nicht dem Konsum dienen. "Mit THC-freien CBD-Produkten ist man zumindest aktuell auf der sicheren Seite."

    Wie steht die Polizei dem "Cannameleon"-Shop in Schweinfurt gegenüber?

    In einer schriftlichen Mitteilung heißt es hierzu lediglich: "Nachdem diese Substanzen seit Kurzem in einem Shop in Schweinfurt verkauft werden, ist CBD zwangsläufig ein Thema für die Polizei in Schweinfurt." Erst auf erneute Anfrage präzisiert Pressesprecher Laacke: "Für uns ist das Thema neu. Wir warten auf Antworten vom Justizministerium." Zu taktischen Überlegungen wolle man ansonsten keine Angabe machen.

    Darf man unter Einfluss von CBD Auto fahren?

    Da CBD nicht psychoaktiv wirkt, wird es laut Rechtsanwalt Krause aktuell nicht als relevant für die Fahrtauglichkeit angesehen. "Auch hier ist aber wieder auf die Problematik hinzuweisen, dass nicht jedes CBD-Produkt nur aus reinem Cannabidiol besteht und somit Spuren von THC enthalten kann, das im Straßenverkehr definitiv nicht erlaubt ist." Anders als bei CBD, das bei Kontrollen nicht getestet würde, könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass ein Drogentest daher theoretisch auf THC, bzw. genauer gesagt dessen Abbauprodukte, reagieren und zu weiteren Maßnahmen führen könne. Das Polizeipräsidium Unterfranken ergänzt: "Auch wenn es sich bei CBD nicht um ein Betäubungsmittel handelt, kann die Einnahme eines sedierend wirkenden Stoffs unter Umständen eine Strafbarkeit beim Führen eines Kfz begründen."

    Wie sollte man sich mit CBD bei einer Polizeikontrolle verhalten?

    Findet die Polizei bei einer Kontrolle Stoffe, die aussehen, als könnte es sich um Marihuana oder Cannabis handeln oder wenn auch sonst Unklarheit über Hersteller oder Inhalt aufkommt, müssen Betroffene laut Krause prinzipiell mit einer Anzeige und der Sicherstellung der Stoffe rechnen. Im Anschluss würden dann Wirkstoffmenge und Wirkungsgrad getestet. Hier spiele es keine Rolle, ob die Produkte "legal" erworben worden sind. Anders sei dies bei eindeutig weiterverarbeiteten und nicht dem Konsum dienenden Produkten wie etwa Kosmetika. "Bislang gibt es noch sehr wenig Erfahrungswerte zu solchen Ermittlungsverfahren. Wie man mit einer denkbaren Anzeige umgeht, sollte unter Zuziehung eines Verteidigers, anhand der konkreten Umstände entschieden werden."

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