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    Sennfeld

    Coronavirus: Glockenläuten über Grenzen hinweg

    Die Partnerschaft zwischen Sennfeld und dem italienischen Meduna di Livenza ist stark. In Zeiten der Coronakrise gibt es eine symbolische Solidaraktion.
    Eine italienische Flagge hat Sennfelds evangelischer Pfarrer um das Modell der Pfarrkirche drapiert, zum Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in der norditalienischen Partnergemeinde Meduna di Livenza.
    Eine italienische Flagge hat Sennfelds evangelischer Pfarrer um das Modell der Pfarrkirche drapiert, zum Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in der norditalienischen Partnergemeinde Meduna di Livenza. Foto: Stefan Stauch

    Ein Zeichen der Ermutigung und der Verbundenheit mit der norditalienischen Partnerstadt Meduna di Livenza in Zeiten der Corona-Krise setzen die beiden christlichen Kirchen in Sennfeld: Jeden Abend um 20 Uhr läuten hier und zeitgleich in Meduna fünf Minuten lang die Glocken zum Innehalten und zum Gebet.

    Seit Montag Abend vereinen die Glocken der katholischen Kirchengemeinde Sankt Elisabeth, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sennfeld und der katholischen Hauptkirche am Marktplatz von Meduna die Menschen beider Gemeinden und Nationen. Es geht um Solidarität, ums Danken und Bitten in diesen schwierigen Zeiten, wie es Sennfelds evangelischer Pfarrer Stefan Stauch ausdrückt.

    Idee kam von der Pfarreiengemeinschaft Sankt Christopherus

    Die Idee einer gemeinsamen Aktion wurde in der Pfarreiengemeinschaft Sankt Christophorus im Mainbogen geboren, erklärt der katholische Pastoralreferent Michael Pfrang. Angelehnt an das von der deutschen Bischofskonferenz vorgeschlagene Glockenläuten um 21 Uhr wandte er sich an Pfarrer Stauch. Dieser warb für 20 Uhr, weil "es sonst für viele Ältere zu spät würde und weil damit der Beginn der Nachrichten, der Tagesschau im Fernsehen, eingebettet wird in das Geläute."

    "Die Zeit ist egal, es geht um das Zeichen", unterstreicht Pfrang. Denn die Menschen sollen zum Innehalten und Besinnen aufgerufen werden. Auch eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen sei ein Symbol für Licht und Hoffnung in diesen Zeiten. Die gerade auch in Italien nötig ist, wo Sennfeld eine intensive Gemeindepartnerschaft nach Meduna di Livenza unterhält.

    Kontakt nach Italien über Altbürgermeister Emil Heinemann

    Den offiziellen Kontakt nach Meduna stellte der frühere Bürgermeister Emil Heinemann her, der an Bürgermeister Arnaldo Pitton schrieb und ihn bat, Pfarrer Don Luigi von der dortigen Hauptkirche zu informieren und ihn zu fragen, ob er mitmachen wolle. "Das wäre eine tolle, vielleicht für manchen Betroffenen tröstende, gemeinsame Aktion", schrieb Heinemann. "Möglichst viele Hände sollen sich falten und beten", hofft er.

    Dass die Aktion gefruchtet hat, weiß Pfarrer Stauch von den unzähligen Likes auf der Facebook-Seite der evangelischen Kirchengemeinde, darunter auch zahlreiche italienische Namen. Bürgermeister Oliver Schulze berichtet ebenfalls von einer positiven Resonanz. Er ist ständig mit seinem italienischen Amtskollegen in Kontakt und schickte ihm noch am Montag Abend Bilder aus der evangelischen Kirche, wo Pfarrer Stauch eine italienische Flagge um das Modell der Sennfelder Kirche drapiert hatte. Auf einem mitgeschickten Video waren zudem die Sennfelder Glocken zu hören.

    Im Gegenzug sandte auch Arnaldo Pitton via Whatsapp ein Video der Meduneser Glocken. Er freue sich riesig über diese Geste der Verbundenheit, übersetzte Schulze dessen Antwort. Das Läuten erzeuge ein Gefühl der Nähe, der Verbundenheit und des Zusammenstehens.

    In Meduna selbst, so der Bürgermeister, sei die Situation nicht so schlimm, nur zwei Personen seien vom Corona-Virus infiziert. Meduna in der Provinz Treviso, in der Nähe Venedigs, ist etwa 260 Kilometer von der Lombardei entfernt, in der das Virus die meisten Toten fordert. Auf jeden Fall bis nach Ostern soll das abendliche gemeinsame Glockenläuten beibehalten werden, hofft Michael Pfrang.

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