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    Schweinfurt

    Celtis-Gymnasium: Leben wie im alten Rom

    Schaulaufen für den Einsatz im Olymp. Die P-Seminaristen des Celtis-Gymnasiums hatten sich in römische Götter verwandelt. Foto: Anand Anders

    "Wie oft war Julius Cäsar verheiratet?" Drei Mal, verrät Lea Ernst, die an diesem Vormittag Göttin Minerva darstellt und ein Kleid im Stil der großen Zeit des alten Rom trägt. Die Fünftklässler des Celtis-Gymnasiums, allesamt beinahe am Ende ihres ersten Schuljahres mit dem Fach Latein, haben zwar nicht alle die richtige Antwort in die Wachstäfelchen gekratzt, aber sie stehen ja auch noch am Anfang ihrer Rom-Erfahrungen. Davon konnten sie am Mittwoch und Donnerstag reichlich machen, denn  ein P-Seminar des Gymnasiums (zehn Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse) führte unter Regie ihrer P-Seminar Lehrerin Susanne Ledermann erstmals "Römertage" am Celtis-Gymnasium durch.          

    Minerva, Göttin der Künste und der Wissenschaft, zeigt den Kindern, wie so ein Spielplan für die römische Rundmühle gefaltet wird. Foto: Helmut Glauch

    Zu diesem Zweck haben sich die Seminaristen in historische Schale geworfen und sind in die Rollen der wichtigsten Götter der römischen Mythologie geschlüpft, haben mit viel Zeit und Aufwand Kostüme geschneidert, Spiele und so manches Quiz rund um die Welt der Lateiner zusammengestellt. Ein Brand in einer Kurie – der Täter ist unbekannt – ist der spannende Ausgangspunkt für die Zeitreise in das alte Rom und seine Gepflogenheiten. Zwei Räume im Schulhaus verwandeln sich für diese beiden Tage in Therme und Tempel, die Turnhalle wird wahlweise zum Olymp und zum römischen Militärlager,der Vorplatz im Eingangsbereich zum historischen Klassenzimmer.    

    Historisches Schreibgerät. In Holz gefasste Wachstafeln waren das Schulheft im alten Rom. Mit Griffeln wurden die Ziffern eingeritzt. Foto: Helmut Glauch

    Dort haben inzwischen Amor (Sabrina Härtinger) und Minerva, Göttin der Künste und der Wissenschaft, begonnen, den Kindern dabei zu helfen, sich selbst eine "römische Rundmühle" zu basteln. Ein einfaches Spiel zwischen historischem Tic-Tac-Toe und dem heute bekannten Spiel Mühle, das viele Römer immer in der Tasche hatten, um zwischendurch ein schnelles Spielchen zu wagen. Zuvor haben sie die Quiz-Antworten, wie zum Beispiel die rund um den Schwerenöter Julius Cäsar, stilecht mit einem Griffel in eine Wachstafel geritzt.   

    Schutz und Schild werden eins

    Im Militärlager ermitteln unterdessen die Gründerväter Roms, Romulus und Remus, in einer Mischung aus Fangen und Zirkeltraining, die tüchtigsten Fänger. Mit Soldaten-Schildern, die man sich aus Sömmersdorf von den Passionsspielen ausgeliehen hat, können die Kinder den nicht nur aus den Asterix-Bänden berühmten "Schildkröten-Schutzpanzer" üben, in dessen Schutz sich römische Legionäre einst gerne auf ihre Feinde zubewegten – oder eben ganz schnell weg, falls die Gegner zufällig Zaubertrank intus hatten.  

    Ave Cäsar oder auf in den Kampf. Die Göttinnen Venus (links) und Diana (rechts) luden sozusagen zur römischen Modenschau. So wurden zum Beispiel ein Senator und ein Legionär eingekleidet. Foto: Helmut Glauch

    Im Tempel erfahren die Kinder viel über die sozialen Verhältnisse im alten Rom, die so sozial gar nicht waren. Zwischen Patriziern und Plebejern, also arm und reich, klaffte seinerzeit die Schere weit auseinander. Kaum Chancen auf Bildung für die Kinder der armen Leute, schon gar nicht, wenn sie als Sklaven gehalten wurden. Auch Alter, Beruf und Geschlecht spielten eine Rolle. Parallelen zum 21. Jahrhundert, so könnte man nicht ohne Häme meinen, sind rein zufällig.

    Ein Senator wird eingewickelt

    In der Therme haben die Göttinnen Diana (Annalena Full) und Venus (Nele Schäflein) eine ganz andere Botschaft. Ein Senator und ein Legionär werden eingekleidet, die Göttinnen höchstselbst präsentieren den modisch letzten Schrei aus dem alten Rom. Warum reiche Männer Sklaven brauchten, wird schon beim Einkleiden des Senators klar. Nie hätte es so ein reicher Würdenträger alleine geschafft, das meterlange Tuch ohne Hilfe um sich herum zu winden und dann auch noch den richtigen Faltenwurf zu finden, um seine Arme nutzen zu können.

    Ein paar Linien, ein paar Spielsteinchen und fertig ist die "Mühle to go". Foto: Helmut Glauch

    Der Legionär wird inzwischen in Lederwams samt eingearbeiteten "Sixpack" und Brustpanzer geschnallt. Mehr als 30 Kilogramm hatte so ein armer Soldat mit sich herumzuschleppen. Dazu kamen noch die damals üblichen Waffen.  An jeder Station erfahren die Fünftklässler, die statt normalem Unterricht "Römertag" haben, nicht nur viel über das einstige Weltreich, sondern sammeln auch Hinweise auf den bald nicht mehr anonymen Brandstifter.  

    Mehr als historische Fakten und Sprache lernen

    Wer sich mit dem alten Rom und Latein beschäftigt, der lernt mehr als historische Fakten und die Sprache. Das ist auch die Einschätzung von Susanne Ledermann, die den ganzen Vormittag über das römische Treiben beobachtet und bewertet. Familiäre Strukturen, Ernährung, soziale Hintergründe, politische Strukturen – obwohl zeitlich lange her, ist vieles nah dran am aktuellen Zeitgeschehen. Aus der Geschichte lernen, Zusammenhänge verstehen und für das eigene Leben Erkenntnisse daraus ziehen – das ist sozusagen der Zugewinn der Lateinschüler.  

    Gut geschützte Fünftklässler. Gut umhüllt vom Schilderwall wurde die Verteidigungshaltung der Legionäre geübt. Foto: Helmut Glauch

    Doch wenn man von "Zuständen wie im alten Rom" spricht, meint man wohl auch, dass zumindest diejenigen, die es sich leisten konnten, auch verstanden ihr Leben zu genießen. Nach erfolgreichem Durchlauf von Schule, Tempel, Therme und Militärlager haben sich inzwischen alle Schüler in der Turnhalle im Olymp eingefunden und werden von den Göttinnen und Göttern göttlich bewirtet. Käsekuchen mit Honig, Brot, Quark, Trauben und andere leckere Sachen, die auch schon den alten Römern mundeten, und vermutlich auch ihren Göttern, werden aufgetragen. Kein Wunder, dass Götter steinalt oder gar unsterblich wurden, bei dem Vitamingehalt auf den Tellern. 

    Die normalen Römer dagegen schätzten darüber hinaus auch manchen recht zweifelhaften kulinarischen Genuss. "Geräucherte Haselmäuse in Schinken eingewickelt" sind überliefert. Manchmal hatten Asterix und Obelix in ihrer Einschätzung "Die spinnen die Römer" doch nicht so unrecht.    

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