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    Schweinfurt

    DGB kämpft für ein geeintes Europa

    Vertraten leidenschaftlich ihre Forderungen für einen fairen Umgang mit Auszubildenden: Die Vertreter der DGB-Jugend bei der Kundgebung zum 1. Mai am Georg-Wichtermann-Platz. Foto: Oliver Schikora

    Die Kundgebung des DGB am Tag der Arbeit auf dem Georg-Wichtermann-Platz hat in der Arbeiterstadt Schweinfurt nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. 500 Besucher kamen, um am 1. Mai Flagge zu zeigen für Arbeitnehmerrechte. Und ein geeintes, freies, tolerantes Europa.

    Bundesweit steht der 1. Mai in diesem Jahr von DGB-Seite aus im Zeichen der am 26. Mai stattfindenden Europawahl. Der Schweinfurter DGB-Kreisvorsitzende Martin Schmidl fand entsprechend klare Worte. Im Beisein von Oberbürgermeister Sebastian Remelé, Landrat Florian Töpper und dem Linken-Bundestagsabgeordneten Klaus Ernst forderte Schmidl, man dürfe "Europa nicht den Anti-Europäern überlassen". Gerade 2019, dem Jahr, in dem sich der Überfall des nationalsozialistischen Deutschlands auf Polen als Auslöser des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal jährt, müsse man deutlich auf die Erfolge des geeinten Europas in den vergangenen Jahrzehnten hinweisen.

    Schmidl fordert ein "offenes, tolerantes, soziales Europa", man dürfe "die Idee eines geeinten Europas nicht den Rechten überlassen". Dafür bekam er viel Beifall – genauso wie für seine mahnenden Worte, dass sich die Gewerkschaften europaweit für einen europäischen Mindestlohn einsetzen müssen und werden. Der deutsche liege deutlich unter dem Niveau anderer Länder.

    DGB-Kreisvorsitzender Martin Schmidl warb bei der Kundgebung am 1. Mai in Schweinfurt für ein geeintes Europa, das sich gegen Rassismus und Ausgrenzung stellt. Foto: Oliver Schikora

    Verschiedene Redner kamen auf der DGB-Bühne zu Wort, neben der Betriebsratsvorsitzenden eines in Schweinfurt ansässigen großen Modefilialisten und eines Fridays-for-Future-Vertreters auch Frank Jauch, Gewerkschaftssekretär Nahrung Genuss Gaststätten. Er kritisierte verschiedene Unternehmen in der Region, die es aus Gewerkschafts-Sicht den Betriebsräten vor Ort nicht leicht machen. Gerade die Betriebsräte seien wichtig, um die Arbeitnehmerrechte zu vertreten.

    An die Arbeitgebervertretung der Hotellerie und Gastronomie, die DeHoGa, gewandt, kritisierte Jauch deren Forderung nach einer Flexibilisierung der Arbeitszeit. Bis zu 78 Stunden pro Woche, auch in geteilten Diensten, sollen möglich sein, "das macht Familien kaputt", so Jauch, "und ist der falsche Weg".

    Sehr eindringlich auch der Beitrag der DGB-Jugendvertretung. Lena Seufert und Christof Sauer brachten in leidenschaftlichen Reden ihre Forderungen an die Politik in Sachen Ausbildung für Lehrlinge in der Industrie auf den Punkt. Es müsse Verbesserungen beim dualen Studium, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung und deutliche Verbesserungen in Sachen Übernahme von Lehrlingen nach ihrer Ausbildung geben. Außerdem dürfe es nicht sein, dass man Ausbildungen teilweise schon nach eineinhalb Jahren beenden könne, allerdings ohne vollwertigen Abschluss.

    Lena Seufert fand klare Worte in Richtung der Bundespolitik: "Die Bundesbildungsministerin muss doch eigentlich auf unserer Seite sein, Karliczek, dieser Azubischreck", so Seufert.

    Der Schweinfurter Betriebsratsvorsitzende von Bosch-Rexroth, Sebastian Schierling, appellierte insbesondere an die Arbeitgeber, im Zusammenhang mit den anstehenden Transformationsprozessen der Industrie hin zur Elektromobilität und Digitalisierung dies gemeinsam mit den Arbeitnehmern zu tun. Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland seien keine Lösung, ebenso wenig die Verantwortung in Sachen Dieselskandal bei den betroffenen Autobauern und Zulieferern auf die Arbeitnehmer abzuwälzen.

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