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    GELDERSHEIM

    Damit Busfahren eine echte Alternative wird

    „Wenn wir die Menschen für den Umstieg vom Pkw in den Bus gewinnen wollen, dann muss das Angebot stimmen“, so Landrat Florian Töpper beim Bürgerworkshop zum Thema Mobilitätskonzept im „Fränkischen Hof“ in Geldersheim. Ein erster Bürgerworkshop hatte Ende Juni in Schwebheim stattgefunden. Um die Attraktivität der Buslinien zu steigern, werde der Landkreis Schweinfurt künftig mehr Steuermittel in die Hand nehmen als bisher. Dafür werden im Rahmen des Mobilitätskonzeptes Linien neu konzipiert. Es wird auch über Busgrößen und über die Möglichkeit sogenannte Bedarfsbusse einzusetzen gesprochen – also Fahrzeuge, die tatsächlich nur dann fahren, wenn Fahrgäste Bedarf anmelden.

    Um dieses Mobilitätskonzept mit Leben zu erfüllen, hatte das Landratsamt im April eine umfangreiche Bürgerbefragung durchgeführt. Im Rahmen von vier Bürgerworkshops (eine für jede interkommunale Allianz im Landkreis Schweinfurt) sind die Bürger eingeladen, anhand der Befragungsergebnisse das Thema zu diskutieren und so mitzugestalten.

    Nadelöhr Bahnunterführung zum Stadtteil Bergl

    Im Fränkischen Hof Geldersheim diskutierten nun Gemeindevertreter der Allianz Oberes Werntal, der die Gemeinden Bergrheinfeld, Dittelbrunn, Euerbach, Geldersheim, Niederwerrn, Oerlenbach, Poppenhausen, Waigolshausen, Wasserlosen und Werneck angehören. Irmgard Pawlak begrüßte im Namen der Gemeinde und in Vertretung des in Urlaub befindlichen Bürgermeisters Oliver Brust die Gäste und skizzierte wo die Gemeinde beim Thema öffentlicher Personennahverkehr der Schuh drückt.

    Obwohl nur gut zwei Kilometer vom Stadtteil Bergl entfernt, gibt es keine Stadtbusverbindung nach Geldersheim. Der Linienbus muss – die Geldersheimer kennen es nicht anders – über Niederwerrn fahren, weil er nicht durch die enge Bahnunterführung kommt, die Geldersheim vom Stadtteil Bergl und damit von Schweinfurt trennt. Über diesen Umweg in Schweinfurt angekommen halte viele Geldersheimer die wenig attraktive Haltestelle oberhalb des Theaters vom Busfahren ab. Wünschenswert wäre, so Pawlak, wenn der Linienbus auch die Haltestellen Roßmarkt, Gericht und am Bahnhof anfahren würde. Auch eine Busanbindung an den Bahnhof in Waigolshausen wäre wünschenswert.

    Versorgungsgebiet durch die Stadtbusse kann nicht ausgeweitet werden

    Michael Graber, der Nahverkehrsbeauftragte des Landratsamtes, stellte im Anschluss die Rahmenbedingungen und die Entwicklung des ÖPNV im Landkreis vor. Wichtige Botschaft dabei: „Das Versorgungsgebiet durch die Stadtbusse kann nicht ausgeweitet werden“. Das hat rechtliche Gründe, die im EU-Wettbewerbsrecht angesiedelt sind. Qualität und Quantität der Busverbindungen könne allerdings dann wirksam verbessert werden, wenn der Landkreis stärker als bisher als Auftraggeber der Busunternehmer auftritt – was mit Umsetzung des Mobilitätskonzeptes der Fall sein wird.

    Zwei und mehr Autos pro Haushalt

    Dieter Stepner von der kobra NVS Gmbh, die das Konzept fachlich begleitet, ging auf die Ergebnisse der Haushaltsbefragungen ein. Darin zeigt sich, wie Auto-orientiert die Menschen sind. 70 Prozent der Haushalte verfügen über zwei Pkw, ein Drittel der Befragten gaben an, dass in ihrem Haushalt sogar drei oder mehr Autos im Einsatz sind. Eine bessere Anbindung, einen fairen Tarif, kein Ticket-Nachlösen beim Umstieg innerhalb des Landkreises und geringere Zeitabstände zwischen den Fahrten – solche Dinge stehen ganz oben auf der Wunschliste. Auch weit verzweigte Linienführungen, die zwar viele Haltestellen aufweisen, aber dadurch auch viel Zeit kosten, kommen nicht gut an. „Stabile Fahrten im Stundentakt – etwa von 6 bis 20 Uhr“, sind denn auch das Ziel des neuen Mobilitätskonzeptes. Wo das aus wirtschaftlichen Gründen nicht abgebildet werden kann, wäre Bedarfsverkehr nach dem Motto „bei Anruf Sammeltaxi“ die Lösung. Bei all diesen ambitionierten Plänen wären sogenannte Wabenverbundsystems mit anderen Landkreisen von Vorteil. Auch in dieser Hinsicht wurden bereits erste Weichen gestellt.

    Es gibt noch so einige weiße Flecken im Landkreis, die im Hinblick auf den ÖPNV noch einigermaßen brach liegen. Mit den Bürgerworkshops wurde ein Forum geschaffen gemeinsam Verbesserungen konstruktiv in die Wege zu leiten und die geplanten Linien zu begutachten. Verbesserungen, die allerdings nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, denn die meisten Verträge mit Busunternehmern haben noch ein paar Jahre Laufzeit vor sich. Erst dann wird man konkret verhandeln und die Fahrplan-Offensive in die Tat umsetzen können.

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